Samstag, 27. April 2013

Deprifrei

Deprifrei gibt nicht auf! Hier klettert er nach oben!
Ich bin ein 35 Jahre alter Mann und schreibe seit rund sieben Jahren an meinem Blog www.deprifrei.twoday.net. Zu dieser Zeit gab es kaum Blogs von Betroffenen zu diesem Thema. Nach dem Selbstmord des Fussballers Robert Enke habe ich beobachtet, dass mehr Blogs zu psychischen Erkrankungen aus dem Boden spriessen. Die Menschen werden mittlerweile mutiger. Manche schreiben sogar ihre Klarnamen, damit auch jeder Arbeitgeber sie googeln kann und weiss, was los mit ihnen ist. Soviel Mut habe ich noch nicht entwickelt, aber ich denke, dass es wichtig ist, offener mit der Erkrankung umzugehen. Erst wenn wir ein Problem benennen, gibt es dieses Problem. Manchmal komme ich mir wie ein depressiver Kreuzritter vor, der die Menschheit mit der Kraft des Wortes auf die mangelnde Akzeptanz aufmerksam machen will. Es gibt immer noch zuviele Klischees wie z. B., dass ein Mensch erst depressiv ist, wenn er den ganzen Tag im Bett verwest. Oder auch viele Journalisten vergleichen diese Erkrankung mit Trauer. Aber mit Trauer kann ich arbeiten und sie überwinden. Schwermut dagegen fühlt sich tot an. Bei mir äußert sich diese psychische Erkrankung dadurch, dass ich mich sehr schwer, hoffnungslos, ohne Lebensfreude, selbstwertlos, träge, negativ... fühle. Auch grübele ich öfters immer über die selbe Scheiße z. B. warum ich kaum Freunde habe, die mich verstehen. Ich fühle mich in diesem Zustand isoliert vom Rest der Welt. Ich komme mir vor wie auf einer Insel und ich bin dort Robinson Crusoe. Was mir auch aufgefallen ist, dass Menschen mit Depressionen selten "Gute Besserung" hören. Als ich vor Jahren zur Tagesklinik gehen wollte und eine Fahrkarte brauchte, ging ich zu meiner örtlichen Krankenkasse. Die KKH-Frau war sehr freundlich und wünschte mir "Gute Besserung". Das berührte mich so sehr, da vorher mir niemand dies gewünscht hatte. Bei einer Erkältung oder Beinbruch wird uns "Gute Besserung" gewünscht. Aber psychische Erkrankungen werden immer noch nicht so ernst genommen wie eine Erkältung! Das ist traurig. Dabei sind Depressionen als Erkrankung sicher schwerwiegender als ein Husten!
Ein in der Tagesklinik selbst gemaltes Bild.
Seit meiner Jugend leide ich an einer rezidiven Depression. Mit 18 Jahren begannen meine depressiven Symptome schlimmer zu werden. Ich bekam durch Probleme im Elternhaus einen Tinnitus. Diese nervigen Ohrgeräusche belasteten meine Psyche zusätzlich, was meine depressiven Symptome noch besser gedeihen liess.Mit 22 Jahren, im Jahr 2000, verlor ich aufgrund meiner psychischen Verfassung meine Ausbildungsstelle als Altenpfleger.
Ich war nicht in der Lage mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und arbeitete zu langsam. Der Chef sagte zu mir, dass ich der schlechteste Schüler je war, der diese Ausbildungsstelle besuchte. Das war ein Schlag in der Magengrube, was mich noch niedergeschlagener machte.In den Zwischenjahren bis heute habe ich mich mit Psychologen, Psychiatern und Betreuern herumgeschlagen. Kaum einer aus dieser Berufszunft ist wirklich gewillt dem Erkrankten zu helfen. Wir sind nur ihre Milchsäue, die ihren Lebensstil finanzieren. Viele werden auch Fatalisten wie mein Psychiater und haben kaum noch Motivation.
Eine Psychologin sagte zu mir, dass sie nichts an Kassenpatienten verdient. Ich als Schwerstdepressiver durfte in die Röhre schauen. Dank meiner Trägheit war ich nicht in der Lage diese Therapeutin zu wechseln. Ich sah sie alle vier Wochen, dabei hätte ich jede Woche einen Gesprächspartner gebraucht! Die Abwehrkräfte von uns Betroffenen sind sehr verringert, da uns auch das Selbstbewusstsein fehlt neue Wege zu gehen. Daher findet man in diesem Bereich viele selbstgefällige und unempathische Menschen. Die nutzen die psychische Hilflosigkeit ihrer Patienten aus. Mich macht das wütend! Wir brauchen eine größere Lobby! Zum Glück gibt es seit 2009 die Deutsche Depressionsliga www.depressionsliga.de, die sich für Menschen wie mich einsetzen.Mit meinem Blog will ich Betroffene ermutigen ihre Stimme gegen Ausgrenzung zu erheben. Und ich will Nichtbetroffene ein besseres Verständnis unserer Erkankung liefern.Zur Zeit suche ich auch ein Verlag, der mein Lebenswerk als Buch rausbringt. Es können sich gerne Verleger oder Journalisten an mich wenden. Wir müssen uns gegen den Zeitgeist wenden, der nur die leistungsfähigen Menschen als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sieht. Gerade wir Männer stehen unter einem enormen Druck, da von uns immer noch erwartet wird, dass wir die Hauptverdiener sind. Arbeitslose depressive Männer werden von Frauen als Partner eher ausgesiebt als umgekehrt.
Über 2/3 aller Selbstmörder sind Männer. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache!

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Kommentare:

  1. Hallo Deprifrei

    zunächst sollten wir lernen uns abzugrenzen und Ja sagen zu unserer Erkrankung. Es macht uns auch "besonders" , da Empathie gerade in einer Depressionserkrankung ganz ganz ausgeprägt ist! nur müssen wir erkennen lernen, wo es angebracht ist, Empathie zu zeigen, denn viele Mitmenschen wissen das auch gut zu benutzen. Abgrenzung , NEIN sagen ohne Bedenken, das wir Anderen somit auf die Füsse treten. Es immer allen Recht machen wollen _ NEIN _ das schaffen Selbst wir nicht ;) und Freunde finden , haben darauf kommt es gar nicht so sehr an. Jeder ist sich Selbst der Nächste _ lerne dich zu lieben _ und Du wirst geliebt! Sei DU und nicht so wie ANDERE dich haben wollen. Ist effektiver für einem Selbst....ich brauche die falschen Freunde nicht mehr und will diese auch nicht mehr ! Bleib dir treu , steh zu Dir und empfinde DICH als EinzigArtig - schaue weniger ins Aussen da wird man nur verunsichert und immer wieder aufs Neue manipuliert !!! Und zum Thema Männer mit Depressionen _ braucht es viel länger Zeit das anzunehmen oder auch es für sich zu erkennen bis Mann sich professionelle Hilfe holt _ leider kommen viele Männer damit nicht klar und wählen somit den Freitod ! :( doch gibt es immer Möglichkeiten aus der Dunkelheit zu treten wenn Er / Sie / Ich / Wir es wollen ist nur ein durchaus langer und anstrengender Prozess _ doch es lohnt sich den Mut aufzubringen und für Sich nach Veränderung zu streben :) Schöne Sonn(en)tage und Liebe Grüße

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  2. Vielen Dank für den lieben Kommentar Maerzensonne.

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