Donnerstag, 6. März 2014

Die Dichtungsfans stellen sich vor: Sarah Schuster


Sarah Schuster, geboren 1985 in Rüsselsheim, lebt in Frankfurt am Main. Studium der Komparatistik und Germanistik u.a. mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft in Frankfurt am Main und San Diego, Kalifornien. 2013-2014 Teilnahme am Förderprogramm „Germanistinnen-Netzwerk“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 2011 Autorin und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „Otium“. Sie verfasst außerdem Beiträge für das Online-Magazin „Faust-Kultur“ und den Blog für Kinder- und Jugendliteratur -medien und -kultur „Footnoters“.


OH, FOR FUCK’S SAKE
(EIN KINDERGEDICHT IN PROSA)

Ja, ich bin nun mal ein Schaf und meine Hütte hat keine Fenster, trotzdem sehe ich sie. Immerzu Menschen auf der Straße. Selbst das scheinbare Hören scheinbarer Stimmen ist schon zuviel. Noch schlimmer, die Vorstellung, sie seien Gäste. Erwartungsvolle Menschenkostüme, Könige, nicht innerhalb meiner Wände. Und dann immer dieselbe Herder-Spielerei zur Lockerung: wer wen wohl zuerst gesehen haben mag, der Mensch das Schaf oder das Schaf den Menschen. Wie erfrischend. Mein Eis, schon gebrochen, so auch meine Hoffnung auf ein ansehnliches Gespräch. Mein Blick in die Runde, eine gedachte Spiegelung: eine Runde voller Schafsköpfe. Man dreht Zigaretten und verlangt nach Tee. Ich bringe Whiskey. Es wird gesprochen. Stimmten sie mir zu, machte der Aufwand wenigstens Sinn. Grässliche Vorstellung, das Sprechen ihrer Sprache. Ich erinnere mich, wie sie mich auch früher nicht hätten verstehen können. Sie bestehen eben auf Höflichkeit. Da sie das aber nicht vergessen wollen, hilft mir die Menschensprache auch nichts. Dann kam das Ding aus der Ecke und fraß mich.

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