Samstag, 22. Dezember 2012

Krankenhaus-Künstler


Das weiß man sicherlich nicht, aber einer meiner ersten Langtexte war eine wissenschaftliche Hausarbeit zum Thema Krankheit und Tod, wie man in der Gesellschaft damit umgeht und insbesondere im Religionsunterricht - es ist also ein großes Thema in meinem Leben. Selbstverständlich auch deswegen, weil ich zu Teenie-Zeiten sehr lange auf einer Kinder-Krebs-Station lag. Es ist also ein Thema. Aber wieso so öffentlich? Ich vergleiche mich jetzt nicht mit Christoph Schlingensief oder gar Ai Wei Wei, beides große Künstler und fast noch größere Menschen, an die ich nie heranreichen werde. Doch beide haben auch ihre Krankheiten und Krankenhausaufenthalte zu einem öffentlichen Thema gemacht, was ich sehr begrüße. Warum? Krankheit und Tod sind ein riesiger Bestandteil unseres Lebens, das kann man nicht wegdiskutieren und vor allem nicht weg tabuieren. Uns begegnen diese zwei Themen fast häufiger als die Liebe, über die man immer gerne reden möchte. Wieso so öffentlich, so wenig privat? Früher hatten Krankheit und Tod einen ständigen Platz im Alltag der Menschen, man pflegte Angehörige zuhause, es war selbstverständlich, dass Kinder oft mit dem Tod konfrontiert wurden, das war eben so, auch in einer ehemals sehr viel kollektivistischeren Gesellschaft in Deutschland - erst zu modernen Zeiten änderte sich das Verhältnis zu Krankheit und Tod, meines Erachtens ins Negative. Ich fand es hervorragend, dass Schlingensief damals die Situation genutzt hat, das Thema in die Gesellschaft und vor allem in die Medien zu bringen. Selbstverständlich war ich nicht immer einer Meinung mit ihm, aber darum geht es nicht. Er war ein Künstler und gab ein Statement, (ver)arbeitete sein schwieriges Thema künstlerisch und medial. Das gleiche gilt für Ai Wei Wei (siehe auch Ausstellung "Privatheit" in der Schirn Kunsthalle). Ich bin eben nicht der Meinung, dass man alles voneinander trennen muss. Kunst wird zur Politik, Krankheit zur Kunst, Privatheit und Öffentlichkeit werden eins - und können damit sowohl zur Kunst als auch zur Politik werden. Alles ist eins. Wir sind eins.


Krankheit und Tod sind natürlich auch nicht immer nur Themen, die man ausschließlich mit Trauer assoziieren muss. Ein bisschen Lockerheit, ein bisschen Humor nimmt diesem wichtigen und wirklich sehr emotional aufgeladenen Thema diese schreckliche Bedeutung, wird weniger schwer, wird händelbarer. Mein Gott, wir werden ständig krank, ständig stirbt jemand aus unseren Reihen und macht uns tief betroffen. So what! Das ist eben so, das können wir nicht abschalten, nicht verändern. Es wird immer schlimm bleiben und immer weh tun, den Angehörigen meist noch mehr als den Kranken und Sterbenden. 



Es ist also etwas, das uns täglich begleitet, uns in die Tiefe reißen kann, aber auch etwas, das uns Menschen miteinander verbindet, uns näher zueinander bringt, im Leid quasi kommen wir uns näher. 



