Sonntag, 4. Juli 2010

Der Arzt...

Ich lege mich erst einmal vor den Fernseher. Zum Entspannen. Das Gehirn wird so schön müde, wenn man eine Weile in die Glotze starrt. An sich ist es vielleicht nicht die beste Methode, sich auf das Schreiben vorzubereiten, aber wen interessiert es. Und wenn man sich es überlegt, dann sind doch diese dummen Talkshows inspirierend, hirnlose Idioten streiten sich über sinnlose Themen, und man selbst macht sich seine Gedanken über die Leute und die Thematik. Lesen wäre zwar im Grunde genommen besser, aber das ist schwieriger, wenn einem so vieles durch den Kopf schwirrt. Das macht mich manchmal regelrecht verrückt. Tausend Millionen Dinge kreisen in meinem Kopf, ich werde sie nicht los, ich drehe mich mit ihnen um mich selbst, ich versuche sie zu verbannen, damit ich mich auf das Wichtigste konzentrieren kann. Vergiss es! sagt mein Gehirn. Sie haben vielleicht schon selbst bemerkt, wie ausufernd ich sein kann. Fürchterlich. Die Leute denken dann manchmal: was macht denn der für seltsame Gedankensprünge?! Macht er nicht, mitnichten. Alle Gedanken sind doch gleichzeitig in mir drin und wollen alle, alle hinaus in die weite Welt. Alle. Sie haben noch nie mit mir geredet, sonst wüssten Sie allzu genau, was ich damit meine. Ich will alles sagen. Ich vertrage keine Gesprächspausen. Und oft, wenn mir jemand etwas erzählt, brenne ich darauf, sofort meine Erfahrungen über dieses Thema zu berichten. Ich muss! Es tut mir weh zu warten. Manchmal rede ich einfach drauflos, obwohl mein Gesprächspartner gar nicht dazu bereit ist, sagen wir einmal, weil er gerade sein Handy gezückt hat und telefoniert, oder weil er gerade etwas aus seiner Tasche herausholt oder sich etwas im Schaufenster anschaut und sich nicht auf mich konzentriert. Oh, und ich werde fahrig, rede viel zu schnell und zu undeutlich. Ach, ich gelobe mir jeden Tag, dass ich mich bessern werde, doch es ist so schwer!
Ich lege mich ein bisschen in mein Bett, der PC fährt gleichzeitig herauf, ich muss, ich muss. Ich schließe die Augen. Was soll ich schreiben? Wie anfangen? Wie die Kraft dazu auftreiben. Ist mir egal, ich setze mich dran, ich schreibe einfach, schaue, was passiert, und mache mir erst hinterher Gedanken. Ich muss es nur fließen lassen. Wie beim Reden. Nein! Nein! Nein! Nicht wie beim Reden. Anders. Irgendwie. So, ich setze mich endlich an den Computer. Dir werde ich es zeigen. Wirklich. Was weiß denn der beschissene Arzt? Was wissen die anderen Menschen?...

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