Samstag, 28. August 2010

Woody Allen in der U5

Natürlich, natürlich, wir wussten es schon immer: Schmerzwach ist ein Stadtneurotiker, ja ja, im Grunde genommen besagt der Name doch genau das! Also, wenn man Schmerzwach mit Woody Allen vergleicht, sagt man etwas Richtiges. Und doch traf mich der Vergleich auf dem falschen Fuß in diesem Moment.
Aber nun mal von Anfang an. Ich hatte ja bereits erzählt, dass mich bei Playing the City das Rhein-Main-TV-Team gecastet hatte. Jetzt möchte ich euch erzählen, wie der Dreh verlaufen ist. Zunächst einmal:
Die U5 von meiner "Heim"-Haltestelle Musterschule bis zur Endhaltestelle Hauptbahnhof (und eigentlich noch weiter), mehrmals hin und zurück, hin und zurück, die Bahn wird voll, sie entleert sich, wird dann voll, und wieder entleert sie sich. Und dabei ein Team mit Kameras und Ton, ein Aufnahmeleiter und eine Praktikantin, und auch der schönste Mann der Welt war mit von der Partie. Und der Intellektuelle mit der schönen Brille, die einen so intellektuell erscheinen lässt.
Einen Tag vor dem Dreh: L. ruft an, sagt, dass das Outfit ruhig wie bei dem Dreh mit der Schirn sein solle, aber... vergiss die Brille nicht, die Brille ist ganz wichtig. Na, okay, ich mag meine Brille auch sehr gerne.
Die Brille, denn die hatte wohl die eigentlich Hauptrolle in diesem Dreh, musste die FAZ lesen, nun ja, auch das bekam sie, bekam Schmerzwach über sich, war ja für einen guten Zweck. Dafür nahmen wir sehr viel in Kauf: Angenervte Bahnfahrer, die uns aus der Bahn schmeißen wollten, Fahrgäste, die völlig angenervt von uns waren, weil sie sich einfach nur setzen und nicht ins Fernsehen wollten.
Zeitung lesen, nicht in die Kamera schauen, dann doch, überrascht tun, C. anschauen, ihn beobachten, wieder in die Zeitung schauen, sich wundern, warum sind plötzlich keine Menschen mehr da?, einen Punkt fixieren, überrascht tun, von rechts nach links schauen, dann innehalten, danach von links nach rechts schauen, Zeitung hoch, Zeitung etwas runter, nein! doch wieder höher, wieder ein bisschen runter. So ging das in einem fort.
Viele Leute möchten ins Fernsehen, zum Fernsehen. Doch Drehen ist vor allem Warten, Wiederholen, Warten und Wiederholen. Drehen ist sich konzentrieren, disziplinieren, auf Anweisungen warten, ihnen folgen. Drehen ist ein Lamm zu sein, nichts zu sagen zu haben, zu tun, was andere sagen. Drehen ist, aus sich heraus gehen, abliefern, sich im Griff haben. Drehen macht Spaß, ist aber auch unheimlich anstrengend.
L. wieder, während einer Umsteige-Aktion an der Musterschule. Wir stehen da, schauen schon mal ein paar Aufnahmen an (mein erstauntes Starren), dann sagt er zu mir: "Wie Woody Allen! Hat dir das schon mal jemand gesagt? Wie Woody Allen! Cool!" - "Ähm, liegt wohl an der Brille!" ...
Ich bin auf das Ergebnis gespannt. Sobald ich es habe, werde ich es hier einstellen. Ich freu mich schon! :-)

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