Mittwoch, 19. Dezember 2012

Schwarze Sonne - ein sel noir Krimi von Felix Mennen

Krimis habe ich immer schon gerne gelesen, nicht erst seitdem ich Guido Rohms Romane kenne, nur habe ich sie früher selten rezensiert. Neuerdings kriege ich häufiger Rezensions-Anfragen für Kriminalromane - ja, das ist auch schön, aber wie oft werden mir da rätselhafte, spannende Plots versprochen, etwas noch nie Dagewesenes, und das vor allem von Indie-Autor/innen (von denen es wie überall gute und schlechte gibt). Doch wie oft sind diese Thriller dann viel zu langatmig (eine spannende Geschichte kann auch auf 100-200 Seiten erzählt werden), viel zu abstrus, die einzelnen Fäden verheddern sich irgendwo, die Figuren sind klischeehaft und tun voraussehbare Dinge. Ganz anders erging es mir mit "Schwarze Sonne" vom Tatort-Drehbuchautoren Felix Mennen, dessen Roman im wunderbaren Salis Verlag erschienen ist. 
Bei Carl Banuschas Eintreffen am Tatort ist nicht nur die Leiche verschwunden; das Phantombild der vermeintlichen Toten im Monbijoupark weist zudem eine große Ähnlichkeit mit Banuschas chilenischer Frau Anna auf. Diese glaubt an den indianischen Mythos eines Dämons, der Jungfrauen betört, entführt und ermordet. Trotz der unauffindbaren Leiche, trotz der unerreichbaren Anna - ein Mythos ist ein Mythos. Oder doch nicht? Felix Mennens Krimi "Schwarze Sonne" treibt ein vertracktes Spiel mit Wahrheit und Wahnsinn.
Ein verwirrendes Kammerspiel hat Felix Mennen da konstruiert, es bleibt immer spannend - und vor allem verwirrend. Wer Klarheit und Einfachheit mag in Krimis ist hier nicht wirklich richtig, wer aber noch tagelang darüber nachdenken möchte, was er da gelesen hat, der wird hier seinen Spaß haben. Was mir besonders gefallen hat: Carl Banuscha ist eine sehr sympathische und ungewöhnliche Hauptfigur, und: die bildhafte Sprache des Autoren - hier schreibt jemand, der das kann. Denn auch Krimis können, wenn sie gut geschrieben sind, zur Hochliteratur gezählt werden... 

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