Mittwoch, 27. März 2013

Fortsetzungsroman: Moody Blue 29

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Wie hat er das gemacht? fragte ich. Die Tapete? fragte er und schaute mich an. Aber wie sollte das funktionieren? Er ist ein Teufel, sagte mein Süßer. Wie bitte?! Ein Teufel ist er! sagte er überzeugt, ich darf dich, Apostoli, daran erinnern, dass du Geschichten wie „Der kranke Esel“ und „Jesus ist vom Kreuz gefallen“ geschrieben hast und an die Merkwürdigkeiten darin geglaubt hast! Wer an Heilige, die einen im Schlaf besuchen, um jemanden vor einem Unglück zu warnen, glaubt, der kann auch an Teufel glauben. Tobi ist einer, ich verstehe zwar auch nicht, wie das sein kann, aber es ist so. Und jetzt? fragte ich. Keine Ahnung! antwortete er, schlafen wir erst einmal drüber. Ähm, fand Tobi es nicht merkwürdig, dass du mit ihm schlafen wolltest? Nein, Apostoli, er schien darauf vorbereitet gewesen zu sein, vielleicht macht er solche Dinge täglich, vielleicht ist es seine tägliche Show. Wie fandest du eigentlich seinen Schwanz? fragte er mich dann. Geil, lachte ich. Nicht wahr?! meinte er, voll groß und dick. Ich schaute beleidigt. Deiner ist auch groß und dick, Apostoli. 
Danke, sagte ich sarkastisch, sind wir uns jetzt eigentlich gegenseitig böse oder lieben wir uns wie eh und je? Wie eh und je, antwortete er, du hattest recht, es war ein schönes Erlebnis mit ihm, aber in Zukunft lassen wir das Angebot ungenutzt, okay? Okay, willigte ich ein...
Ich träumte von einem hübschen Jungen, den ich in Paris kennengelernt habe, der ein Nick-Carter-Fan war und gerne Lieder von den BSBs trällerte, diesmal sang er: „As long as you love me“, es war ein Ständchen für mich, er hielt währenddessen rote Rosen in seinen Händen, die er mir nach dem Lied überreichte, danach machte er mir einen  Heiratsantrag und ich sagte glücklich ja, er lächelte und dabei verwandelten sich langsam seine blonden Haare in dunkle, seine blauen Augen in grüne mit einem Stich Braun, seine markanten, formvollendeten Gesichtszüge in die konturlosen, zu zarten von Tobias; Tobias lächelte mich nun an und dann musterte er mich mit seinem bösen Blick, ich hielt dagegen, lächelte spöttisch zurück und schubste ihn weg. Dann wachte ich auf; es war kein böser Traum gewesen, ich fühlte mich gut. Ob ein Traum gut oder böse ist, entscheidet sich erst dadurch, was man dabei und danach fühlt. Manche Nachtgespinste können dich glücklicher machen als der beste Sex. Ganz so gut war dieser Traum nicht, aber er machte mir keine Angst, sondern Hoffnung, dass ich vor Tobi keine Furcht zu haben brauchte. Trotzdem merkwürdig.
Ich weckte meinen lieben Freund. Sag mal, Alejandro, weißt du noch, was wir vor einigen Tagen gemacht haben? Wir haben einen flotten Dreier mit Tobi veranstaltet und gestern Abend haben wir beide jeweils mit ihm geschlafen! Gibt dir das nicht zu denken? fragte ich. Doch, sagte er, ich denke dauernd darüber nach, früher hätte ich das schlimm gefunden, aber du hast mich umerzogen; in dieser langen Zeit, in der wir zusammen sind, haben wir so viel über Sex und Seitensprünge und sonstige Sünden geredet, haben beschlossen, dass wir da locker sein werden, weil wir immer noch wissen werden, dass wir uns lieben, auch wenn wir solche Dummheiten begehen; wer war denn für mehr Toleranz und Lockerheit? Jetzt hast du mich so weit gebracht. 
