Mittwoch, 9. Juni 2010

Der ABK und die Integrationisten

Natürlich bin ich auch deswegen ein beliebter Diskussionspartner des ABK, weil ich in einem speziellen Bereich arbeite... Genauer möchte ich es ja auch nicht äußern, weil es ja jetzt nicht um mich geht, sondern um den ABK und dessen Ansichten. Nur zur Erklärung, warum sie sich so gerne bei mir auskotzen, wenn die Mitglieder vom ABK abends nach der Arbeit noch telefonieren wollen. Wie man leicht erraten kann, arbeiten die Leute vom ABK im sozialen Bereich und möchten dementsprechend die Welt verändern. Allesamt arbeiten vor allem mit Menschen, die eine Migrationsbiographie bzw. einen Migrationshinweis haben, wie es ganz modern heißt. Mit Sozialarbeitern zu tun zu haben, sagen sie, ist schon scheißanstrengend an sich. Problem: es muss Vorbesprechungen zu Vorbesprechungen geben. Bevor ein Flyer gestaltet werden kann, muss man fünf Vorbereitungstreffen einberufen, um zu überlegen, was drauf soll, welche Zielgruppe, welcher Termin, welcher Ort etc... Das an sich ist ja schon schlimm genug, aber dann auch noch die Ausdrucksweise. Das Wort "Bedarf" kann der ABK genauso wenig hören, wie dies und das zu eruieren, evaluieren, Maßnahmen durchführen. Sie hassen die Wörter: Integration, Migranten, Arbeitsverwaltung, Wirkungsanalyse, Projektmanagement, Planungstreffen. Sie möchten nicht ständig über unnützes Zeug reflektieren, über "Begrifflichkeiten" debattieren, Konzepte erstellen. Ja, sie reden gerne, aber nur wenn es einen konkreten Zweck hat. Das alles ist schon schlimm genug, aber dann kommen noch diese ganzen Integrationisten in diesem Bereich, diese Weltverbesser, diese Träumer, die sich kaputt-diskutieren, die am liebsten Ringelpietz mit Anfassen machen wollen, die wahrscheinlich alle keine Frau bzw. keinen Mann haben, und sonst auch keine Hobbies. Mit denen verplembert man dann unnütze Stunden auf irgendwelchen Netzwerktreffen, plant dies und das, diskutiert sich den Mund fusselig und am Ende hat man keinem einzigen Menschen aus seiner Zielgruppe geholfen. Was soll das alles? beschwert sich der Vorstand des ABK. Da sitzen dann irgendwelche Pseudo-Experten drin, diskutieren darüber, ob man die Wärter "Mischlingskind", "Schwarzer", "Mulatte", "Schlitzi" oder "Ausländer" benutzen darf, und die "Betroffenen" selbst interessiert es einen Scheiß, manchmal nennen sie sich selbst genau so wie sie nicht von anderen genannt werden sollen. So what? Wichtiges Thema. Yes. Aber die Diskutanten sind so dämliche Sozis, sagt er, die lebensfern sind, und noch schlimmer Klugscheißer - das macht sie dann betroffen und dann müssen sie jedem erzählen, wie wichtig Toleranz ist. Und wieviele Leute haben sie durch dieses Geschwätz einen Job besorgt? Wie viele Leute wurden durch diese dumme Gelaber weniger diskriminiert? Und nach den Gesprächen muss man noch mal mit seinen Kollegen darüber reflektieren, "ich brauch das!" sagen die, sagt der ABK voll genervt. Wozu? Vielleicht sollten diese Leute weniger in sich investieren, sondern mehr in diese Leute, denen sie helfen wollen. Was den ABK belastet: dass diese Leute spaßbefreit zu sein scheinen. Man darf keine Witze machen, niemals flapsig sein, niemals etwas auflockern, denn das Thema "Benachteiligung" ist ja ein ernsthaftes Thema. Aber die "Migranten" würden sich kaputtlachen, wenn sie mit drin sitzen würden, sie würden gar nicht wissen, worüber diese Sozialarbeiter reden. Übrigens habe ich vergessen zu "genderisieren" - ich muss wohl ein Frauenfeind sein! Der ABK lacht sich bestimmt scheckig, wenn er diesen Satz liest.

1 Kommentar:

  1. Klingt verdammen noch mal nach dem Alltag einer jeden Behörde. Gruss schlitzi ;-)

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