Mittwoch, 4. April 2012

Moderholz von Berndt Schulz

Totholz wird insbesondere im Biotop- und Artenschutz als Sammelbegriff für abgestorbene Bäume oder deren Teile verwendet. Grob unterteilt wird dabei zwischen stehendem Totholz, Trockenholz, also noch nicht umgefallenen abgestorbenen Bäumen oder deren Teilen, und liegendem Totholz oder Moderholz, das bereits auf dem Erdboden liegt. (Zitat aus Wikipedia)
"Im Bethmannpark sterben nicht nur die Bäume", heißt es vollmundig auf der Rückseite des Buches, doch auf den ersten und einzigen Toten muss man in diesem recht kurzen Roman doch verhältnismäßig lang warten... "Der Mörder ist immer der Gärtner?" Zumindest liegt der Schluss nahe, als im Frankfurter Bethmannpark eine Leiche in einem Teich treibt. Denn die Gärtner sind allesamt entlassene Strafgefangene. Doch welche Rolle spielt die geheimnisvolle Schöne aus besten Kreisen? Max Horner, Kriminalhauptkommissar a.D., Witwer und leidenschaftlicher Kleingärtner, verbringt den großen Teil seiner Zeit im Bethmannpark. Er liebt die Schönheit des Parks, die besondere Atmosphäre und die Pflanzenvielfalt. Aber dann geschieht ein Mord in seinem Arkadien, das ohnehin durch den gefräßigen Eichenprozessionsspinner bedroht ist! Das läßt ihm keine Ruhe- und außerdem zeigt er seinen nassforschen jungen Exkollegen nur zu gerne, was ein alter Stöberhund wie er noch draufhat.
Als ich den Kriminalroman "Moderholz" zu lesen begann, war es draußen noch kalt, nichts blühte, doch ich freute mich bereits da, bald in den Bethmannpark gehen zu können und mir anzusehen, was der Protagonist Horner jeden Tag zu sehen bekommt. Berndt Schulz beschreibt den Park minutiös, beschreibt die Ruhe, die da herrscht, die Schönheit. Er erzählt von den Schachspielern, die sich jeden Tag treffen...
Von denen, die kurz in den Park kommen, um sich auszuruhen, zu "chillen", auch Horner tut dies... Er beschreibt den schönen chinesischen Garten im Bethmannpark mit den vielen chinesischen Zeichen, deren Bedeutung er auch erklärt...


Ich ließ mir Zeit im Bethmannpark, ich wohne nicht weit entfernt von ihm, fünf Minuten zu Fuß, ich habe da schon gefeiert, stundenlang gelesen oder einfach nur im chinesischen Garten gesessen, mit Musik auf den Ohren und Ruhe in der Seele...
Ähnlich ruhig geht Horner den Tag an, ähnlich ruhig geht Berndt Schulz die Geschichte an. Ausgerechnet aus der "Wolkenkratzer"-Stadt Frankfurt kommt ein Garten-Krimi - und dann ist die Betonung auch noch mehr auf den Garten als auf den Krimi zu legen. Entschleunigung! Die Entschleunigung zeigt Wesensmerkmale der Faulheit und Muße, ohne wie diese negativ besetzt zu sein. Tatsächlich hat der stromlinienförmige Begriff der „Entschleunigung“ eine solch inflationäre Verbreitung erfahren, weil es allenthalben an Mut fehlt, für die ehrlichere Forderung nach „Verlangsamung“ einzustehen. Bei einer kleinen Rücknahme der Beschleunigung braucht niemand eine Drosselung der gewohnten Geschwindigkeit zu fürchten. Verlangsamung hingegen würde das Fortschrittsdenken radikal in Frage stellen. (auch hier Wikipedia) Entschleunigt sind sie beide, Autor und Hauptfigur. Philosophisch. Aber auch gerne einmal etwas langweilig. 
Es wird viel von Gartenpflege und der Schönheit des Parks geschrieben. Das mag den einen oder die andere interessieren... Mich faszinieren eher gute Dialoge, die allerdings Mangelware sind, die Figuren neigen alle dazu, leicht unauthentisch und künstlich zu reden. Außer Horner selbst wird auch keine Figur so richtig charakterisiert, außer holzschnittartig und stereotyp, um schon mal Fährten zu legen für die Leser_innen, die allesamt die Auflösung nicht sonderlich überraschend finden werden. Und unter uns: Sie werden den Schluss als erstes vergessen. Nein, ich empfehle dieses Buch eher Gartenfreunden als Krimi-Fans, ich empfehle es lieber Frankfurter_innen und insbesondere meinen Nachbarn aus dem Nordend Frankfurts oder auch den Bornheimern. 
Ich empfehle das Buch mit in den Bethmannpark zu nehmen, sich auf so einen Stein zu setzen und einfach zu lesen. Die 188 Seiten schafft man fast in einem Rutsch... Es ist im Sutton Verlag erschienen http://www.sutton-belletristik.de/ und für 12 Euro hier bestellbar. 
Dies ist eine Rezension für Bloggdeinbuch. Dieses entschleunigte Buch, das eher ein Gartenroman als ein Krimi ist, verdient gut gemeinte lokalpatriotische 3 von 5 Sternen. Mehr Rezensionen seht ihr hier: http://www.bloggdeinbuch.de/
Mehr hier: http://pinterest.com/schmerzwach/moderholz/

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