Mittwoch, 20. Juni 2012

Euro 2012: Fräulein Wunderbar denkt... (2)


Wie war das noch mal mit dem Abseits?... 

…frage ich mich jedes Mal, wenn sich ein paar Männer unserer Mannschaft mühselig ins vordere Drittel des Gegners gekämpft haben, um das ersehnte Tor zu schießen. Ok, ok, ich gestehe: es wurde mir von den Herren der Schöpfung schon einmal erklärt, ich habe es jedoch schlicht und ergreifend wieder vergessen. Frauen und Fussball, geht das denn überhaupt? Ich erinnere mich gut an ein Bild aus meiner Kindheit. Ich spielte zusammen mit dem Nachbarsjungen hinter dem Haus. Im Fernsehen lief das Finale der WM 1974. Auf den Straßen war außer uns Kindern kein Mensch zu sehen. Alles Menschenleer. Totenstille. Dann plötzlich, in diese Stille hinein, schrie es plötzlich aus allen Wohnungen: „Toooooooooooooooooooooooooor!“ Und meine Mutter schrie am allerlautesten. In den nachfolgenden Jahren hatte ich für Fußball, wie viele andere Frauen auch,  nur ein müdes Gähnen übrig und ein fußballbegeisterter Mann an meiner Seite hätte in diesen Jahren vermutlich sehr gelitten. Dann kam die WM der Herzen. Eine junge Mannschaft – ein wundervoller, unvergessener Jürgen Klinsmann – eine WM in Deutschland – und ein leidenschaftliches Fieber, das jeden ergriff, Frau und Mann, jung und alt. Über Deutschland lag ein unvergessener Fußballzauber. Auch ich konnte mich diesem Zauber nicht entziehen und ich entdeckte ein Herz in meiner Brust, das für Fußball schlug.
Damals wurde ich bei den gemeinsamen Fußballabenden von meinen Freunden zum besten Fan gekürt, obwohl mein Sohn, geparkt auf dem Beifahrersitz, vor Scham am liebsten im Erdboden versunken wäre, wenn ich nach einem Sieg unserer Mannschaft hupend im Kreisverkehr fuhr, das Auto geschmückt mit zwei Fähnchen.
Damals lernte ich auch, was ein Abseits ist, aber wie gesagt, ich habe es zwischenzeitlich leider wieder vergessen.
Diese WM der Herzen hat dem Fußball viele neue treue Fans beschert – uns Frauen! Manch eine mit viel Hintergrundwissen, manch eine nur mit dem nötigsten und sicherlich auch die ein oder andere mit so gut wie gar keinem. Und es gibt immer noch genug Männer, die uns während einer Welt- oder Europameisterschaft lieber hinter dem Herd sehen als vor dem Fernseher. Wenn ich so etwas höre, beginne ich zu schnauben wie ein Stier, der sich gerade auf sein Angriffsziel fixiert. Und „Mann“ geht mir dann besser aus dem Weg. Ja, es stimmt, manchmal stimmt uns auch der Anblick eines ganz besonders netten Spielers selig. Aber, mal ganz ehrlich, so unter uns…..schaut ihr nicht auch ganz beiläufig, wenn die Frauen spielen? Oder schaut ihr Frauenfußball gar nicht erst an…
Ich gebe zu, Fußball ist und bleibt hauptsächlich eine Männerdomäne und ich persönlich schaue, „Mann“ glaubt es kaum, aus rein spieltechnischen Gründen lieber Herren- als Damenfußball. Und wenn ich gefragt werde, ob ich von Fußball denn eine Ahnung hätte, gestehe ich gerne, dass ich darüber nicht so viel weiß, eine WM oder eine EM für mich aber trotzdem das absolute Jahreshighlight ist, auf das ich mich schon Anfang des Jahres wie verrückt freue. Und wenn ich einen Bart hätte, würde ich ihn mir wachsen lassen, wie Jannis und Jürgen Klopp. Jawohl, das würde ich tun!
Und wenn es dann endlich soweit ist und das Eröffnungsspiel beginnt, bleibt der Herd kalt und ich lasse mir eine Pizza kommen ... oder ich schwenke das Deutschland-Fähnchen beim Kochen.
http://schmerzwach.blogspot.de/2012/05/fraulein-wunderbar-denkt-1.html

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