Freitag, 25. März 2011

ESC 2011 - die "besseren" Lieder

Wie ich bereits im Scheißlieder-Beitrag sagte, sind nicht mal die Balkan-Lieder, die ich sonst gar nicht mal so schlecht fand, zu ertragen dieses Jahr, siehe Armenien, das ja immer solchen Tschakalak-Ethno-Pop bringt: Emmy singt dieses Jahr "Boom Boom", ja, und Tschakalaka, und hofft darauf den erfolgreichen 4.Platz von 2008 mit "Quele quele" von Sirusho zu wiederholen. Aserbaidschan ist ähnlich erfolgreich in den letzten Jahren. Auch sie werden gut dabei sein mit ihrem leicht lockeren Pop-Song, Top Ten ist Pflicht, sogar mit Siegchancen, auch wenn ich es zu billig finde. Genauso poppig einfach, mit eingängigem Refrain und weniger Siegchancen: Ungarn. Wieso weniger Siegchancen? Es ist Ungarn. Und die Frau nicht ungewöhnlich genug: als ehemalige Pornodarstellerin oder Transsexuelle hätte sie vielleicht mehr Chancen. Die Transsexuelle wird aber von Israel aufgestellt: Dana International, die ja 1998 wenig überraschend trotz trashigem Lied gewann. Ihr "Ding-Dong" klingt hohl und wird nicht weit kommen, nur bei hartgesottenen Fans wird sie viel Support finden. Auch Polen rechnet sich mit Magdalena Tuls Beitrag "Jestem" gute Chancen aus. Schön ist, dass sie in Originalsprache singt, das macht ja den ESC aus. Pop in Reinkultur - die gute Britney Spears kann es auch nicht viel besser, finde ich. Gefällt mir aber nicht. Es wird sich zeigen, wie sehr sie die Massen überzeugen kann am Tag der Abrechnung. ;-) Griechenland mit seinem wunderschönen Lukas Yiorkas und einem "behinderten" Rapper wird es sehr schwer haben, die Erfolge der letzten Jahre zu wiederholen, zu dramatisch und zu schwach ist das Lied, außerdem singt er genauso griechisch wie Christos Mylordos aus Zypern, der auch nicht weit kommen wird, obwohl das Lied folkloristisch und gar nicht schlecht ist. Die Türkei wiederum nimmt mit einem überhaupt nicht folkloristischen Song teil, Alternativ Rock könnte man das wohl nennen, was Yüksek Sadakat vortragen. Auf jeden Fall Top Ten, auch verdient, aber keineswegs unter den Top 5, dafür ist das Lied zu wenig eingängig. Eingängiger ist der Beitrag von Dänemark, die gute Chancen haben mit ihrem "Come on Girls, Come on Boys" ganz nach oben zu kommen, durchschnittliche Musik, was hier schon viel ist, gutaussehende Boyband, das ist was. Aber vielleicht werden ihnen die Punkte auch von den Schweden gestohlen, Eric Saade singt "Popular", was die Komplexität eines Bohlen-Hits hat. Es ist Schund in meinen Augen, aber ein Ohrwurm. Und der Typ sieht gut aus. Und falls die Skandinavier sich da gegenseitig die Punkte zuschustern können (wie die Balkan-Länder auch), dann haben sie mehr Chancen als zum Beispiel Norwegen, die mir besser gefallen. Die machen auf "Waka waka" und singen "Haba haba", Ähnlichkeiten wohl rein zufällig. An Shakira kommen sie nicht heran, was allerdings noch viel hinderlicher ist und den Einzug in die Top Ten hundertprozentig verhindert: die Frauen haben einen afrikanischen Hintergrund. Nichtsdestotrotz stechen sie in dieser schwachen Konkurrenz heraus. Allerdings nicht so sehr wie Portugal. Mein absoluter Lieblings des ESC 2011, meine Wunschgewinner kommen aus diesem wunderschönen Land. Wahrscheinlich ist, dass sie mit Null Punkten rausfliegen werden. "Luta e Alegria" singen die witzigen Homens da Luta, die wie lustige Hippie-Demonstranten aus den 70ern aussehen. Aber wogegen demonstrieren sie? Frisch klingen sie, lustig, ironisch und irgendwie mag ich die Instrumente im Hintergrund sehr. Wundervolles Lied! Danke Portugal! Obrigado! :-) 


