Freitag, 25. Oktober 2013

schmerzwach liest: Undercover. Das Gedicht des Abends wurde gewählt


Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte - das war ein Experiment, es war ein Wagnis. Und es ging alles auf. Ein volles Haus, eine wunderbare Stimmung, glückliche Dichter*innen, ein Publikum, das etwas mitgenommen hat, ein Moderator, der am Ende abgekämpft, aber total zufrieden war.
Was war passiert?
Zunächst stellten sich die Frankfurter (ähem) Dichter*innen Sandra Klose, Julia Mantel, Marcus Roloff und Martin Piekar mit eigenen Gedichten vor. (ähem deswegen, weil Sandra aus Offenbach kommt und Martin in Bad Soden wohnt ;-)) Sie waren die Expert*innen an diesem Undercover-Abend. Das bedeutet, dass jede*r einen Gedichtband ins Rennen geschickt hat, die anderen wussten jedoch nicht welchen. Ein bisschen wie "The Voice of Germany" - die Aufgabe war auch ein bisschen zu battlen. In der ersten Runde begann Marcus Roloff mit einem Gedicht von Adrian Kasnitz - die Formulierung "mitmenschen die dich an pickel erinnern" gefiel dem Publikum nicht. Das hatte nach dem Vorlesen die Aufgabe, spontan zu entscheiden, ob der Text gefällt oder nicht. Eher oder nicht in diesem Fall. Es wurden mehr rote Karten (für fail) hochgehalten als grüne. Dann erklärte Marcus den Anwesenden, wieso er ihn ausgewählt hatte ... Eine rege Diskussion entspann sich zwischen Publikum und Expert*innen. Das Eis war also ziemlich schnell gebrochen. 
"Ich mag den Regen" schickt nun Martin Piekar in den Ring, ein Gedicht von Carl Christian Elze (wie gesagt: von wem es ist, wussten weder Zuschauer*innen noch Expert*innen, einzig der Moderator - ich - und die jeweils Einreichenden). Das kam spontan besser beim Publikum an, die Diskussion war allerdings nicht weniger interessant. Es wurden auch ein paar Fragen zur gegenwärtigen Lyrik geklärt (Verschwindet das lyrische Ich aus gegenwärtigen Gedichten? Wieso wird alles klein geschrieben in Gedichten?). Julia Mantels Beitrag "Zuhause" von Magdalena Jagelke wurde spontan mit vielen Gegenstimmen bewertet und polarisierte dann in der Diskussion (vor allem auch in den Pausengesprächen). Ich hatte ausgerechnet diesen Text bei Faustkultur vorgestellt. 
Sandra Kloses Beitrag zuletzt war "Sense" aus den Honigprotokollen Monika Rincks, die dafür sogar einen Preis erhielt. Interessanterweise gab es auch hier recht unterschiedliche Wahrnehmungen. Die Frage: "Ist das überhaupt ein Gedicht?" stand im Raum, "vielleicht doch eher Kurzprosa?" 
Nach regen Diskussionen gab es am Ende dann eine erneute Abstimmungsrunde und Sandra Klose und Martin Piekar setzten sich mit ihren Texten durch. Erst jetzt wurden Jagelke und Adrian Kasnitz als Verfasser*in der Gedichte genannt. Nach der Pause sollte es mit Sandra und Martin weiter gehen, die jeweils einen zweiten Text aus dem gleichen Gedichtband vortrugen. Auch in dieser Zeit unterhielt man sich sehr gut, trank gemeinsam, diskutierte über Lyrik, begann sich zu vernetzen. Ganz super also!
Sandras zweiter Monika Rinck-Text "Affektlehre" kam nicht ganz so gut an wie der erste, hier hielten einige die roten Karten hoch. Martins "ich habe fickende fliegen im kopf" von Carl Christian Elze bekam sehr viel mehr grüne Karten als rote, die Diskussion war aber auch hier spannend. Manche störten sich an dieser "Fäkalsprache", fragten, ob man das Wort "ficken" so exzessiv in Gedichten benutzen müsse. Am Ende wurden auch hier die Verfasser*innen entdeckt, es wurde noch etwas mehr über den ausgewählten Band erzählt.
Es war ein sehr schöner Abend, dieser erste Undercover-Abend, der sicherlich noch eine Fortsetzung findet. Die Dichtungsfans haben nicht nur untereinander spannend und unterhaltsam diskutieren können, sondern es ergaben sich wunderbar intensive Gespräche mit dem tollen Publikum. Das schreit nach mehr!
Für die Dichtungsfans geht es im November weiter: 14.11. ab 19.00 Uhr in der AusstellungsHalle, in Sachsenhausen, Schulstraße 1 a. Eine Art Lyrikwerkstatt, in der man aber auch über Lyrik an sich diskutiert. Eingeladen sind nicht nur Dichter*innen, sondern alle, die sich auch Dichtungsfan nennen könnten, am Prozess des Schreibens interessiert sind. Für Getränke wird gesorgt sein. Wir freuen uns auf redefreudige Diskutanten. :-)





















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