Sonntag, 28. März 2010

Freunde hoch 2...

Sicherlich sah ich etwas verratzt aus, wie so ein kleiner Kiffer, mit langen blondierten Haaren, oder eher henna-orangen und nicht henna-rot, mit zerrissenen Jeans vermutlich, denn das waren sie meist, weil ich immer irgendwo hängen blieb, leicht verspätet auch, daher auch verpeilt und nicht wissen, wo ich mich am besten hinsetzen sollte. Nach hinten, ja, letzte Reihe, das ist ja quasi Pflicht an der Hochschule, also auch hier, aber was ist da, fast alles schon belegt, nein, nur da rechts hinten, echt ey, da ist genau ein Platz frei, und der ist meiner!
Ich sitze neben einer schönen orientalischen Schönheit, die nach etwa drei Minuten bereits völlig verstört und weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Sie hatte ihren Stundenplan neben sich liegen lassen, war ja dann meine Tischhälfte, es war der zweite Tag im ersten Semester - für uns beide -, und ich schaute drauf und teilte ihr ungefragt mit, in welchen Kursen ich mit ihr zusammen hatte. Neben ihr saß auch der Autist, der jahrelang unser Freund blieb, allerdings verloren wir uns aus den Augen, denn wir hatten ja unseren Abschluss rechtzeitig geschafft, er leider nicht...
Die orientalische Schönheit war eine ganz besondere Frau, natürlich ist sie es noch immer. Gleich nach unserem Kennenlernen, das sie ja zusehends verwirrt hatte, trafen wir auf eine Serbin, die uns bald "zu deutsch" wurde, eine Beschimpfung, die die orientalische Schönheit mehr aus Verlegenheit heraus, erfand. Doch davor waren wir anderthalb Jahre lang A. und die Ausländer. Bei unserem ersten gemeinsamen "Ausländer"-Mittagessen, saßen wir ganz Multi-Kulti im McDonalds und lachten uns kaputt über unsere Gastarbeiter-Eltern, erzählten uns die lustigsten Schwänke, die witzigsten Versprecher, a la "Kinder, Kinder, kommt schnell her, da ist ein Kaminfeger auf dem Fenster"? Hä? Er meinte Marienkäfer.
A sagte uns ja immer, dass wir nicht so viel lästern sollten, und wenn, dann 100 Meter Sicherheitsentfernung. Aber das konnten wir so schlecht einhalten. Und wir hatten so schöne Namen für unsere Kommilitoninnen. "Eiskaltes Händchen" etwa, "AV-Mädchen" (aus dem Seminar AV-Medien), "Doppelkinn ohne Kinn" oder auch "die Oma", achja, "The Voice" Carinna nicht zu vergessen. Immer wenn uns langweilig war, hatten wir die dümmsten Ideen. Oder wir schwänzten, um mal wieder in den H & M zu gehen. Siehe Freunde... :-)
Wir waren auch der "Orthodoxe Stammtisch", weil wir alle den orthodoxen Glauben hatten und haben, griechisch orthodox, serbisch orthodox, assyrisch orthodox... Der Glauben war wichtig, die Tradition, vor allem aber die Eltern dieser orientalischen Schönheit, die so streng waren. Die ihr verboten, auszugehen, und das im Alter von Anfang bis Mitte Zwanzig, ihr verboten, einen Freund zu haben, der dann ihr erster Freund gewesen wäre. Siehe den Post davor. Sie zwangen sie dazu, sie zu belügen, zu betrügen. Nachts auszubüchsen, was noch viel gefährlicher war. Ihren Freund geheimzuhalten, den ich mit ihr verkuppelte, als wir auf Studienfahrt in der Türkei waren. Viele witzige Geschichten gab es darum herum, manchmal natürlich auch ganz dramatische. Deswegen habe ich auch den Post davor geschrieben. Erinnerte mich an diese ganze Zeit, die so intensiv war, weil ich so jung und lebensunerfahren, und die Diskussionen so heftig, die verschiedenen Welten aufeinanderprallten. Meine Homosexualität, die Thema wurde, mein freierer Umgang mit Sexualität, der auf sie abfärbte...

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