Dienstag, 25. Juni 2013

Der Bachmann-Preis muss bleiben! #bachmannbleibt

Ingeborg Bachmann
Literatur im Fernsehen? Literatur und Fernsehen? Literatur versus Fernsehen? Da könnte man gleich drei Diskussionen eröffnen. Literatur versus Fernsehen ist Schwachsinn. Genauso wie dieses ewige Lamentieren, wenn sich Leute eine Literaturverfilmung anschauen: natürlich ist immer das Buch sehr viel besser. Na klar und jaja. Wie sagte man in der Schule: Man vergleicht ja auch nicht Äpfel mit Birnen. Fernsehen und Literatur sind unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Funktionen, Möglichkeiten und Mechanismen. Für mich gibt es da keine Wertung. Aber das ist ja eigentlich nicht das Thema - und doch möchte ich so beginnen. Denn mir geht es vor allem um den Punkt: Braucht die Literatur das Fernsehen? Brauchen wir Leser das Fernsehen für unsere Literatur? 
Früher war alles besser! ;-) Da gab es noch das "Literarische Quartett", das dafür sorgte, dass man einen Kanon der Gegenwartsgeschichte hatte. Man stritt sich da, man sorgte für Unterhaltung - und am nächsten Tag sah man die besprochenen Bücher in der Buchhandlung in Riesenstapeln. Die auch nötig waren, kauften doch die Leute, vor allem wenn ein Buch verrissen wurde, gerne einige Exemplare, auch um sie zu verschenken. Denn wurden sie von Reich-Ranicki besprochen, mussten sie von Wert sein, das war eine Orientierung. Diese Zeiten wünschen sich vor allem die großen Verlage, die anspruchsvolle Literatur verkaufen, sicher gerne zurück. Das ist nun lange her, damals verkaufte das Feuilleton auch noch massig Bücher, was heute längst nicht mehr so ist. 

Was kam danach? Elke Heidenreich war noch eine Größe, wurde beachtet, verkaufte Bücher. Alles danach war schwierig, jedes Format wurde verlacht (Man erinnere sich an den verkorksten Versuch von Amelie Fried und Ijoma Mangold). Natürlich es gibt Denis Scheck, der eine wunderbare Sendung macht, sowohl technisch als auch inhaltlich. Doch wer schaut sie sich an? Und die ganzen Sendungen in den Dritten? Die erscheinen so frisch wie der Fisch vom letzten Tag. Da ist die Identifikation mit der Sendung so groß, dass man noch nicht einmal die Sendung seines eigenen Regionalsenders richtig zuordnen könnte. Wie heißt die Büchersendung im Hessischen Rundfunk (so als Beispiel)? Ist die nicht mit Susanne Frölich? Und wann läuft sie? Und warum? Eines wird schon klar: es gibt wenige literarische Formate - und die, die es gibt, sind eher verschnarcht. Ach, halt, feiern die Poetry Slammer nicht gerade bei den Digitalen Sendern der Öffentlich-Rechtlichen Erfolge? Genau! Und dieses Konzept mögen vor allem junge Leute.
Gehen wir einmal einen Schritt weiter: Lesungen in Buchhandlungen, heißt es, seien ja nicht mehr lohnenswert. Hm. Aber zu den Poetry Slams gehen Hunderte, bei unserem Diary Slam waren auch rund Hundert Leute da. Bei Open Books im Kunstverein oder vielen anderen Veranstaltungen während der Buchmesse (im Römer, am Bahnhof) gibt es keine freien Plätze. Die Leute suchen das immer mehr. Wollen gute Lesungen, wollen Entertainment, wollen mitfühlen, wollen mehr vom Werk und vom Autoren wissen - brauchen aber auch Orientierung und eine Einordnung. 
Wenn man sich den Bachmann-Preis anschaut, erfährt man so viele Dinge um den Literaturbetrieb herum, kriegt eine Orientierung, wo die Literatur in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz steht. Man erfährt viel von den Gegenwartsautoren, von ihren Werken, erhalten eine Orientierung, eine Einordnung in die Literaturgeschichte. Wir erfahren, wie gerade der Ton ist, erfahren, wie die Kritiker zurzeit ticken, wie sie argumentieren. Man kann anderer Meinung sein, aber man reflektiert das, was man da sieht und hört, man beschäftigt sich mit Literatur -
wozu man sonst kaum noch eine Gelegenheit hat. In Zeiten, in denen die öffentlich-rechtlichen Sender in D, AUT und CH nur noch Formate der Privaten kopieren, Gelder für das bereits verstorbene und begrabene "Wetten dass?!" ausgeben, bräuchten wir mehr anspruchsvolle Kultur im Fernsehen, mehr Literatur, mehr Qualität - daher sag ich: #bachmannbleibt

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