Alejandro, du weißt, dass ich dich liebe, gell?! Ja, und ich liebe dich auch. Hast du davor Angst, mich an Tobi zu verlieren? fragte ich. Nein, wir wissen, dass er der Teufel ist, sagte er. Na und? fragte ich. So blöd bist du nicht, dich auf ihn einzulassen. Und wenn ich stark genug bin, um es mit ihm aufzunehmen? wollte ich wissen. Das bist du, meinte er, aber dafür brauchst du nicht mit ihm zusammenzukommen. Du hast also keine Angst? Nein. Gut, sagte ich. 
Ich kann nicht darstellen, wie meine Beziehung wirklich ist. Kann man das überhaupt? Ich meine, man kann schreiben, was jemand sagt, aber nicht wie, natürlich kann man beschreiben: Er sprach laut-leise-spöttisch-ängstlich-unsicher-nasal-undsoweiter, aber der Leser wird trotzdem nicht wissen, wie derjenige gesprochen hat, das muss man sich vorstellen. Ich kann auch nicht ausreichend beschreiben, was für Gesichter Alejandro bei unseren Gesprächen zieht, ich bin nicht einmal so begabt, kleine Alltäglichkeiten, die eine Beziehung kennzeichnen, aufzuzeigen. Sie sind selbstverständlich für uns, diese Nicklichkeiten: na, träumst du von Sex mit Levent? Oh, habe ich dich gerade gestört, bist du gerade bei Tobi? Sie sind keine Seitenhiebe, sondern Witze, man zieht den anderen auf, weil man genügend Selbstironie besitzt, um über so etwas drüber zu stehen. 
Solche Sätze sind natürlich, aber man vergisst sie oft zu erwähnen. Genauso wie andere Kleinigkeiten, die verständnisvollen Blicke, die man sich zuwirft, ständig und überall, man kann miteinander kommunizieren ohne zu reden, anderen Paaren fehlt sogar diese Form von Verständigung, dieses Miteinander sprechen, nicht irgendeinen Müll, sondern etwas Fruchtbares, die Wünsche, Vorstellungen, Ideen – wir können diese auch in unserer Körpersprache deuten, man hat ein Gefühl für den anderen, ich weiß allerdings nicht, wie ich so etwas auf das Papier bringen könnte. 
Alejandro und ich sind das perfekte Paar, finde ich. Natürlich haben selbst wir das ein oder andere Problem, das wir gemeinsam lösen müssen, aber wir stellen uns dabei nicht so dämlich an, wie viele meiner Altersgenossen. Manchmal staune ich über diese Paare. Ich war Zeuge der eigenartigsten Streitereien. Einmal saß die Freundin meines ehemaligen Mitbewohners bei mir im Zimmer, wir unterhielten uns über das Briefeschreiben, ich erzählte ihr, dass mein Süßester mir ständig Briefe schickte, ich habe einen ganzen Stapel Briefe und Postkarten von ihm, sie meinte, dass sie und ihr Freund sich nie schrieben, sie täte es gerne, aber er würdigte es sowieso nicht, da kam er dann hereingeschneit, setzte sich zu uns und begann mit ihr zu streiten. Wenn ich ihr recht gab, schimpfte er mit ihr, dass sie sich jetzt stark vorkomme, weil sie einen Verbündeten habe. Die beiden stritten wie Feinde, sie hatten so viele Aggressionen dem anderen gegenüber, dass sie oft überhaupt nicht sinnvoll miteinander kommunizieren konnten. Alejandro und ich können über alles reden und auf jede Art. 
An diesem Morgen tauchte Levent wieder einmal auf. Er wollte nicht sagen, wo er gewesen war, wollte eigentlich überhaupt nicht viel sagen. Der Grund seines Besuches war, mir meine Sorgen über sein Verschwinden zu nehmen, es sei alles in Ordnung, er lebe einfach. Schön für ihn, dachte ich, ich bin ja kein Moralist, es erfreut mich, wenn es meinen Freunden gutgeht. Außerdem sang er ein Loblied auf seine tolle Stefanie. Ich bat ihn, damit aufzuhören, fragte ihn, was er von ihr wisse, wo sie herkomme, wer ihre Eltern sind, was die ma-chen, wie sie in unser Kaff gelandet ist, was ihr „Stiefvater“ von Beruf ist, wie sie zu Tobi steht.... Er wusste keine Antworten und es interessierte ihn auch nicht. Das war ihm alles egal. 

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