Samstag, 6. April 2013

Der dichte Fürst - Warum so altmodische Lyrik?



Warum also Lyrik, gerade heute und dann auch noch so altmodisch?
Obwohl meine Gedichte Reimschemata folgen oder an Sonette angelehnt sind, sind sie selten kompliziert. Die Metaphern sind bekannt, weil sie wahr sind. Ich gebe meiner Lyrik zwar ein altmodisches Gewand, lasse sie aber selten überfrachtet erscheinen, weil die Worte meist genau das meinen, was sie sagen. Mir gefällt der Anachronismus, weil mir moderne Lyrik oft noch bemühter klingt als meine Reime. Und wenn es um ein lyrisches Prinzip geht, kann die Lyrik nicht nach fragmentarischer Prosa mit artifizieller Sperrigkeit klingen, sondern muss einen sanften Flow haben, einen Rhythmus, der das Lesen erleichtert. Viele meiner Leser sagen mir, dass sie die Gedichte ihren Partnern, Freunden und auch sich selbst vorlesen. Dafür sind meine Gedichte da, zum laut lesen. Wenn meine Worte in anderen Mündern artikuliert werden, können sie erst ihre Kraft entfalten. Denn die Kraft liegt im Leser.

Wie schreibst Du Deine Gedichte? Unter welchen Voraussetzungen schreibst Du? Was inspiriert dich?

Es sind verschiedene Situationen. Einen Gedichtband habe ich auf Reisen geschrieben, im Südpazifik, Ozeanien und Asien. Da ging es vor allem um das Vermissen von Personen, die mir nah in der Heimat sind. (z.B. Nach dem Telefonat)

Manche Gedichte entstehen auch als Assoziationen zu Bildern aus dem 19. Jahrhundert. (z.B. „Seltsam“)

Doch die meisten Gedichte unter dem alter ego Der dichte Fürst entstehen nachts. Ich habe viele Jahre am Tresen gearbeitet, die Gäste beobachtet, geraucht, getrunken, dabei Popmusik gehört und dabei einen Großteil meiner Texte geschrieben. Ich bin also in einer lauten, schnellen Situation, in die ich die Sehnsucht durch meine Worte hineinwebe. Ich schreibe meist auf Barzetteln oder ins Notizbuch. Deswegen haben auch alle handschriftlichen Notizen braune Flecken. Nicht vom Kaffee, sondern vom Jägermeister.

Manchmal bin ich auch auf den Tresen gesprungen, die DJane hat Klaviermusik aufgelegt und ich habe dazu die Gedichte vorgetragen. Danach wieder hinter den Tresen und Barkeeper sein. Dadurch kam ich mit vielen ins Gespräch und die Menschen wollten oft wissen, wie ich schreibe und sie wollten mir erzählen, was sie bewegt. Also habe ich Gedichte für sie geschrieben. Mein Gegenüber hat mir dann drei Worte genannt, und damit habe ich gearbeitet. Die wenigsten davon habe ich allerdings, weil ich sie den Leuten mitgegeben habe. Es waren ja schließlich ihre Gedanken.

Ist Deine Lyrik also autobiographisch?

Natürlich Jein! Zunächst möchte ich mit vier Zeilen aus dem Prolog meines zweiten Gedichtbandes „Mir ist als seh ich deine Sehnsucht“ antworten:

Suche nicht in den Gedichten
Nach deinem Namen oder uns,
Dichtung ist zwar Wahrheit
Doch mein Leben keine Kunst.

Auf der anderen Seite habe ich mir das Logo des dichten Fürsten auf den Schreibarm tätowieren lassen. Eine Feder mit einer Krone darauf. Natürlich kommt jedes Wort aus meiner Feder, aber Tinte finde ich überall.



NACH DEM TELEFONAT
  
Worte können keine Hände sein
Die auf durstigen Schultern liegen
Worte können nicht dem müden
Kopf durch die weinenden Haare fahren
Die ein Leben erzählen
Die meinen Händen fehlen
Worte sind nicht warm

Kein Gedichtblick
Kein Liebeskuss auf den Bauch
Kein Lächeln das
Durch den Staub meiner Seele scheint.
Nur
Worte

Nach dem Telefonat
Legst du den Hörer wie eine
Waage auf die Gabel
Zu sehen wessen Herz
Schwerer wiegt


SELTSAM
frei nach „Riesengebirgslandschaft mit aufsteigendem Nebel“,
Caspar David Friedrich 1819/20

Auch was wir behaupten zu
Wissen, wissen wir nicht.
Sollte ich die Seele
In Bilder sprechen müssen
Wählte ich
Den Eindruck der Gebirge
Bei aufsteigendem Nebel

Die Tannen die dem geröllnen
Boden wie Gedanken entwachsen
Kann ich erahnen
Doch die Nebel verbannen
was sie sagen
Die Nadeln unterscheide ich nicht

Unsre Liebe liegt gefangen
Im Schleier dunkelluftiger Bahnen

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