Sonntag, 13. Mai 2012

Mein Bukowski 3/3

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... Als Thees wieder verschwand, führte ich mein altes Leben und vergaß Bukowski, der Virus war sehr kurzzeitig in mir drin gewesen. Und er kehrte erst beim nächsten Besuch von Thees zurück, einige Jahre später – wir hatten beide feste Jobs, die uns beide ankotzten. Diesmal hatte er „Factotum“ dabei, mit Matt Dillon, den ich genauso verehre wie Mickey Rourke, ein Film, der in der Zeit spielte, als der Erfolg Buks noch bei weitem nicht absehbar war. Es passte in diese Zeit, in unsere Umbruchsphase, in die von Thees und mir: wir wollten schreiben, wir wussten endlich, dass es keine Ausreden mehr geben dürfe, dass wir endlich so weit sind, nicht DEN Roman zu schreiben, sondern das, was in uns drin ist und raus muss, ohne diese Bukowski-Attitüde, ohne cool sein zu wollen. Hört sich wahrscheinlich paradox an: Bukowski half uns dabei, nicht Bukowski zu folgen, sondern unser eigenes Ding zu machen. So war das. Und trotzdem: Bukowski war in uns drin! So oder so. Er war uns Ansporn gewesen. Und wir lasen ihn (wieder), Thees las ihn wieder und schrieb in seinem Blog darüber, ich las ihn NICHT wieder, sondern das meiste von ihm das erste Mal. Und es war anders als früher. Es interessierte mich, es machte etwas mit mir, es inspirierte mich. Nein, ich möchte nicht wie Bukowski sein, nicht mehr – diese Faszination volltrunken gute Texte zu schreiben, nur für die Liebe, das Schreiben und das Trinken zu leben, sie ist nicht mehr da. Doch dahinter zu schauen, ihn als Autoren zu entdecken und die Gesellschaftskritik zu sehen, die heute so aktuell ist wie damals, überhaupt dahinter zu schauen bei diesen amerikanischen Autoren, von denen man immer nur als verhurte, trunkene oder verdrogte Typen spricht und sie dafür verehrt, das erreicht mich erst seit einiger Zeit. Thees und ich sind angekommen und trinken noch immer Whisky, er kennt sich mittlerweile gut aus, leitet Verköstigungen, und ich kann dabei mitreden, wenn er mich dazu einlädt. Immerhin. Wir haben keine dummen Jobs mehr, keine Chinaski-Jobs. Keine Bürokratie. Wir machen jetzt, was wir wollen. Thees und ich. Wir haben beide keine Kinder, wollen auch keine. Und seine Freundinnen bleiben so hübsch wie sie immer schon waren, während er genauso hässlich wie immer schon ist. Und meine Jungs werden auch nicht viel älter, erwachsen genug sind sie schon, aber unverschämt gut aussehend auch, wenigstens da sind wir ganz Chinaski, der Thees und ich...
© 2012 by Bettina Scherb and Jannis Plastargias

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