Mittwoch, 24. März 2010

Freunde...

Plötzlich stand sie vor mir! Eine junge hübsche Frau. Eine hübsche Frau, deren Gesicht ich kannte. Gut sogar, kann ich behaupten. Sie war einst meine Nachbarin gewesen. Alte Zeiten. Meine Nachbarin. Und Schwester vom schönsten Jungen der Straße. Nennen wir ihn Simon. Er heißt anders. Soll aber unerkannt bleiben. Simon also.
Meine Lieblingskollegin Jema schleppte mich mal wieder in diesen H & M, in den alten, wie wir sagten. Ich sah Simon ein Hemd befühlen und schalte mich bereits in diesem Moment selbst. Verdammt! sagte ich mir. So jemanden wie ihn sprichst du nie an. Wieso nicht?! Schwächling, nannte ich mich, Idiot, Versager! Ich beobachtete ihn noch eine Weile unschlüssig.
Als wir im zweiten H & M der Stadt, dem Neuen, waren, wollte Jemas Schwester Sonja etwas anprobieren. Wir gingen mit und standen vor der Umkleide. Neben uns stand ein langer Kerl, nennen wir ihn der Einfachheit halber Frederik. Simon kommt aus der Umkleide neben Sonja heraus, trägt ein Long-Sleeve. Es sieht schön aus, nur die Größe passt nicht, L ist ihm zu groß. Nee, hören wir Frederik sagen. Nee, sagt auch Simon und geht wieder in die Umkleide hinein. Wir mischen uns ein. Nein nein, sagen wir, das Long-Sleeve steht ihm, es ist nur die falsche Größe. Hörst du, fragt Frederik, komm noch mal raus, Simon. Tut er. Schaut uns fragen an. Ja, sagen wir, du brauchst M, nicht L. Okay, sagt er, Frederik, hol mal M. Tut er.
Wir kommen ins Gespräch, doch Jema und Sonja verabschieden sich schnell. Unschlüssig stehen die Jungs bei mir. Ich schaue auf Simons Schuhe. Du brauchst neue, sage ich. Ja, dann gehen wir neue Schuhe kaufen, sagen die Jungs. Und unsere Freundschaft ist besiegelt, denn... Nachdem wir die Nummern tauschen und sie sich das erste Mal melden, mich in eine Absinth-Kneipe bestellen, und wir auf dem Rückweg nach Hause merken, dass wir alle in der gleichen Straße wohnen... sind wir quasi unzertrennlich. Sie nehmen mich auf ihre Partys mit, ich sie auf meine. Trotz des Altersunterschieds. Es ist saunett.
Sie laden mich zu sich ein, wenn die Mutter Geburtstag feiert, hier gibt es lecker Essen, sagen sie. Sie kommen zu mir rüber, wenn sie mal etwas anderes erleben wollen. Er kommt zu mir, um von mir massiert und gestreichelt zu werden. Sie, seine Schwester besucht mich, um ein bisschen Ulk von mir zu hören.
Jetzt ist sie seit drei Tagen hier. Und ich sehe sie als erstes. Freue mich. Sie steht vor mir. Ich möchte sie umarmen. Ich tue es. Was machst du hier? frage ich sie. Ich bin im Volontariat. Hier. Ausgerechnet in diesem Museum. Und ausgerechnet auf dieser Ausstellungseröffnung bin ich. Wir werden wieder Freunde, wie früher, bevor wir uns gestritten hatten. Bevor ich ihr zu anstrengend wurde, warum auch immer.
Es war vielleicht schwierig. Nachbarn, die Freunde werden, Altersunterschiede, Mentalitätenunterschiede, ein wunderschöner Junge, ein homosexueller Mann, eine wunderschöne Schwester des Jungen, die Freundin des Jungen, die Freunde des homosexuellen Mannes, die den Jungen verehren, und die Freunde des Jungen. Depressionen des älteren Nachbarn, Partys, Alkohol, Drogen, sensibler hübscher Junge, sensible junge Schwester. Und jetzt hier. Wieder Freunde. Alles anders. Schön.

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