Montag, 15. April 2013

Komm, wir tauchen ab in die 1980er!


"Komm, wir tauchen ab in die 1980er!" Dazu ruft die Weltentaucherin Hilke-Gesa Bußmann in ihrer Blogparade auf. Ja, in seine eigene Vergangenheit zu blicken, ist schon ein bisschen wie in eine fremde Welt einzutauchen - ich meine, Menschen verändern sich doch im Laufe ihres Lebens. So vieles erlebt man in seiner Kindheit ganz anders als in der Zeit des Erwachsenseins. Und Kind war ich eben in den 80ern. Nun, klar, ich bin natürlich in den Siebzigern geboren, aber in den Achtzigern habe ich das Fahrrad fahren gelernt, das Lesen und Schreiben, ja, 1982 wurde ich eingeschult. Und ich glaube nicht, dass ich Erinnerungen an die Zeit vor 1980 habe. 
Wenn ich an die 80er denke, dann ist immer irgendwie Musik im Spiel. Und der Grand Prix oder heute ESC. Denn ich kann mich an 1981 erinnern, als ich einen Pyjama in zwei Ausführungen hatte. Eine blaue Version und eine rote. Und die zog ich übereinander, um einen der beiden Pyjamas tanzend wieder auszuziehen. Nein, kein Strip an der Stange, sondern die Imitation von Bucks Fizz:
1982 war ich sieben Jahre alt und im großen Grand Prix Fieber, als Nicole "Mit ein bisschen Frieden" das erste Mal für Deutschland gewann. Und gegen die Griechin Anna Vissi antrat, die für Zypern um ihr Leben sang. Und da kollidierten auch die zwei Welten in meinem Leben aufeinander. Deutschland und Griechenland. Meine Heimat und die Heimat meiner Eltern. In dem Fall war ich für den Sieger, die Siegerin Nicole. Erst sehr viel später wusste ich Anna Vissi zu schätzen, "Mono i agapi", Nur die Liebe:
Die Vorliebe für griechische Musik hatte trotzdem ihren Ursprung bei diesem Musikfestival, aber so richtig zum Ausbruch kam sie erst in den Neunzigern...
Die Achtziger waren die Zeit des schlechten Geschmacks, was man auch an den Siegern des 1984er Grand Prix sieht, die damals jeder wunderschön, stylish, so fresh und apart fand. 
Kehren wir zurück zu Griechenland. In den Achtzigern waren wir noch regelmäßig mit der Familie in Griechenland. Und das war wirklich ein Erlebnis damals. Mit Sack und Pack, vollem Auto, vier Kindern auf dem Rücksitz, Geschenken für die Verwandtschaft, in der Hitze des Sommers durch Österreich und Jugoslawien heizen. Immer das gleiche Prozedere im letzt genannten Land, besser gesagt: an dessen Grenze. Ich weiß nicht, ob es mir nur so vorkommt, aber wir schafften es immer an die Grenze, wenn die Sonne schien, 35 Grad Hitze unsere Sinne benebelte. Und jedes Mal war unsere Aufgabe, die ganze Fracht des Autos auszuladen, in mühsamer Kleinarbeit, um nach Sichtung durch die Zöllner wieder alles einzupacken. Vollgeschwitzte, supergenervte zwei Stunden später ging es erst weiter, nicht ohne einiges an fällig gewordenen Gebühren weniger in der Brieftasche zu haben. 
Fünf bis sechs Wochen Ferien in Griechenland klingen vielleicht lustig. Aber sooo super fand ich das nicht. Der eine Urlaubsort war ein Popelnest auf Samos, ungefähr zwei Stunden vom Meer entfernt. Es gab leckeren Fisch einmal die Woche, da habe ich dann gefühlte 100 gegrillte Sardinen auf einmal gegessen. Eine Schwäche, die ich nach wie vor habe. Im anderen Urlaubsort waren wir genauso weit vom Meer entfernt. In Ioannina, im Gebirge. Und da war das Dorf, in dem wir tagelang Zeit verbrachten, sogar noch "traditioneller". Es gab kein fließend Wasser, wir mussten zwei Stunden zum Brunnen laufen, es gab zum Kochen eine Feuerstelle - und einen Fernseher im ganzen Dorf...



Diese Schlappen habe ich wirklich geliebt. Ich laufe am liebsten Barfuß - und wenn das nicht geht, mit Schlappen/ Flipflop / Sandalen. :-) Geschichten mit Eseln, und Mädels, die in den Achtzigern auf mich standen, gibt es übrigens hier: http://www.tubuk-digital.de/e-book/208201/meine-mutter-griechenland

Womit wir zum Schreiben kommen, denn in den Achtzigern begann alles: 1986 um genau zu sein. Bei Frau Picault im Deutschunterricht der vierten Klasse, als sie uns anregte, Geschichten zu schreiben. Ich tat das. Meine ersten Werke. Ich habe sie ihr damals abgegeben - und nie wieder gesehen. Schade eigentlich. Es war eine Reihe über einen Briefträger, der Hunde hasste. :-)

Musik. Ich liebte A-HA, die Pet Shop Boys, Soft Cell, Kylie Minogue in ihrer Anfangszeit, Rick Astley, Depeche Mode selbstverständlich, Talk Talk, Nena, Marrillion, Duran Duran, Paul Young - und viele mehr. Zeiten waren das.
Filme. Die unendliche Geschichte natürlich. Und Karate Kid.
http://zff.com/media/movie_images/the_karate_kid_1_b_thumb_700x600.jpg
Meine Schwestern liebten Ralph Macchio. Danielson. Und ich glaube, dass er der erste Junge war, der mich faszinierte. Ohne zu wissen, was das zu bedeuten hat. Ralph Macchio mit seinem Stirnband. Aaron Krickstein, der Tennisspieler, mit seinem Stirnband. Und natürlich Captain Future. :-) Kann man sich in Zeichentrick-Figuren verlieben?
http://www.moviepilot.de/files/images/0394/6638/captainfuture_article.jpg
Es waren andere Zeiten damals, ohne Handy oder gar Smartphone, ohne Internet, ohne Computer in jedem Zimmer, teilweise noch mit nur drei Kanälen im Fernsehen, erst ab 1987 hatten wir zum Beispiel Kabel, und wir waren da nicht die Letzten in Kehl. Wie haben wir es damals eigentlich gemacht? Wie haben wir uns weitergebildet, über das erste Mal gesprochen, Leute kennen gelernt? Ja, klar die Bravo. Mit Leserbriefen und so. Die haben wir früher tatsächlich alle gelesen. Und den Starschnitt aufgehängt - das kennen die Jungen hier gar nicht mehr. Und wir brauchten den Film "La Boum", um uns auf unsere ersten Erfahrungen vorzubereiten. 
http://image.toutlecine.com/photos/b/o/u/boum-2-1980-03-g.jpg
Und mein erster Tanz auf ein Lied von Whitney Houston, im Partykeller meiner Freunde Stefan und Christian:
Klar, ich habe so viele Themen jetzt nicht angerissen: Tschernobyl, den kalten Krieg, den Mauerfall, AIDS, so vieles andere mehr. Alles wichtige Dinge, alles Dinge, die uns damals sehr beschäftigten. Das verändert Menschen sehr, so wie 9/11 uns alle sehr veränderte. Aber die kleinen Sachen, die Filme, die Bücher, die Musik, die Kleidung, die Atmosphäre - an sie erinnert man sich, wenn man an die Vergangenheit denkt. Und natürlich seine Freunde, seine Urlaube, seine ersten Male. :-)
So, nun genug in vergangene Welten getaucht...

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