Montag, 12. August 2013

Literaturgleis - unabhängiges Literaturfestival am 10.8.13


Es war das erste unabhängige Literaturfestival in Offenbach - eine Kooperation von Soziale Plastik e.V, dem Verein vom Waggon am Kulturgleis (unter anderem Agnes Christ und Bea Dietz) und der Lesebühne des Glücks (Kristina Senk, Caro Hönn und meinereiner). Wir trafen uns um etwa 19.00 Uhr, begannen aber natürlich eine halbe Stunde später - 19.30 Uhr. Und es ist unglaublich, aber die Veranstaltung ging dann noch bis 2.00 Uhr nachts (natürlich mit Verschleißerscheinungen - unter anderem bei mir: ich dachte zwischendurch, ich würde vor Hunger einfach umkippen und sterben ;-)). Aber wieder auf Anfang. 
Es begann mit einer Lesung von Gedichten und einer sehr krassen Kurzgeschichte, vorgetragen von der charmanten Janet Clauss. Danach trug Linus König ein Kurzstück vor - der erste Höhepunkt an diesem Abend: Bei der Aufführung in Karlsruhe kam es zu einem Skandal, bei uns im alternativen Umfeld gab es sehr viel Gelächter, Geschmunzel und viel Respekt vor diesem Künstler, dem man klar anmerkt, dass er mit dem Vorlesen von Texten sein Geld verdient. Er hat die Ereignisse aus dem Sommer 2012, unter anderem um Beate Tzschäpe, verarbeitet und in einem witzigen Setting Standard-Floskeln eingearbeitet, so nach dem Motto: "Ich bin ja keine Nazi, aber Neger sind schon dumm ..."
Nach einer kleinen, gechillten Pause (im Waggon und drumherum saßen wir, schwatzten, tranken und rauchten) sang Eva Siemonis alias Eva Chansons (diesmal ohne Band) launige französische Chansons, die uns ein bisschen in eine andere Welt beförderten, in Offenbach am Meer. Und supersympathisch ist sie auch noch. 
Eine kleine Umbauphase. Ein paar Zigaretten. Dann folgte meine geschätzte Kollegin Safiye Can, die nicht nur in ihrer unnachahmlichen Weise Gedichte vortrug (die das Publikum begeisterten - ich habe selten so viel positives Feedback erlebt bei einer lyrischen Lesung), sondern auch ein bisschen aus dem Übersetzer-Nähkästchen plauderte: Ja, Übersetzer von Gedichten sind genauso Dichter wie diejenigen, die sie in eine andere Sprache übertragen. Spannende Unterhaltung.
Sebastian Ziegler las eine Geschichte zweier Reisenden und aus seinem eigenen Tagebuch, aus dem er bereits beim Diary Slam im Mai gelesen hatte. Er entführte uns nach Argentinien und Spanien - und diskutierte danach rege mit dem Publikum. Thema: Kitsch und Romantik. Tja, auch hier haben diejenigen, die nicht dabei waren, einiges verpasst!
Groovintella sorgte für den Abschluss im Waggon am Kulturgleis, bevor wir in den Glockenturm der ehemaligen Offenbacher Schlosskirche (in der Kirchgasse) pilgerten und ich aus der "gruseligen" Anthologie "Zur Hölle einfach weitergehen" zwei Geschichten las. Es ging um zwei der 7 Todsünden: Neid und Wollust. Beides krasse Geschichten. Mittlerweile war es nach Mitternacht, sehr kalt und in diesem "Verlies" zog es ganz schön durch - und war sehr gruselig. Wie gesagt: passte zu den gruseligen Geschichten. Ich sah ein bisschen wie ein Geistlicher aus, aber mir war es einfach zu kalt. ;-) Das ganze hatte eine wunderbare Atmosphäre: ein bisschen wie am Lagerfeuer mit Decken und gruseligen Geschichten. Sehr schön! Alle Anwesenden waren so glücklich, dass sie sich noch mehr solcher Lesungen im Glockentürmchen wünschten! Da sollten auch alle dabei sein, die diesmal nicht konnten. Es lohnt sich.
Ja, es war ein schönes erstes unabhängiges Literaturfestival in Offenbach. Schöne, alternative Leseorte. Ein wunderbares Publikum. Superlockere und trotzdem gut vorbereitete Veranstalter_innen. Gutes Bier. Alles super! :-)











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