Dienstag, 28. Februar 2012

fucking different XXX

Ich war in meinem ersten Pornofilm in einem Kino! Mal wieder im Mal Sehn Kino, wo auch sonst. Wo auch sonst? Nettes kleines Programm-Kino, interessante, spannende Filme. Und dann ein Porno! Denn nichts anderes verbirgt sich unter dem bezeichnenden Titel "fucking different xxx" - ein Pornofilm, den man in Programmkinos zeigen darf. Die Idee, die dahinter steckt, ist super und kommt ursprünglich vom Quer Verlag in Berlin: Lesbische Autorinnen schreiben schwule Sexgeschichten und umgekehrt. Das Buch "SEXperimente", erschienen im Jahr 1999, war tatsächlich ein Experiment, weil sich schwule Männer plötzlich intensiv mit lesbischer Sexualität auseinandersetzten und lesbische Frauen geile Männerphantasien entwickelten. Mit "Fucking Different" begann vor sechs Jahren in Berlin die filmische Umsetzung dieser Idee. Inzwischen ist daraus ein weltweites Phänomen geworden: Schwule Filmemacher drehen Filme über Lesben und lesbische Regisseurinnen über Schwule. Gute Idee also! Doch während die ersten Filme als Thema eine Stadt hatten, sollte dieses Mal der Überbegriff PORNO Motto sein. Kein Film sollte länger als zehn Minuten lang sein - und diesmal sollte man auch Transmenschen nicht vergessen. In New York, Berlin, Paris und San Francisco entstanden Arbeiten von Maria Beatty, Jürgen Brüning, Emilie Jouvet, Manuela Kay, Bruce LaBruce, Kristian Petersen, Courtney Trouble und Todd Verow - immerhin namhafte queere Regisseur_innen mit einem ganz anderen Blick... 
Es ist wahrscheinlich unfair die Kritik mit einer Statistik zu beginnen, die nicht gerade repräsentativ ist, sie umfasst schließlich nur eine Gruppe von sechs Leuten. 

Es bestätigt sich aber meine wilde Theorie: Dass diesen Film nur Leute über 45 witzig und interessant und so anders finden. Wir waren SIEBEN Leute im Kino, zu Beginn, denn nach nicht allzu langer Zeit gingen zwei. Sie waren die einzigen außer mir, die unter 45 waren. ;-) Ich konnte es auch gerade so bis zum Ende durchzuhalten. Aber noch eine Hand im After oder in der Muschi eines Menschen hätte ich definitiv NICHT mehr mitgemacht. Neue Sichtweisen? Humor? Phantasie? Ich weiß nicht, viel habe ich davon nicht gesehen. Ansätze waren da. Wie sportliche Frauen sich mit Bällen bewerfen, alles bunt und irgendwie so MIA, guter Einfall von Jürgen Brünning, aber dann wird der Sex auch zum Sport, ein Handschuh wird übergezogen und die Hand schnellt in die Muschi der anderen Frau, immer wieder, immer flotter, und die Frau stöhnt immer lauter. Na gut. Aber wo ist da etwas Künstlerischer als bei normalen Pornos? Wo ist da etwas anders? Ich kenne mich beim Frauen-Sex nicht so aus, aber das kann doch nicht alles gewesen sein, oder? Zumal in einem späteren Filmchen das ebenfalls die einzige sexuelle Praktik ist. Emilie Jouvet beginnt auch stark, mit einem Jungen, der in 1990 in seinem Zimmer sitzt, überall Poster von den Pop-Größen damals, New Kids on the Block, Bananarama etc. New Kid on the Block heißt der Film auch. Er kriegt Besuch von einem anderen Jungen. Zuerst spielen sie jeder mit ihrem Nintendo. Dann küssen sie sich plötzlich und alles geht ganz schnell. Auf Kunstfilm gemachte Einblendungen, in denen die Messages kundgetan, die nicht verbal kommuniziert werden, dann noch ein lustiger Einwand, als es darum geht, ein Kondom überzustreifen (Kennst du nicht diese Krankheit? ... Und dann das Missverständnis, wer wen zu ficken hat), nun ja, aber ansonsten unterschied sich das alles nicht viel von Videos auf xtube oder pornhub oder youporn. Meiner Meinung nach. Die Filme unterschieden sich sehr, manche waren okay, manche grottenschlecht. Die Episode mit dem Fist-Fuck zum Beispiel (Manuela Kay) war schier unerträglich, weil so eklig. Unmengen an Gleitgel, die an der Hand und am Po des Penetrierten zu sehen sind - und das Glitschen zu hören ist auch nicht gerade lecker. Dass der Titel des Films Blümchen-Sex ist (haha, weil da Blumen um sie herum sind) und der Penetrierte Goethes FAUST liest (hahaha) retten das ganze ja auch nicht.


Man kann die zwei Jüngelchen, die sich ficken, natürlich auch einfach in schwarz weiß filmen, wie das Courtney Trouble gemacht hat, dann sieht alles noch sehr viel "künstlerischer" aus - viel Unterschied zu Bel Ami-Filmen finden sich da aber auch nicht. Nein, die Filme haben mich ziemlich abgetörnt. Nein, sie haben mich nicht inspiriert, nicht wirklich zumindest. Selbst der von Bruce LaBruce nicht, der am textlastigsten war und deswegen wohl am interessantesten, aber auch der war etwas nervig, nicht mein Fall. "fucking different xxx" läuft heute und morgen noch um 22.15 Uhr, schaut ihn euch an, wenn ihr gute Nerven habt. Aber trinkt dabei Alkohol, es kann nur besser dadurch werden. Mir bleibt nur die Freude, dank "fucking different xxx" die versautesten Schlagwörter ohne schlechtes Gewissen zu posten. ;-)

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