Dienstag, 15. Januar 2013

Fortsetzungsroman: Moody Blue 23

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Er war bei uns gewesen, ich wollte mit Alejandro allein sein, es enttäuschte ihn, er ging auf das Fest, reagierte sich dort mit den beiden anderen ab, sie verscheuchten seinen Frust; wann betrank er sich? Wahrscheinlich nach dem Sex, Christine schlief gerade mit ihrem Freund, er besoff sich, weil ihm das alles peinlich war, er schämte sich. Dann fuhr er nach Hause, rief mich beschämt an, legte sich ins Bett; am nächsten Morgen konnte er mir dieses widerliche Sex-Erlebnis nicht gestehen (wieso widerlich? ach, egal), gab mir indirekt Schuld daran, ich hatte ihn verschmäht. Warum hatte er behauptet, dass er die beiden nicht getroffen hätte? Wahrscheinlich um alles zu verleugnen, was ihn verraten könnte. 
So muss es gewesen sein. Warum aber hatte er uns verführt (oder ließ er sich verführen) und noch verwirrender: Warum schaute er so böse? Schob er seinen „Niedergang“ uns in die Schuhe? Hatte er sich in das ganze hineingesteigert, weil er mich nicht haben konnte? Das schien absurd, allerdings fiel mir keine andere Erklärung ein. Nach diesen Überlegungen fühlte ich mich erschlagen, überfordert. 
Ich warf mich Alejandro in die Arme, fragte ihn, ob er mich am ganzen Körper massieren könne. Wir gingen in mein Zimmer, ich zog mich aus und legte mich auf das Bett. Er holte das Massageöl aus dem Bad, begann mich zu kneten und zu reiben, mein Körper entspannte sich unter den Zauberhänden von Alejandro. Mir taten die abschließenden streichenden Bewegungen, die meinem Körper das Gefühl gaben zu schweben, so gut, dass ich selig einschlief. Mir träumte, ich schwebe auf einer Wolke und ein Engel – mit Flügeln und weißem Gewand –, der wie Alejandro aussah, streichele mir den Körper und erzähle mir von den Dingen, die ich im Himmel wissen müsse. Als ich aufwachte, lag mein Süßer schlafend neben mir, eingeknuddelt in der Decke. Ich schaute auf die Uhr, kurz vor Mitternacht. 
Wie in Trance öffnete ich das Fenster, lehnte mich heraus, hörte ein Flüstern: psss, Apostoli, hier unten bin ich, mach mir auf.  Ich sah nach unten, da stand Levent. Ich ging die Treppe hinunter, öffnete ihm und bat ihn herein. Wir setzten uns ins Wohnzimmer. Sogleich erzählte er mir von seinem Treffen mit seiner Freundin, wie er mit ihr Schluss gemacht habe, wie er ihr gesagt habe, dass er sie zwar noch liebe, aber sie ihm ein Hemmschuh sei, er müsse jetzt Zeit für sich haben, um sich in den Griff zu kriegen, das Lernen zu lernen und glücklich zu werden. Daraufhin flippte sie aus, warf ihm Beschuldigungen an den Kopf, wurde richtig böse und beleidigend, er sei ein ekelhafter Parasit, sagte sie, zuerst sauge er ihr das gesamte Blut aus den Adern, nehme alle ihre Nährstoffe in Empfang und dann lasse er sie anämisch und vertrocknet liegen. Nein, er gebe ihr sogar noch einen Tritt. Er habe wohl ein frisches Opfer gefunden, mit dem er rumhuren könne und anschließend aussaugen. Was war ich nur für eine dämliche Kuh! schrie sie auf, ich wollte dir helfen, dich glücklich machen, du undankbares kleines Arschloch. Und so sei es in einem fort gegangen, sagte Levent. Er sah dementsprechend abgekämpft aus. Das große Problem wird sein, fügte er hinzu, meinen ganzen Krempel aus der Wohnung zu schaffen, es ging heiß her, sie hasst mich. Naja, das war der aufgestaute Ärger der letzten Zeit und der Schock, einfach so weggeworfen zu werden, als sei in den letzten Jahren nichts zwischen euch gewesen, meinte ich, so erscheint ihr es doch, sie gab dir alles, was sie hatte und du dankst es ihr mit so einer Aktion. Aber sie weiß doch gar nichts von Stefanie, verteidigte er sich. Ich denke, sie wird es spüren, sagte ich, sie ist eine Frau. Glaubst du? Man sagt das ja so, ist es auch nur ein Klischee? Wahrscheinlich. Und trotzdem: Levent, ich glaube, sie kann sich denken, warum du es auf einmal so eilig mit dem Schluss machen  hast. Er weinte. Doch ich ging nicht auf ihn zu, er hatte sich alles selbst zuzuschreiben. Allerdings nervte mich, dass ich ihn nicht auf die Party ansprechen konnte. 
Nach einer Weile stand er auf und lief davon. Levent, so bleib doch da, schrie ich ihm hinterher, ohne daran zu denken, dass mein Schatz schlief. Nein, ich muss zu Steff, sagte er kaum hörbar. Alejandro stand ihm Türrahmen meines Zimmers, schaute mich mit halboffenen, verschlafenen Augen an, auf seinem Gesicht befanden sich rote Abdrücke vom Kissen. Was ist? fragte er mich. Levent und seine Freundin hatten Stress miteinander, er lässt sich nun von Stefanie trösten. Er ging wieder zurück ins Zimmer. Legte sich auf das Bett, ich folgte ihm nach, ließ mich neben ihn fallen. Willst du weiterschlafen? fragte ich ihn, ich bin im Moment fit. Lass mich kurz wachwerden, antwortete er, dann können wir noch eine Weile schwatzen oder fernsehen, bis ich wieder müde werde. Wir könnten baden, schlug ich vor, danach schlafen wir bestimmt gut. Er stimmte mir zu, ging ins Bad, ließ das Wasser einlaufen, ich mixte uns Zitronentee und tat die Gläser neben die Wanne, er holte den Recorder und zwei seiner Kassetten, legte eine davon ein. Als genug Wasser in der Wanne war, zogen wir uns aus und machten es uns gemütlich, so weit man das in einer normal-großen Badewanne konnte. Wir saßen uns gegenüber, so dass wir uns anblickten. 
Was hältst du von der Sache mit Levent und seinen Mädchen? fragte ich ihn. Im Griechischen bedeutet λεβεντης (Leventis) ein ganzer (prächtiger) Kerl. Ein Kompliment! Er verhält sich sehr unsensibel und unreif, habe ich den Eindruck, antwortete er. Wieso, Alejandro? 

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