Freitag, 1. Juni 2012

Elf Fragen von schmerzwach an die Autorin Esther Grünig-Schöni


1954 in Burgdorf geboren, in Sumiswald aufgewachsen (Schweiz). Kaufmännische Lehre in Burgdorf, verheiratet, zwei Söhne. Zahlreiche spannende Tätigkeiten: im Musikladen, seit zwölf Jahren bei einer Tageszeitung, Museumsangestellte. Gleichzeitig Aufbau eines Schreibservices und freie Autoren-Arbeit. Lebt noch immer hauptsächlich in der Schweiz, in Burgdorf im Kanton Bern, aber einen Teil des Jahres auch in der Camargue im Süden von Frankreich. Sie sagt: Ich schreibe, seit ich zehn Jahre alt bin und tue das, weil ich nicht anders kann, brauche es wie die Luft zum Atmen: Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, Liedertexte, Reiseberichte und einiges mehr. Es ist für mich etwas vom Schönsten, mit Worten zu malen, mit Worten Figuren zum Leben zu erwecken und Geschichten zu erzählen. Und es ist schön, wenn Andere sie lesen können. Ich will mit diesen Geschichten verschiedene Themen, Aspekte und Ansichten, Anregungen unterhaltsam weitergeben und Freude schenken. Mehr zu ihr gibt es unter http://www.esthergruenig.ch und http://blog,esthergruenig.ch. Im April 2011 ist ihr spannendes Buch zu einem schwierigen Thema erschienen: Glut im HerzDie Welt eines Opfers. Flo, weggeworfenes Kind, schönes Kind, im Heim missbraucht, gequält, Objekt - Strassenjunge, Kleinkrimineller, Rocker, Biker, Lernender, Unternehmer, Mensch, schöner Mann, Freund und Geliebter, bewegtes und bewegendes Leben. 


1. Wer bist du?
Ich bin Esther. Der Name bedeutet Stern. Als solchen sah ich mich nie. Aber es ist ein schöner Gedanken. Der Sternenhimmel bedeutet Weite und Freiheit. Besonders wenn ich ihn in meiner Herzensheimat betrachte. In der Camargue. Ich liebe den Mitbewohner der Sterne: den Mond. Er hat mich schon mein Leben lang begleitet. Was bin ich? Mensch, Erdenbewohner, Autorin, Zeichnerin, Musikliebhaberin, Neugierige, Suchende, Liebende. 
2. Was machst du?
Atmen und Schreiben. Ich beobachte, lebe, fühle. Ich bin. Im Innern rebelliere ich oft. Nach außen wirke ich ruhig. Manchmal gebiert die Rebellion in mir eine Geschichte, ein Bild oder Ausdruck in einem Lied, ein Gedicht oder ein exzessives Tanzen, um alles hinaus zu lassen, was drückt. Ich liebe Vieles, das wild ist. Das war früher so und ist es immer noch. Meine Gefühle sind so intensiv, dass sie einen wilden Strom formen und nicht ein sanftes vor sich Hinplätschern. Meereswellen vielleicht, die noch besser passen. Denn sie können an der Oberfläche ganz ruhig wirken und bergen doch in sich Vieles. Ich lerne Menschen kennen, gehe mit ihnen einen Stück Weg und sie mit mir und oft ist ihr Weg dann zu Ende oder die Wege gabeln sich und jeder von uns möchte einen anderen gehen, also trennen wir uns wieder. Ich habe eine kleine Familie, denn die große Verwandtschaft war nie mein Privileg oder meine Last, je nachdem wie jemand das empfindet. Es ist dies: mein Mann, unsere beiden Söhne und Tierchen, zurzeit ein Hund und eine Katze. Die Katze gehört zu mir, der Hund zu meinem Mann. Die Söhne sind nun Männer und leben ihr Leben. Der Kontakt ist gut. Ich lebe den Alltag wie es viele tun. Da ist nichts an Sensation dahinter. Obwohl jeder Mensch speziell ist, es ist normal, wenn etwas normal sein kann. 
3. Woher kommst du und wohin möchtest du?
Ich komme vom Mond und möchte hinaus in die Weite, in die Unendlichkeit ohne Grenzen. Doch vielleicht bin ich schon in der Weite angekommen. So genau ist es mir nicht bewusst. Ist das zu bildlich? Mir war danach. 
4. Warum bist du Künstlerin geworden?
Weil ich das bin, nicht anders kann. Es kam zu mir, es überfiel mich. Und ich brauche es. Ohne kann ich nicht leben. Sich selbst aufgeben, bedeutet Tod oder? Es gehört zu mir.

