Donnerstag, 15. August 2013

schmerzwach reist: Lohr, erstrecht gläubig


Es war wie Geocaching. Nur etwas mehr 2001. Der eine fährt Fahrrad (und das war nicht ich!) und der andere nimmt den Zug (;-)) - und dann wird sich irgendwo getroffen. Die Wahl fiel ... auf Lohr. Noch nie gehört, dachte ich. Noch nie gesehen, dachte ich. Als ich dann ausstieg und den Fahrradfahrer suchte, hatte ich kurz den Gedanken: Jeder unterfränkische Bahnhof sieht also gleich aus - bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Nein, ich war da tatsächlich schon mal, und es ist nicht lange her, als Franken wanderte musste ich da umsteigen. :-) Gedankenverloren fuhren wir damals mit dem Bus an dieser Stadt vorbei. Diesmal aber durfte ich ein bisschen durch diese Stadt flanieren, ein naturtrübes Bier und Käsespätzle essen - und zwei spannende Stunden mit dem jungen Fahrradfahrer verbringen ... Im Nachhinein erscheint es sehr sinnig, dass ich mich einen Abend vor Mariä Himmelfahrt (Feiertag in Bayern) mit ihm in so einem Ort traf. In mir passiert etwas, es gärt. Nur was? Ich weiß es noch nicht ... Schon beim Wandern damals, als ich im Tegut ein Kreuz hängen sah, wunderte ich mich sehr über dieses südliche Bundesland. Ich bin ja in Baden-Württemberg aufgewachsen ... aber so krass wie in Bayern war es selbst da nicht. Überall Kreuze, Jesus-Statuen, Mariae, alles, alles, Kirchen überall, auch die Leute sind alle irgendwie anders angezogen. Es ist eine fremde Welt. ...
Es ist alles verwirrend. So vieles passiert. So vieles ist noch ungeordnet, brodelt in mir drin, Gefühle, die sich widerstreiten, manchmal an Verwirrung grenzend. Im Zug lesen - das liebe ich. Ich beendete "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Karbach und ich musste weinen. Nein, ich spaße da nicht, ein so melancholisches und so wunderschönes Buch - mit so viel Tiefe, mit so viel Psychologie, ein Meisterwerk! Und die Figuren werden so plastisch, so eindringlich beschrieben - ich fühlte, ich litt mit ihnen mit. Krasse Reise-Lektüre, optimale Reise-Lektüre. Das Reisen verändert dich, macht etwas mit dir ... Dieser Eintrag ist ein bisschen ungeordnet, so wie meine Gedanken im Moment, wirklich, was passiert mit mir? Ich weiß, so vieles muss ich aussparen, so vieles kann ich nicht in Worte fassen ... Kommt noch, kommt noch ...
"Die Franken sind komisch", sagte eine Freundin vor meiner Fahrt nach Lohr. Die Franken, also die im Zug, versuchten Kontakt mit mir aufzunehmen. Zuerst das kleine Mädchen, welches die Automatik an der Tür nicht so ganz begriff (ich sah es aber auch nicht ein, ihr zu helfen - sollte gefälligst bei ihren Eltern im anderen Abteil bleiben, so! ;-)), irgendwann war es dann so weit, sie lächelte siegesbewusst, winkte ihre Eltern zu, setzte sich dann mir gegenüber, sagte laut "Hallo", grinste wie von Sinnen - irgendwann hatte ich ein Einsehen und lächelte zurück. Sie ging bald weg (ich wollte lesen, Musik hören), da folgte der nächste Kommunikationsversuch. Ein altes Ehepaar mit Riesenhund pflanzte sich mir gegenüber, der Hund lag fast auf mir. Irgendwann tätschelte mich der alte Mann am Oberschenkel (mag ich ja gar nicht), fragte mich, ob ich gleichzeitig lese und Musik höre. Irritiert antwortete ich mit Ja. Das eine Englisch das andere Deutsch? fragte er nach. Das Buch Deutsch, die Musik Englisch, ja - beides Deutsch würde mich rausbringen, sagte ich. Er fragte weiter. Er fand es faszinierend, wie kann das gehen. Dann meinte ich: Ja, ich bin etwas hyperaktiv. Das Wort kannte er nicht, dachte, dass das eine besonders geniale Fähigkeit sei. Dann meinte er: Naja, ob man glücklicher ist, wenn man so genial ist? Ist halt so, wer weiß das schon. Ich schaute ihn irritiert an. Dann mussten sie auch schon aussteigen, lächelten breit, wünschten mir das Beste für das weitere Leben. Franken sind komisch. ;-) Doch lange konnte ich nicht darüber nachdenken: Schon wurde ich mit einer Plastikflasche beworfen (Cola!!!), natürlich aus Versehen, aus Unachtsamkeit. Und trotzdem. ...
Ich war nachdenklich, als ich in Frankfurt ankam, konnte nicht so viel mit dem Bernemer Mittwoch anfangen: zu viele Menschen, zu viel lautes Getöse - ich sehnte mich nach etwas Anderem ...










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