Montag, 13. September 2010

Oper: Medea in Frankfurt

Nun ja, da habe ich mir ja ganz etwas Tolles ausgedacht, mit dem schönsten Mann der Welt in die Oper zu gehen, in die Oper, ich, wo doch jeder weiß, dass ich echt ein Problem mit Opern habe, im Grunde genommen mit allem, in dem Geschichten gesungen werden, noch schlimmer finde ich Musicals und Musical-Filme, ich meine, wieso müssen die denn alles singen? Reden ist doch viel schöner, naja, man merkt schon, ich bin kein Freund der Oper, kein Freund der Hochkultur. ;-) Für mich muss alles leicht verdaulich sein. Hahaha. Nein, im Ernst. Die Medea schön und gut, schließlich wurde ich über das Buch von Christa Wolf: "Medea.Stimmen" geprüft, ich kenne also die Geschichte, finde sie auch spannend, und überhaupt: ich liebe die griechischen Sagen und die klassischen Dramen, aber gesungen? Und da kommt Aribert Reimann ins Spiel, der den Text von Grillparzer zu dieser Oper geformt hat. Schräge Musik scheint sein Metier zu sein, nicht nur diese ständigen qietschenden Streich-Instrumente, nicht nur die Pauken und plötzlich aufschreckenden Trommelhiebe nervten, sondern diese ständigen übertriebenen und übermäßigen Koloraturen. Man muss ja nicht "a-a-a-a-a-a-a-a-ll-e-e-e-e-s singen, und schon gar nicht drei Mal hintereinander. Bis die mal einen ganzen Satz gesungen hatten, da war ich in Gedanken schon zwei Szenen weiter. Dabei haben die meisten gar nicht schlecht gesungen: die Medea selbst (Claudia Barainsky) war wirklich gut und hat sich durch diese schrecklichen Koloraturen bravourös gehangelt, ihr Kollege Michael Nagy, der den Jason spielte, bewies sehr viel Sportsgeist, indem er trotz akuter Kehlkopfentzündung (wie ich im Nachhinein erfuhr) durch diesen heftigen "Parcours ritt", leider fiel er damit ein bisschen gegen die anderen ab; doch die Optionen für die Oper Frankfurt waren: a) die Oper am Sonntag ausfallen zu lassen, b) ihn zu verheizen, um die Leute nicht nach Hause schicken zu müssen. Ich persönlich finde diese Entscheidung bedauerlich, die Gesundheit eines Künstlers geht vor! Ich wäre lieber ein paar Tage oder Wochen später noch einmal zu einer Vorstellung gekommen und hätte einen gesunden, guten Nagy gesehen und vor allem gehört. Außerdem hätte der Mann von der Oper, der ihn vor der Vorstellung entschuldigte, besser eine andere Wortwahl getroffen. Eine "Husten-Nacht" klang schon etwas merkwürdig, was hinderte ihn daran "Kehlkopfentzündung" zu sagen? Besonders gut waren wohl Michael Baba, der den Kreon (den König) spielte und sang, und Tanja Ariane Baumgartner als Dreadlock tragende Gora. Ich fand allersings die Kreusa ( Paula Murrihy) am witzigsten, wie sie vor sich hinträllerte (also ohne Text, einfach so - echt cool!). Das Bühnenbild von Marco Arturo Marelli fand ich wirklich gut, das war vielleicht das beste an dieser Oper. Es sah ein bisschen wie in Lanzarote aus. Und irgendwann kamen dann plötzlich Steine runtergerasselt in den vorderen Bereich der Bühne, schön! Vielleicht noch ein Wort zur Geschichte. Medea wurde am Ende des Stücks nicht umsonst von der Kostümfrau Dagmar Niefind ein bisschen wie eine orientalische Kopftuch tragende Frau zurecht gemacht. Sie symbolisierte die Fremde, der es nicht leicht gemacht wird, sich zu "integrieren". Da haben wohl die vielen Integrationisten mal wieder geschlafen, wie? ;-) Sie bekommt gar einen "Integrationskurs" von Kreusa, wie wir gewitzelt haben, aber alles hilft nichts, wenn alle gegen einen sind und vor allem nicht bereit sind, jemamden so zu nehmen, wie er ist. Zur Integration gehören immer mindestens zwei Parteien, so sagt man, nicht wahr?! Das wäre nun ein gutes Schlusswort gewesen, aber ich möchte nicht verhehlen, dass wir Pfennigfuchser, okay, okay, es war meine Idee, denn ich bin ja - wie gesagt - nicht so der Opern-Fan, also, dachte ich schon vorher sportlich, mh, könnte mir vielleicht nicht so gefallen, dafür möchte ich dann nicht auch noch viel Geld ausgeben, also müssen Karten in der billigsten Kategorie her, und siehe da, wir waren dann irgendwo im dritten Rang, halbrechts mittig oder so. Und es war gut, es war einfach gut, nicht nur dass wir alles sehen konnten, mit Ausnahme von dem einen oder der anderen aus dem Orchester, aber vor allem machte es eine schöne Atmosphäre, man fühlte sich ein bisschen wie zufällig dazugekommen und die Möglichkeit bekommen zu lauschen. Oh, hast du das gesehen? Uuuuuh, spannend, oder? Un vor allem wirkte das Bühnenbild wahrscheinlich von so weit oben noch besser.

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