Donnerstag, 14. Juni 2012

Euro 2012: Dürfen "wir" uns nicht einfach daran erfreuen?

Wieder ein Großereignis, das schmerzwach in Bann hält - und wieder ist es so wie beim Eurovision Song Contest auch: überall Politik und eigentlich würde ich dieses Minenfeld gerne umgehen. Das erscheint aber unmöglich, deswegen erst einmal:
Ja, monatelang wurden auf Facebook ekelhafte Bilder gepostet, mit denen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Tiere in der Ukraine gequält werden. Habe ich vernommen und finde es sehr schlimm (auch ohne solche Dinge selbst gepostet zu haben). Ja, in beiden Ländern ist man homophob, sehr homophob - und das ist etwas, das ich nicht dulden kann. Es ist schlimm und nicht akzeptabel. Da sind wir uns auch alle einig. Ja, die Ukraine verstößt gegen die Menschenrechte und gegen den kleinen gemeinsamsten Nenner der Europäer (und der EU), nämlich Grundrechte für jeden Bürger und Demokratie - sie tritt die Würde ihrer Bürger mit Füßen, sperrt unschuldige und "unbequeme" Menschen ein (z.B. Juliya Tymoschenko) - das ist nicht akzeptabel und dagegen muss etwas getan werden. Ja, es gab in Polen Ausschreitungen und auch das ist traurig und wirft kein gutes Licht auf diese Euro 2012. Ich finde auch gut, dass die europäischen Politiker/innen ein Zeichen setzen und sich nicht in den ukrainischen Stadien zeigen, mit dem Hinweis, dass ein paar Meter weiter Tymoschenko und andere in Haft sind. Andererseits finde ich es schade! Und das darf hoffentlich gesagt werden. Ich bin kein Nationalist und kein Fremdenhasser und ich beziehe das auf alle Mannschaften: Für die Spieler ist es eine besondere Ehre vor ihrem eigenen Staatsoberhaupt zu spielen, schade also, wenn Angela Merkel und Königin Beatrix dann nicht anwesend sind.


aus https://www.facebook.com/schwatzgelb
Legitim finde ich es trotz allem, wenn Fans in die Ukraine fahren und ihre Mannschaften anfeuern - und sich dabei herzlich wenig um Politik kümmern. Das ist ihr gutes Recht! Sie haben sich vielleicht mühsam Geld zusammengespart, jahrelang auf die nächste Meisterschaft gefreut, wollen Spaß und sich am Erfolg ihrer Mannschaft erfreuen. Legitim ist es auch, wenn die Spieler sich nicht großartig einmischen - es ist ihr Job da zu spielen. Für Proteste ist da kein Platz, sie müssen sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Legitim ist es auch, dass die Fans "zuhause" mit ihren Mannschaften mitfiebern und auch da nicht jede Minute über die ukrainischen oder polnischen Verfehlungen diskutieren müssen. Es gibt noch genügend anderen Quatsch, den die Zuschauer während solcher Fußballspiele herausschreien - plötzlich werden alle zu besseren Trainern als Jogi Löw, schreien tagelang: Gomez raus, Klose rein - und wer schießt dann die Tore? Da wird Foul geschrieen und Elfmeter und ganz klar rote Karte - in der Wiederholung sieht man, dass der eigene Spieler geschickt geflogen ist. ;-) Aber auch das gehört dazu und macht das Spiel so reizvoll für alle. Es ist gleichzeitig einfach und kompliziert. Die Regeln sind so trivial, die Taktik erscheint es auch zunächst, doch je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr kann man dazu diskutieren... Und noch ein Wort zum "Nationalismus"? Ja, der nimmt während so einer Meisterschaft zu, da bin ich mir sicher, auch der "Fremdenhass" nimmt zu in dieser Zeit, da gibt es Studien, die das belegen, und auch das ist nicht erfreulich. Das hat aber auch mit den Emotionen, die beim Fußball entstehen, zu tun. Man fiebert mit einer Mannschaft mit, in der Bundesliga zum Beispiel mit dem BVB, da beginnt man die Rivalen zu hassen, die Bayern zum Beispiel, oder auch Schalke. Es beginnt mit Ärger und Wut und schlägt dann um. Bei der EM und der WM sind es eben nicht Clubmannschaften, die man anfeuert, sondern Nationen. Das ist eben so. Das wird auch so bleiben. Da steigert man sich rein, da verflucht man plötzlich "die Italiener", weil sie in der letzten Minute ein Tor geschossen und damit "die Deutschen" rausgehauen haben, die dann nicht ins Finale kommen. Das kann dann auch noch bis zur nächsten Meisterschaft oder gar für immer andauern. Und wenn jemand das doof findet, dass man "wir haben gewonnen" nach dem Spiel gegen Holland sagt oder auch "wir spielen heute Abend gegen"... das kann ich nachvollziehen. Natürlich stehen nicht "wir alle" auf dem Fußballplatz, da stehen elf Spieler, die einen deutschen Pass haben, aber diese Identifikation muss wohl erlaubt sein, so schwer ich mich selbst damit tue. Es wird auch keiner hören, dass ich "wir Deutschen" sage, ich spreche immer von "der deutschen Mannschaft". Aber okay, ich beschwere mich auch nicht, wenn alle anderen das machen, jeder darf das für sich selbst entscheiden. Genauso mit den Flaggen und Fahnen - ja mei, dann hängen die halt überall. In anderen Ländern hat man da auch ein viel unverkrampfteres Verhältnis dazu. Nein, die Deutschen sind keine Nazis, wenn sie ihre Flaggen hissen - erst wenn da ein Hakenkreuz dran ist, aber lassen wir das. Worum geht es in diesem Beitrag? Lasst uns doch einfach Spaß an dem ganzen Trubel haben, lasst uns nicht alles zerreden und klein machen. Es sind Emotionen, die uns da leiten - lassen wir sie zu. Vier Wochen sind doch auszuhalten, oder? :-) Und nicht alles ernst nehmen, man darf auch oberflächlich sein und über die Tattoos der Spieler und über ihre "Schönheit" reden, denn es kommt eben nicht nur aufs Spielen an, es geht darum, eine Beziehung aufzubauen, Gefühle zuzulassen und sich einfach von der Euphorie anstecken zu lassen. :-) Und wer es nicht möchte, kann dies auch lassen - auch wenn es schwer ist zu ignorieren, wenn in jeder Kneipe Fußball läuft und die Timeline jeden Abend mit Fußball-Kommentaren zuquillt. ;-)

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