Dienstag, 13. August 2013

schmerzwach reist: Limburg, gläubig

Ich muss frei sein. Frei sein, frei sein. Nicht immer planen. Das mache ich schon so oft: Veranstaltungen planen, koordinieren, organisieren, Buchprojekte, Anthologien, Netzwerke, dies und das. Immer planen. Reisen ist auch Planen. Aber das möchte ich nicht. Einfach in den Zug setzen. Ohne Plan, wo es hin geht. Auf die Anzeigen am Bahnhof schauen, ein Ziel aussuchen, sich in eine Bahn setzen, irgendwo hinfahren. Aussteigen. Frei sein. Einfach herumlaufen, Eindrücke sammeln. Durchatmen. Spüren. 
Es geht nicht um das Fakten sammeln, es ist kein Recherchieren. Recherchieren ist mein täglich Brot - auch davon möchte ich mich befreien. Ich möchte Eindrücke sammeln, mich selbst füllen. Leute anschauen. Atmosphäre schnuppern. Vielleicht verarbeite ich das einmal in einer Geschichte, vielleicht auch nicht. 
Ich möchte nichts lernen - und doch tue ich es auf diesen Fahrten ins Irgendwo. Es entsteht ein Bild von Deutschland in mir - wo, etwas sich befindet - ich bekomme eine Orientierung. Und ich bekomme einen Eindruck, wie schön Deutschland ist. 
Großstädter bin ich mit Leib und Seele. Wirklich. Normalerweise. Meistens ist mir Frankfurt schon viel zu klein. Ich brauche die vielen Optionen, die Hektik, ich brauche diese vielen Veranstaltungen, den Stress, die vielen Menschen. Und dann gibt es aber Zeiten, in denen ich das alles nicht brauche, in denen ich mich zurück ziehen möchte. Das kann ich in meinem Zuhause. 
Diese kleinen Städte, die ich so schön finde, haben so viel Vergangenheit. So wie Limburg. Nein, da passiert nichts. Und es gibt viele hässliche Ecken in der Stadt, immer da, wo etwas neu gebaut wurde - doch es gibt diese anderen Ecken, diese alten Gebäude, diese Schönheit. Besser wäre es natürlich, wenn in einem alten, wunderbaren Haus kein Schnickschnack-Laden wäre, besser wäre es, wenn da Menschen drin wohnen könnten, die das zu würdigen wüssten, selbstverständlich.
Und Regen macht keine Stadt schön, das stimmt auch. Aber: ich wollte nicht planen, ich wollte einfach losfahren. Ich wollte sehen.  Ich wollte spüren, fühlen, sein ... Oder ... Oder ... Oder ...
Nicht verschweigen möchte ich, dass es auch einen zunächst unbewussten Grund gab, wieso ich mir ausgerechnet diesen Ort mit einem Dom, mit vielen Kirchen etc. ausgesucht habe ... Ein Gespräch mit einem beeindruckenden, jungen Mann, das ich am Sonntag geführt habe - in dem es um Religion und Glauben ging. Und meine Gedanken gingen in Limburg immer wieder dahin zurück, zu diesem Gespräch, zu den Gedanken des Gläubigen, und zu mir zurück, in meine eigene Vergangenheit ... 












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