Dienstag, 12. März 2013

Fortsetzungsroman: Moody Blue 28

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Ich liebe dich, begrüßte ich ihn euphorisch, küsste ihn. Er wollte von mir wissen, warum Tobi und ich nicht ins Krankenhaus gekommen waren. Irritiert stand ich ihm gegenüber, lief dann an ihm vorbei, hinauf in mein Zimmer, dort legte ich mich ins Bett, er folgte mir, ich fragte, wer denn im Krankenhaus liege und er antwortete mir, dass Christian am Nachmittag übel zusammengeschlagen worden war, ob mir Tobi nichts davon erzählt habe. Weiß er das? fragte ich. Natürlich, sagte er, Christian hat ihn als ersten angerufen, später, als du gerade gegangen warst, uns. Es hat ihn sehr enttäuscht, dass ihr nicht gekommen seid, ihr hattet wohl etwas Besseres zu tun. 
Bist du mir böse, Alejandro? Ich wusste das nicht. 
Christian ist Tobi verfallen und den interessiert es gar nicht, der vögelt lieber mit meinem Freund. Bist du mir böse? fragte ich ihn noch einmal. Ich gehe fremd und dann gibt es solche Verwicklungen, dachte ich mir. War es schön? fragte er mich spöttisch. Engelchen, das mit Christian hat er mir nicht erzählt, ehrlich gesagt haben wir überhaupt nicht viel geredet, ich gebe es zu, wir hatten miteinander Sex, aber es war nicht ganz so, wie du es dir denkst, wirklich. 
Aha, machte er. 
Ich lag auf dem Bett, begann ich, schaute auf die blaue Wand, schwebte durch Tunnel und als ich wieder zurück war, wusste ich, dass wir es getrieben hatten, danach duschten wir und er blies mir einen, das war das einzige, was ich an Sex bewusst mitgekriegt habe, ehrlich! Interessante Geschichte, meinte er. Es war wunderschön, sagte ich, es war anders, es war..., mir fehlte das Wort, mir fehlte die Sprache. Alejandro, schrie ich, warum kommt mir das jetzt erst merkwürdig vor? Ich meine, wie hat er es gemacht? Wie konnte ich in einem Tunnel schweben und gleichzeitig Sex haben? 
Ich geh zu ihm, sagte er. Was? Warum? Was willst du da? Willst du ihn verprügeln? fragte ich verwirrt. Ich möchte dir das mit dem Schweben glauben, sagte er ruhig. Willst du es ausprobieren? fragte ich ungläubig. Ja, sagte er einfach. Was ist, wenn er es nicht mit dir treiben möchte? fragte ich. Dann komme ich wieder, sagte er. Du gehst also, um mich zu betrügen, meinte ich. Auf die gleiche Weise betrügen wie du mich vorhin, sagte er, und ich: naja, es war ja kein Betrug, ich habe es dir ja gesagt, und es wird auch bei dir keiner sein, aber ich habe ein bisschen Angst. Wieso? fragte er, bei dir selbst hattest du ja auch keine. Ja, aber du bist mein süßester Freund und ich sorge mich um dich. 
Aha, machte er, sag mir, wo er wohnt; wenn ich wieder zurück bin, reden wir weiter. Ich erklärte ihm den Weg und fragte noch nach Christian: Wie ist es passiert? Ist er schwer verletzt? Er hat mit einem Araber geschlafen und dessen Bruder entdeckte die beiden, rief seine Freunde dazu und sie verprügelten ihn, er sieht nicht gut aus, sie wollten ihn wohl hässlich schlagen, damit er niemanden mehr abkriegt. Arschlöcher, schimpfte ich. Alejandro küsste mich und ging. Ich lag nun da, konsterniert, ich meine, das war doch eigenartig, dass mein Freund aus dem Haus ging, um mit dem Jungen zu schlafen, mit dem ich es vor wenigen Stunden getrieben hatte. Es war absurd. Nicht, dass ich eifersüchtig gewesen wäre, nein, das lag mir fern, schließlich hatte ich es selber getan und ich konnte nicht dran glauben, dass mein Süßester bei Tobi bliebe, nur weil der superguten Sex machte. Nein, nein, dafür hatte Alejandro zuviel Angst vor dem Blick. Ich fand es moralisch gesehen nicht schlimm, ich meine, Sex ist Sex, Sex ist Spaß und nur das Sahnehäubchen einer glücklichen Beziehung - wenn man das Sahnehäubchen mit einem anderen genießt, ist das doch kein Hochverrat, oder? 
Bei Sahnehäubchen oder allgemein bei Desserts ist es so: ich besitze eines, sagen wir einen wohlschmeckenden Pudding, Alejandro mag den sehr gerne, aber Tobi kommt ihm zuvor, besucht mich und wir vertilgen den Pudding gemeinsam, dann ist er weg und Alejandro hat nichts davon. Beim sexuellen Pudding (oder Sahnehäubchen) ist es etwas anderes: Ich genieße den Pudding zunächst mit Tobi und kann ihn dann noch einem mit Alejandro genießen. So ist es doch, oder? Alejandro wurde nichts weggenommen und mir jetzt genausowenig. Sollte mein Schatz diesen Spaß haben, hatte ich es nicht vorhin so überlegt? Nur war es seltsam, hier zu sitzen und zu wissen, dass mein Freund gerade Sex mit jemand anderem hat. 
Die Freude über diesen Genuss ließ bei mir merklich nach, mittlerweile überlegte ich, wie Tobi das angestellt hatte. Ich hatte nichts getrunken oder gekifft, er konnte mir nichts unbemerkt einflößen und trotzdem hatte ich eine solch verrückte Wahrnehmung. 
Mit diesem Jungen stimmte etwas nicht, doch was war es? Mir fiel nur eine Möglichkeit ein und die war nicht besonders realistisch, ich dachte an den Film mit Keanu Reeves und Al Pacino: „Im Namen des Teufels“, doch auch das war nur ein Traum gewesen, haha. Dieser Schluss zerstört den ganzen Film. „Das alles war nur ein Traum“ ist ein Schlusssatz aus einem Aufsatz eines Grundschülers und nicht ernstzunehmen bei Erwachsenen. In Wirklichkeit gibt es keinen Teufel und Söhne vom Teufel. Also konnte Tobi kein Teufel sein. Aber wie hatte er es gemacht? Und wo waren Levent und Steff? 
Während ich nachdachte, nickte ich ein und wurde erst wieder von Alejandro geweckt, als er zurückkehrte und sich zu mir ins Bett legte. Wie war es? fragte ich und erst in diesem Moment kam mir der Gedanke, dass es ja fast unmöglich sei, dass er dabei die gleichen Gefühle wie ich gehabt haben könnte. Als hätte er das gehört, widerlegte er mich. Ich habe wohl das gleiche gespürt wie du, ich wurde von der Tapete eingesogen und schwebte durch einen Tunnel, etwas drückte mich in dunkelblaues Wasser. Es war wunderschön und ich habe es nicht einmal bewusst gemerkt, so wie du, unglaublich...

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