Die Moldau startet dieses Jahr erneut mit Zdob si Zdub, die 2005 einen sehr guten 6.Platz mit ihrer Oma und erfrischendem SKA erreichten. Damals leider unterbewertet, dieses Jahr eher nicht so möglich. Das Lied wird vermutlich nicht ins Finale gelangen, die Frische haben sie mit der Oma zuhause gelassen... Auch Bosnien war einst mit dem alten Dino Merlin besser aufgestellt. Allerdings finden einige im Internet sein "Love in Rewind", das im Ethno-Style gesungen wird, ganz charmant. Doch ich denke nicht, dass es viele Chancen hat, die Stimmen aus der Balkan-Connection wird wohl eher Serbien erhalten. Der auf 70er Stylo-Mylo-Hit "Caroban" von Nina hat mehr Pepp. Charmanter noch ist Italien, Raphael Gualazzi ist ein cooler Swinger, der wahrscheinlich irgendwo weit hinten landen wird, leider! Ähnlich könnte es den Isländern gehen, ein beschwingtes, erfrischendes Lied. Nachdem der vorgesehene Interpret Sigurión Brink mit nur 36 Jahren einem Herzinfarkt erlag, vertritt nun die Tribute-Band ihr Land mit dem Song "Coming Home" (von der offiziellen ESC-Seite). Vielleicht wird es sang- und klanglos untergehen. Auch Lena könnte eine Schlappe einstecken, eigentlich eine merkwürdige Idee nochmals anzutreten. Dieses Jahr zwar mit einem stärkeren Lied vertreten, könnte der Neid, die Missgunst oder einfach das Unverständnis über die erneute Teilnahme Lenas die Titelverteidigung Deutschlands verhindern. Top Ten wird es wohl sein, aber mehr? Und wie wird es Großbritannien ergehen? Sie haben die Boyband BLUE aufgestellt, die ich früher besonders mochte. a) waren die Typen besonders schön, für jeden Typ etwas dabei und b) die hatten etliche Ohrwürmer Ende der Neunziger, Anfang der Nuller, "One Love" sage ich nur usw. Diesmal singen sie "I can". Ob sie gewinnen können - alles zwischen 1. und 20. Platz im Finale ist möglich. Genauso sehe ich es bei Spanien. Mit "Que Me Quiten Lo Bailao" tritt Lucía Pérez an, seit 50 Jahren die erste galizische Sängerin, die für ihr Land singen darf. Meine Geheimtipps sind Albanien, die wie jedes Jahr bei eingefleischten Fans im Vorfeld hoch gehandelt werden ("Feel the Passion" von Aurela Gace), und natürlich Finnland mit dem kleinen süßen Paradise Oscar mit dem kindlich naiven Lied "Da da dam", das einen ein bisschen einlullt, und wenn er dann noch so schaut, wie er das tut... Für einen Sieg könnte es reichen. Aber vielleicht fliegt er auch punktlos raus. :-)))) Beim ESC ist ja alles möglich und wenig vorhersehbar. ;-) Das eingängigste Lied aber hat Lettland und damit wohl die meisten Siegchancen. Musiqq mit "Angel in Disguise" machen typischen Europop, einfach und so... 
alle Lieder auf einem Blick hier: http://www.youtube.com/watch?v=Tr1lC4zJeaY

Kommentare:

  1. Ooooch schade, das Estland-Lied kommt hier nicht so gut weg. Aber "Musical" gibt natürlich Abzüge, das unterschreib ich. Sehr liebevolle ESC-Analyse. :-):-):-) Und unterhaltsame Website! Am ESC bleiben wir auch weithin dran und dann hoffen wir mal auf drei schicke Abende diese Woche...

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  2. naja, es ist eh immer nochmal anders, wenn die sänger_innen live auftreten... performance ist wichtig, kleidung, tagesstimmung...
    dass polen und armenien raus sind, hat mich sehr überrascht - dafür griechenland und litauen weiter? litauen ist voll der rotz!

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