Ich war von Montag auf Dienstag im Schlaflabor, ich habe Atemaussetzer in der Nacht. Na gut, was interessiert euch das, könnt ihr mich fragen. Nichts, vielleicht. Keine Ahnung, ob es euch interessiert. Wieso soll ich das auf Facebook posten, wieso habe ich das getan? Wen geht das was an? Und ich sage: Ich hasse frühes Aufstehen, bin morgens muffelig, sogar depressiv, fühle mich tagsüber müde und werde erst abends fit. Warum? Weil ich diese Atemaussetzer in der Nacht habe. Und diese Tatsache prägt neben vielen anderen Dingen meinen Charakter. Gehört zu mir wie die Tatsache, dass ich gerne schreibe oder moderiere, dass ich eine rasche Auffassungsgabe habe oder leicht verzweifle. Und doch... doch ist es anders. Ich kann etwas dagegen tun, und ich kann nichts dafür, dass ich diese Symptome zeige, denn es ist etwas, worauf ich kaum Einfluss habe. Ich möchte es aber verändern un dich möchte, dass die Leute wissen, dass diese Dinge, die Krankheiten, die man erleidet, die Trennungen, die Verluste, einen zu dem machen, was man ist, aber auch in diesem Fall zu dem Künstler, der ich bin. Wo will ich das trennen?
Zum Thema "sie beobachten mich" eine kleine Anekdote: Beim letzten Mal im Schlaflabor habe ich irgendwie nicht darauf geachtet, dass da eine Kamera hängt - da ich überall verkabelt war nachtsüber, durfte ich nicht auf die Toilette, was heißt, dass ich so eine Pissflasche urinieren sollte. ;-) Und was tat ich in der Nacht gedankenverloren? Ich drehte mich in die Richtung der Kamera beim Pissen und dachte nichts weiter. :-))) Daran wollte ich dieses Mal denken. Habe ich auch. ;-)


Wie will man so schlafen? Das haben einige über Facebook gefragt. Ich kann sagen: viel schlafen konnte ich nicht. Ich wusste nicht, in welche Richtung ich mich drehen und wenden sollte, ohne mich zu verheddern. Zwei kleine Boxen waren auf Lunge bzw. Bauch (was man hier nicht sieht) befestigt - da ich Bauchschläfer bin, nicht besonders praktisch). Atemaussetzer. Klingt gefährlich. Kann es auch sehr sein. Aber natürlich haben wir neben dem Austesten, ob ich mit Nasenmaske schlafen kann oder nicht, etliche Untersuchungen durchgeführt. Und einiges herausgefunden... The story goes on. Es war merkwürdig, dieses Ding auf der Nase zu haben, Sauerstoff zugeführt zu bekommen. Anfangs war es mir schummerig. Und leider wurde es die ganze Zeit nicht angenehmer...
Ich habe über Facebook auch Kommentare/ Nachrichten erhalten, die mir auf dem Weg zur Gesundung helfen, DAS ist natürlich schon auch super.


Am frühsten Morgen aufstehen, es bleibt ein Graus für mich, vor allem nach dieser Nacht, in der ich bewiesenermaßen nur zwei Stunden geschlafen habe. Da hatte ich auch keine Atemaussetzer, aber was bringt es, wenn man die Hälfte der Nacht nicht schläft - dann ist man hinterher genauso groggy wie vorher.


Hm... Leckeeerr. Oder so. Na gut, ich bin verwöhnt, na gut, ich wurde auch beim Frühstücken gestört, weil ich zur Ärztin musste. Aber auch dies ein ständiger Quell von Gesprächsstoff: Krankenhaus-Essen. ;-)



Weil ich mit diesen Verkabelungen nicht schlafen konnte, wurde ich nach Hause geschickt, die nächsten Nächte sollte ich zuhause schlafen, ohne Verkabelung und so. Nur sehr viel besser erging es mir nicht. In der ersten Nacht konnte ich lange Zeit nicht schlafen, weil das Gerät so viele laute Geräusche machte. Nach Stunden schlief ich doch ein, um dann bald wieder aufzuwachen. Da ich auf Toilette musste, aber das Gerät ja nicht mitnehmen konnte, musste ich es ausschalten. Dazu musste ich aber erst das Licht einschalten (was sonst ja nicht notwendig wäre), um nicht den falschen Knopf zu drücken. Maske ab, auf Toilette gehen, Maske wieder auf, die richtigen Knöpfe drücken, alles bei Licht, und so war ich dann wach. In der zweiten Nacht dann mit Ohropax. Auch schön, nun hörte ich meine eigenen Geräusche (Herz etc.), im Hintergrund ein lautes unaufhörliches Gesumme. Nervig. Wieder ewiges Warten auf den Schlaf... Dann einschlafen... Aufwachen- und beschließen, das Ding auszuschalten, um endlich richtig schlafen zu können. 

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