Dienstag, 8. Oktober 2013

Utopia - Was ist meine Utopie?

Christiane Jatahy (BR) 
utopia.doc 
Mi. 09. — So. 13.10.2013
VIDEOINSTALLATION 
* ab 17.00 Uhr, Eintritt frei. 
In brasilianischem Portugiesisch mit deutschen Untertiteln 

ORT 
Studio 2 
Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main

Eröffnung Mittwoch ab 17 Uhr - da werden auch alle Projekt-Teilnehmer/innen anwesend sein

Mehr zum Projekt:
http://www.mousonturm.de/web/de/
veranstaltung/utopia-doc


Ein paar der Dinge, die ich gesagt habe:
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Meine Eltern sind typische Gastarbeiter, haben sich in Deutschland erst kennen gelernt, in Griechenland hätten sie sich vermutlich nie getroffen, sie kommen geografisch aus unterschiedlichen Gegenden. Trafen sich dann ausgerechnet in Kehl am Rhein. Zu meinem Leidwesen. Kehl ist das letzte Kaff. Immerhin ist es an der Grenze zu Frankreich und zu einer Großstadt, Straßburg, die sogar sehr schön ist. Mich hat diese Thematik Fremde und Heimat, Integration und Migration usw. immer stark beschäftigt. In der Grundschule schon musste ich der "Vermittler", "Integrationist" sein, immer wurden die schwächsten Schüler, meist mit Migrationshintergrund, neben mich gesetzt, damit ich ihnen helfen konnte. Am Ende der dritten Klasse saßen in der letzten Schulwoche gleich drei brasilianische Kinder neben mir, die kaum Deutsch konnten. Und nach den Ferien hatte ich dann meinen Nebensitzer Junior, mit dem ich bald auch meine Freizeit verbrachte. 

Integration und Desintegration blieb immer mein Thema. Als Sechzehnjähriger lag ich ein halbes Jahr in der Kinderkrebsklinik. Chemotherapie. Kinder sterben. Kinder sind plötzlich nicht mehr da. Freunde. Und die Freunde in der Schule, die Mitschüler, entfremden sich von dir. Du kehrst zurück in die Schule und alles ist anders ... Dann das Leben vor dem Coming-out, das Leben mit dem Coming-out. Das Schreiben. Das mehrfache Anderssein ... etc.
... 
Ich bin Blogger und dieses privat oder nicht privat-Ding ist mir eh nicht so wichtig wie anderen Menschen, ich bin praktisch ein gläserner Mensch. Ich habe auch schon meinen fetten Bauch bei Aufnahmen zu PTC 3 für die Schirn Kunsthalle schön in die Kamera gestreckt. 

Meine Utopie hat mit Zeit zu tun, mit Freiheit, mit sein zu können, wie ich bin, mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen, mit Kunst, mit Authentizität.
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Wo ich gerne wäre? Ach, am liebsten am Meer, in der Sonne, Strand, ein Buch in der Hand, abends dem Meeresrauschen lauschen, zwischendurch nur mit Shorts bekleidet schreiben, am besten mit einem kalten Cocktail neben dem Laptop ...
Ein Tagtraum? Ach, wahrscheinlich hat das irgendwas mit Kunst zu tun. Ich würde gerne mal eine Ausstellung organisieren, würde gerne im Fernsehen über meine Literatur sprechen, solche Dinge. Ich mache schon ganz viele spannende Dinge und freue mich darüber.
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Nachts habe ich wie alle wirre Träume, die wahrscheinlich vielsagender sind, als ich manchmal denke. Früher habe ich sie mal aufgeschrieben, jetzt versuche ich sie meist zu ignorieren. 

Ich hatte mal diesen Traum, so ganz kurz gefasst: 
Ich befinde mich in einer Sporthalle, habe Sportunterricht. Ein Junge, der sich ganz steif bewegt, kommt herein, als wir gerade Ball spielen. Er kann nur mit einer Hand fangen, muss dabei aufpassen, dass aus dem anderen, bandagierten Arm keine rote Flüssigkeit fließt. Es ist sehr eigenartig, mir erscheint es eklig.
Im nächsten Bild liegt er auf einem Krankenbett in einer Klinik, wird behandelt. Der ganze linke Arm ist voller Schläuche, die zum rechten Arm führen, zum bandagierten; am linken Arm wird er abgestöpselt, am rechten wird der Verband abgemacht. Und jetzt sieht man, dass der Junge einarmig ist. „Aber das hast du sicherlich selbst schon gesehen“, sagt die Krankenschwester.
Danach sehe ich den Jungen mit einem anderen Typen durch eine Großstadt laufen. Es ist schon merkwürdig als Einarmiger, vor allem, wenn der rechte Arm fehlt und man Rechtshänder ist... 


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