Mittwoch, 11. April 2012

Fuck the diet!

Also, ganz sicher möchte ich mich nicht als Bewahrer der deutschen Sprache, Mahner vor zu viel Anglizismen aufspielen. Viele Wörter benutze ich ebenso selbstverständlich wie andere auch, ich "chille" regelmäßig, einen "Burnout" hatte ich auch schon, ich "downloade", "Account" verwende ich genauso wie "Brainstorming", "Briefing", "Coming out", "Outfit" oder "zappen". Ich finde es generell erst einmal nicht schlimm, aber es hat eben auch Grenzen. In einem deutschen Satz sollten nicht mehr als drei Fremdworte vorkommen, egal, ob als Anglizismen, aus dem Französischen, Griechischen oder Lateinischen. Aber auch das Übersetzen wollen hat seine Grenzen. In beide Richtungen. "Bullenscheiße" wurde das englische "Bullshit" in einem Film übersetzt. Albern! Pseudo-Anglizismen finde ich auch schlimm: Handy zum Beispiel oder Public Viewing, was ja was ganz anderes bedeutet - trotzdem benutze ich diese Wörter. Normalerweise echauffiere ich mich auch nicht wirklich bei dieser Thematik. Jede_r soll reden, wie er mag. Ich finde es zwar tatsächlich anstrengend, Sätze zu lesen mit mehreren Fremdwörtern, aber meistens passt es schon. Nur gestern war ich wirklich entsetzt! Was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass es um eine wohl ernst gemeinte Werbung handelt. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört, als ich ein "Fuck the diet" vernahm. Bei "Du darfst"? Fuck the diet??? Fick die Diät? Was soll das denn bedeuten? Und vor allem "fuck"? Befinden wir uns mittlerweile alle in einem amerikanischen Hiphop-Clip? Kann das der Ernst dieser Unilever-Marke sein? Was dachte sich die verantwortliche Agentur? Ich meine, ja, klar, ich sehe es vor mir, wie die Mitarbeiter_innen der Agentur zusammensitzen bei einem "Meeting" und "brainstormen"... Es fällt ihnen nichts ein, no ideas, und dann sagt eine_r: "Fuck off Du darfst!" Und ein anderer sagt: Yes! Und dann: "Fuck the diet" - "sowieso nur was für Weicheier, hahaha!" Alle freuen sich, rufen: "Check! Das ist der Claim!" Genial, denken sie sich, das ist was! Aber was in Gottes Namen ging in den Köpfen der Kunden vor, also Unilever??? Okay (ach, noch ein solches Wort, das ich ständig benutze), sie wollten also neue Kundenschichten ansprechen, die Unterschicht, die Jüngeren, am besten die 8-17jährigen... Aber: das ist doch ein Diät-Produkt! Für so junge Leute? Nun gut. 
Wie hätte man das auf Deutsch sagen können? "Scheiß auf die Diät"? Nein, lieber nicht, das ist widerlich. "Ich liebe das Leben" ist irgendwie mein Ohrwurm, von Cassandra Steen, hat auch mit Diät zu tun, Weight Watchers, die Werbung ist auch nicht viel besser, aber wenigstens ein Ohrwurm. ;-) Aber was ist mit "Du darfst" passiert? Gab es nicht mal den Clip "Wer ist eigentlich Paul?"? Das waren noch Zeiten. :-)

1 Kommentar:

  1. "fuck the diet", sagte der Abgeordnete und verschwand in der Limusine.Is schon gut so. Reklame darf frech sein ....nur langweilig darf es nicht werden.

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