Montag, 17. Juni 2013

Der Kultur- und Lese-Aktivist


sprich! im Schaufenster Karstadt - Eröffnungsveranstaltung der Zweiten Frankfurter Sprachwoche (September 2012) : Im Schaufenster sitzen und lesen, das ist wirklich hart! Man hört nichts von außen, fühlt sich wie in einem Aquarium, fühlt sich von den Leuten angegafft, weiß nicht, ob die anderen Spaß haben, sich am Gelesenen erfreuen - oder ob sie sich denken: Was ist denn da los? :-) Nun, ich würde es immer wieder machen, es war eine spannende Erfahrung!



Erneut Zweite Frankfurter Sprachwoche (September 2012) - diesmal fuhren wir dem "Glücksbus" durch die Gegend, in Parks und hier an der Hauptwache und lasen spontan vor dem verdutzten Publikum! 



Mit Levend Seyhan, Carsten Nagels und Safiye Can - die besten der Besten! :-)



Die Lite-Rad-Tour im Juli 2012 war fantastisch! Eine Mischung zwischen Volksradfahren und Lesemnarathon. Beginn war um 15 Uhr am Waggon am Kulturgleis in Offenbach. Eine Stunde etwas haben wir gelesen - danach fuhren wir weiter den Main entlang Richtung Frankfurt zum Yachtklub und lasen dort weiter. Letzter Halt war am Maincafe in Frankfurt. 



Ebenda fand unser Riesen-Lese-Experiment statt: Auf der Wiese vor dem Maincafe Frankfurt lasen 10 Autor/innen aus dem Rhein-Main-Gebiet gleichzeitig aus ihren Texten. Stationen-Lesen quasi. Jeder hatte ein etwa fünfzehnminütiges Programm, das er mehrmals wiederholte. Ein wunderschöner Tag...



Dieses wunderschöne Rasensofa machte Riesenspaß (eines von beiden, das wegen des Nachhaltigkeitstages im September 2012 aufgebaut wurde). Da kamen dann auch ganz tolle Konstellationen zusammen. 


Und Werbung habe ich mit dem Megaphon gemacht. :-))) War schon seeeeehr lustig und experimentell.



Ja, Peter Kapp (unten) von Plan B haben auch auf der Konstablerwache gelesen, gegenüber von Apollo Optik und McDonalds. Man darf keine Scham kennen! :-) Und Sex Sells! Das ließ sich da wieder gut erkennen! Aber da habe ich keine Probleme mit ;-) Verena Boos und Walter Jauernich von Plan B waren ebenfalls dabei. 



Es war feucht, es war kalt, Ende April 2013, beim Maimarkt in Mannheim (was immer das ist! achso, eine Verkaufsmesse ;-)) - Es war turbulenter als auf der Konstablerwache und dem Maincafe zusammen - dabei liefen da viel mehr Leute rum. Ich habe mein eigenes Wort (trotz Mikro) kaum verstanden. Trotzdem mein Programm durchgezogen: und plötzlich blieben Leute stehen, amüsierten sich darüber, waren begeistert. OMG, was man so alles tun muss, um reich und berühmt zu werden! :-))



Und so sah ich nach einer Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2013 aus. In einem Brennpunktviertel in Leipzig, in einem kleinen, unansehnlichen Empfangsraum eines Weiterbildungsträgers, sollte ich vor klassischen "Bildungsverlierern" lesen - aus Plattenbaugefühle, einem Coming-out-Roman! "Was? Es geht um Schwule? Das ist doch räudig!" Dies der erste Kommentar eines Mädchens. Die Sozialarbeiter saßen beide neben ihr. Ich fragte: "Warum?" - "Ah ja, ist doch ekelhaft, wenn sich zwei Männer in den Arsch ficken, oder?" In diesem Moment dachte ich, es könnte eine sehr lange Stunde werden! Nun, unverhoffterweise rettete mich einer der beiden Jungen, der alles andere als schwul war, aus der Situation: Mit lustigen Kommentaren a la "Boah, ist das geil und so etwas auf einer Schulveranstaltung!" Es war ein Kampf - und ich schaffte es wohl mich irgendwie durchzusetzen: der Veranstalter und die Sozialarbeiter waren sehr zufrieden! :-)



Der Leseort "Moksha" ist nicht so ungewöhnlich wie die zuvor genannten, auch das Publikum ist nicht vergleichbar... Obwohl: Kaum hatte Jamal Tuschick angefangen zu lesen, schrie ein alter Herr: "Des hammer net bestellt! Wenn mer des gewusst hätte, wär mer eine Kneipe weidder gegange!" Er und seine Frau wollten in Ruhe essen - und keine "Vorlesung". Das Drama nahm seinen Lauf, das Essen musste eingepackt werden, die Unruhe blieb - und das Publikum dachte, es gehörte zu unserer Performance. Es passte ja auch, die ganze Veranstaltung war irgendwie Slapstick, wir brachten uns dauernd gegenseitig, der Texas Tuschick, die Apfelweinkönigin und der PlastaBasta. Nach der Lesung war ich nahezu reif für die Psychiatrie. :-)))

Das nur ein paar der vielen Beispiele von ungewöhnlichen Lesungen - da gab es noch viel mehr. Auch ich hatte einmal eine, bei der nur genau zwei Besucher kamen, während wir vier Autoren waren. Das störte uns gar nicht, wir soffen zu sechst, hatten unheimlich Spaß und freuten uns, dass wir nicht lesen mussten. :-)

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