Dienstag, 23. Februar 2010

Abschied von Bob - ein Jugendbuch

Mir gefällt das Lesen von Jugendbüchern. Es ist ähnlich wie bei Krimis. Sie sind eher leicht zu lesen, also eine sehr geeignete S-Bahn-Lektüre, immer spannend gestaltet, damit die Zielgruppe nicht die Lust verliert. Und oft behandeln die Autoren schwer verdauliche Themen auf ansprechende und einfache, aber nicht zu vereinfachende Weise. Das ist auch in diesem Jugendbuch des Autoren Lutz van Dijk der Fall.

In ABSCHIED VON BOB geht es um die Freundschaft eines ungewöhnlichen Paares: Die etwas mollige Yvonne, die oft von ihren Mitschülern verspottet wird, und Bob, der schwarzhäutige, gut aussehende, schwule Junge.

Als Yvonne von zu Hause wegläuft, vertraut sie nur ihm. Sie erlebt mit ihm, dass Liebe ganz unterschiedliche Gesichter haben kann. Bob aber hat große Sorgen. Nachdem sein Ex-Freund ihm erzählt, dass er HIV-infiziert ist, fürchtet er sich vor Aids und zögert den Test lange hinaus. Als sich herausstellt, dass er tatsächlich infiziert ist, weist sein Blut bereits eine enorm hohe Viruslast auf. Yvonne zögert keinen Moment, an Bobs Seite zu bleiben. Sie ist bei ihm, als er eine quälende Zeit lang auf die Medikamente eingestellt wird. Doch Bob hält dieses strikte neue Leben nicht lange aus. Er flüchtet – und kehrt erst zurück, als es zu spät ist.

Denn Bob verwirklicht sich seinen Lebenstraum, bevor er dann endgültig im Krankenhaus landet: Er reist nach San Francisco, dem Ort, an dem er so sein kann, wie er ist. Und lebt dann eine Weile da, ohne sich bei seiner Familie und seinen Freunden zu melden.

Lutz van Dijk ist 1955 geboren, arbeitete viele Jahre bei der Anne- Frank-Stiftung in Amsterdam. Seit 2001 lebt er in Kapstadt als Co-Direktor der von ihm mitbegründeten Stiftung HOKISA (Homes for Kids in South Africa), die Aids-Waisen und HIV-infizierten Kindern ein Zuhause gibt. Für seine Jugend- und Sachbücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Natürlich merkt man diesem Jugendbuch dieses Engagement und die Ziele des Autoren an, doch es wirkt nie moralisierend und aufgesetzt. Dafür ist es viel zu emotional und viel zu tragisch. Man freut sich zunächst mit Yvonne über die neu aufkeimende Freundschaft, die sich wie eine Verliebtheit gestaltet. Später leidet man mit, wenn Bob seine letzten Lebens-Wochen und Lebens-Tage verlebt. Man kann gut nachvollziehen, dass alle beteiligten Personen mit der Situation überfordert sind.


ABSCHIED VON BOB ist im Sauerländer Verlag in der Reihe Sauerländer Reality im Juni 2007 erschienen. Es umfasst 144 Seiten und ist für 9,90 Euro im Fachhandel erhältlich.

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