Mittwoch, 19. Oktober 2011

Auf der Suche von Jan Krüger

Der Titel auf der Suche sagt es bereits an: Hier sind Menschen auf der Suche nach etwas oder jemandem. In diesem Fall der geliebte Sohn. Die Mutter Valerie macht sich auf den Weg nach Frankreich, nach Marseille, um ihren verschwundenen Sohn zu suchen. Niemand verschwindet einfach so. Es wird einen Grund geben, einen Plan, irgendeine Spur. Jens, der Exfreund des Verschwundenen, Simon, begleitet sie dabei, betätigt sich als Übersetzer und Vermittler, und manchmal geht er seine eigenen Wege. Diese neue Schicksalsgemeinschaft hat einige heftige Verwicklungen zu bearbeiten. Valerie möchte das Schwulsein ihres Sohnes nicht akzeptieren, während Jens sein Leben nicht vor der Elterngeneration rechtfertigen möchte. Sie umkreisen sich gegenseitig, beäugen sich wie zwei wilde Tiere, fragen sich beide, ob sie eine Annäherung wagen sollen. Dann treffen sie auf weitere Menschen im Leben des Verschwundenen, die weitere Reibungen auslösen. Immer mehr wird deutlich, dass beide Figuren, dass eigentlich alle Figuren in diesem Film auf der Suche sind. Doch auf der Suche nach was? Valerie mit ihrem Mutterinstinkt und Jens´ Wissen um Simons geheime Orte treiben sie irgendwie weiter, bevor sie in ihren Verflechtungen zugrunde gehen. Simons Kollegin Camille und der junge Autoverkäufer Jalil weisen ihnen weiter den Weg... 
Nach seinem 2009 im Kino gelaufenen Film „Rückenwind“ hat der Regisseur Jan Krüger nun seinen neuen Kinofilm „Auf der Suche“ mit der renommierten deutschen Schauspielerin Corinna Harfouch abgeliefert. Sie spielt ihre Rolle sehr distanziert, was man durchaus ambivalent betrachten kann. Hat der eine Zuschauer das Gefühl, dass sie diese Rolle vielleicht ohne eigene emotionale Beteiligung runterrattert, mag der andere es vielleicht authentisch finden, dass sie die Rolle so anlegt. Ich neige eher zum letzteren. Valerie ist eine Powerfrau, die alles unter Kontrolle hat, die alles in ihrem Leben erreicht hat. Geld hat sie, Ehre hat sie – nur der eine kleine Makel verfolgt sie: Dass ihr Sohn schwul ist und sich nicht von ihr kontrollieren lässt. Er lebt nicht das Leben, das er leben sollte. In ihren Augen. Dass so eine Person ihre Emotionen nicht gut zeigen, sie kontrolliert hält, ist sehr schlüssig. Und doch versucht sie Jens an sich zu ziehen, ihn näher kennenzulernen, aber eben immer in Maßen, nicht zu nahe dran lassen. Er wiederum ist sehr angenervt von dieser Art, verkennt die Mutter anfangs auch. Dieses kammerspielartige Umkreisen meistern beide sehr gut, auch Nico Rogner, der seine Rolle sicher spielt. Beide stellen ihre Figuren ohne große Gesten und Regungen dar, was einfach passend erscheint. 
Diese Story eignet sich meiner Meinung nach sehr gut zu einem Theaterstück, das intensiv und nachdrücklich erscheint. Als Film wirkt dieser Film, der an ästhetisch schönen Orten gedreht wurde, mit hübschen Menschen, manchmal ein bisschen zu dröge, zu unaufgeregt. Der Zuschauer lässt sich mittreiben und kann vielleicht mitunter einem Abdriften in eigene Gedanken nicht widerstehen. Jan Krüger auf jeden Fall hat eine Hand für schöne Aufnahmen, ein Gespür für seine Figuren, nur die Handlungen seiner Geschichten könnten ein bisschen ausgefeilter sein. Den Film ist im Verleih der Edition Salzgeber und hat seinen Bundesstart am 10.11.2011. Wer sich bereits jetzt einen Eindruck verschaffen mag, kann dies am Freitag um 21 Uhr im LSKH (Frankfurt) bei der nächsten Gayfilmnacht von Salzgeber tun.

1 Kommentar:

  1. Der Film klingt sehr interessant, ich denke der könnte mir gefallen. Da werde ich mal schauen wann und wo ich den sehen kann. Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße,
    Julia

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