5. Welche Ziele hast du?
Ein Leben zu führen, dass denen um mich her nicht bewusst weh tut und Schaden zufügt, sondern ihnen vielleicht ein wenig gut tut. Ein Leben zu führen, das für mich selbst auch gut ist. Ich möchte gerne, dass Viele meine Bücher lesen, dass sie dabei die ganze Palette an Gefühlen erleben und leben können, dass es ihnen etwas gibt, und wenn es nur ein Krümel ist. Etwas, das bleibt. Ich möchte gerne, dass einige Vergnügen an meinen Bildern haben und ihnen bei meinem Gesang wohlige Gänsehaut über den Körper läuft. Ich möchte vom Schreiben ganz leben und damit auch anderen beim Leben helfen können. 
6. Wer oder was inspiriert dich? 
Die Menschen, Lebensgeschichten, ein Ort, der Wind, ein Anblick, das Beobachten in einem Café. Manchmal ein Satz irgendwo, ein Wort, das mich fasziniert, ein Ausblick und immer wieder die Camargue, meine Heimat. Ein Lächeln, ein Weinen, ein Schicksal, ein kleiner Stein, ein Hölzchen, eine gefurchte Rinde. Etwas das ich höre, rieche, schmecke, sehe. Alles um mich her auf seine Weise, manchmal stärker, manchmal schwächer. Das Leben überhaupt. Gedanken, die in meinem Kopf Turnübungen veranstalten. Gefühle, die mich aufwühlen, unruhig werden lassen oder mir Frieden geben. Träume in der Nacht, ein Rauschen. Ja alles.
7. Wann bist du glücklich?
Wenn ich schreibe. Wenn ich fühle, dass die Menschen, die um mich sind, keine Blockaden verursachen. Wenn ich angenommen werde, wie ich bin. Wenn ich gesehen werde als Mensch, nicht als Funktion in irgendeiner Weise. Wenn es den Menschen, die ich liebe gut geht. Wenn ich in der Camargue bin. Zuhause. 
8. Wie sieht dein perfektes Leben aus?
Ich weiss nicht, ob es das perfekte Leben gibt, ob Perfektion erstrebenswert ist, weil das Perfekte wird oft kalt, frostig, ungnädig, verurteilend. Aber um doch eine Antwort zu finden: Für immer in der Camargue leben, schreiben und meine Lieben um mich her, die sich auch wohl fühlen und sich selbst sein können. So wie ich auch ganz ich selbst sein möchte. Immer.  Einander helfen. Wenn mir danach ist, zeichnen und singen ☺
9. Was würdest du tun, wenn du ein Tag lang Königin von Deutschland wärst?
Ein großes Fest, an dem alle teilnehmen, sich kennen lernen, sich näher kommen und Ängste abbauen können, so dass sie den Rest der Zeit besser miteinander leben und nicht ständig nur gegeneinander. 
10. Wovon hast du als Kind geträumt?
Ich wollte Indianer sein in den Weiten der Prärie.
11. Worauf könntest du verzichten und worauf überhaupt nicht?
Auf Krieg, Streit, Grausamkeit und Grenzen überall könnte ich verzichten. Und persönlich? Auch auf Streit und nicht verstanden werden, auf die Einsamkeit. Gegenstand? Ein großes Auto. 
Auf ein Miteinander und auf Wärme könnte ich nicht verzichten. Persönlich: aufs Schreiben, auf Liebe. Gegenstand: Mein Schreibwerkzeug.

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