Freitag, 5. März 2010

Kafkaesk...

Sie befinden sich in einer Wüste, rund um sie herum ist nur Sand, Unmengen von Sand, Jonas schwitzt und läuft, neben ihm Aleks. „Aleks, wo laufen wir eigentlich hin?“ fragt er. „Was? Ich heiße nicht Aleks. Ich bin ein Beamter, und selbst wenn ich Aleks hieße, habe ich Ihnen das Du nicht angeboten.“- „Achso, entschuldigen Sie. Ähm - trotzdem, wo laufen wir denn hin?“- „Zu Ihrem Bräutigam, mein Herr.“- „Zu Max?“- „Ja, ich denke, so heißt er.“- „Geil, kommen Sie, beeilen Sie sich. Ich will ihn so bald wie möglich wiedersehen.“

Sie laufen. Jonas´ Füße beginnen zu schmerzen, sein Gesicht ist von der gleißenden Sonne verbrannt, seine Haut geplatzt und voll Blasen. Er wird langsamer. „Ich kann nicht mehr.“ Der Abstand zu dem Beamten (Aleks) vergrößert sich. „Jetzt kommen Sie doch endlich.“- „Wie weit ist es denn noch?“- „Nur noch ein paar Schritte.“- „Gut.“ Er schließt wieder zu dem Beamten auf.

Sein Hochzeitsanzug, der ihm, als sie losgelaufen waren, noch sehr gut stand, ist ihm mittlerweile zu groß geworden, er schwimmt in ihm, sein Haar steht ihm wirr und starr wie Stroh um den Kopf . Ehemals braun, ist es nun ergraut. Er ist alt und trocken geworden. „Wann kommen wir denn endlich an?“- „Nur noch ein paar Schritte.“- „Das haben Sie vorhin auch schon behauptet.“- „Memmen Sie doch nicht!“- „Nicht memmen? Sehen Sie mich doch an, ich bin ein alter Hund und noch immer habe ich Max nicht gesehen.“- „Das wird schon noch.“- „Sie haben gut reden, Sie sehen hübsch und jung wie eh und je aus. Wie sind Sie eigentlich zu diesem Job gekommen?“- „Weiß ich nicht. In Ihren Träumen muß ich immer solche Assi-Jobs haben.“

Sie laufen unaufhörlich weiter. Das Haar grau, die Haut faltig und kraftlos, der Schweiß fließt ihm von der Stirn, sein Anzug schlabbert, er wird langsamer. „Machen Sie langsam, Herr Beamter (Aleks).“- „Na gut.“ Endlose Sandhügel um sie herum. „Er ist doch noch immer schön, oder?“- „Wer?“- „Na, Max, natürlich.“- „Klar, Max sieht toll aus, soweit ich das beurteilen kann. Apropos: habe ich erwähnt, daß ich Schwuchteln hasse?“- „Bin ich froh, wenn ich ihn endlich wiedersehe.“

Sie laufen, die Sandhügel wollen kein Ende nehmen, die Sonne gleißend und verbrennend. Nach einiger Zeit fällt er wieder zurück, er setzt sich nieder, ruht sich aus. „Kommen Sie!“- „Wohin gehen wir denn? Ich habe es vergessen.“- „Zu Ihrem Bräutigam.“- „Wie sieht er noch einmal aus?“- „Gut.“- „Wie heißt er?“

„Na Max.“ Jonas wirft sich verzweifelt auf den Boden. „Ich werde ihn nie wieder sehen. Jetzt bin ich alt und grau, ich werde sterben, bevor ich ihn sehen werde.“- „Bleiben Sie ruhig. Das schaffen wir noch.“ Und tatsächlich. Vor ihnen machen sie auf einmal zwei Gestalten aus. „Wer ist das?“ fragt Jonas. „Das ist Max mit einer jungen hübschen Frau an seiner Seite.“- „Ist Max noch jung und hübsch?“- „Ja. Und es sieht so aus, sorry, ich glaube- ja- er hat nun eine Braut bekommen. Schade.“- „Was? Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet, es unnütz vergeudet? Nur um aus der Ferne zu beobachten, wie er mit einer jungen hübschen Tussi abhaut?“- „Sie haben ihn wenigstens sehen dürfen.“- „Was? Ich wurde betrogen. So ein vergeudetes Scheißleben. So ein großer Mist. Ich bin alt, häßlich, sehe schlecht, meine Haut ist rissig, verbrannt, faltig. Und was hat mir all das Leid gebracht? Ich stehe mitten in der Wüste und bin noch immer allein, ungeliebt...“- „Tja.“- „ Dann will ich Sie haben.“ Mit letzter Kraft versucht er sich an den jungen Beamten heranzumachen. „Vergessen Sie es, ich mag keine Schwule.“- „Ich will Sie! Ich sterbe!“- „Sodann.“

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