Mittwoch, 9. April 2014

Undercover. Liebeslyrik – ein Update


Der große Erfolg der ersten Veranstaltung erzwingt eine zweite, diesmal „liebevolle“: Undercover. Liebeslyrik – ein Update wird am 10.4.2014 ab 20.00 Uhr im Blauen Haus, Niederräder Ufer 2, stattfinden, und erneut werden die Dichtungsfans um die Gunst der Zuschauer*Innen „battlen“.
Hinter „Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte“ verbirgt sich ein neues Veranstaltungskonzept, das als Reihe angelegt ist: für Frankfurt und die schwer zu knackende Gattung Lyrik, für die Interaktion zwischen Autor*In und Leser*In, für eine lebendige Literatur.
Bei der zweiten Undercover Veranstaltung werden die Lyriker*Innen jeweils ein deutschsprachiges LIEBESgedicht aus den letzten Jahrhunderten anonym ins Rennen schicken, und hoffen, dass das Publikum wie beim Slam genug Arme streckt, um am Ende das „Liebesgedicht des Abends“ zu küren, wobei nur eine*r der Expert*innen „siegen“ kann. 
Diesmal mit dabei sind Marcus Roloff, Sarah Schuster, Gerda Jäger und Alexandru Bulucz als Lyrik-Expert*Innen. Jannis Plastargias wird moderieren.
Die Liebe bleibt ewig jung. Das Gefühl des Verliebst -Seins, gerade, wenn die Liebe nicht wirklich glückhaft ist, wird sicher nicht anders wahrgenommen als vor 150 Jahren.
Aber kann ein Autor heute Liebeslyrik noch so schreiben wie damals?
Wie kann Liebeslyrik heute noch ankommen beim Leser?
Gibt es sie, die Unvergänglichkeit in der Liebeslyrik?
Wir werden diese Fragen versuchen zu beantworten, doch es geht auch in anderen Worten, weitaus lyrischer (siehe unten).
Wer sind wir denn? Berlin. Leipzig. Hildesheim: Hier steppt der literarische Bär, das sind die Zentren der angesagten neuen Literatur. Sagt man. Und was sagt Frankfurt? Die Dichtungsfans machen sich auf den Weg, die Lyrik in Frankfurt neu zu verorten und Frischluft ins angestaubte Metapherngekräusel zu bringen. 

Veranstaltung: Undercover. Liebeslyrik – ein Update
Termin: 10.4.14, Einlass ab 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Ort: Blaues Haus, Niederräder Ufer 2
Eintritt: frei, um Spenden wird gebeten

Liebeslyrik (Marcus Roloff)
Der-die-das Angebetete als ein unerträglich großartiges, mich überschattendes Gegenüber muss drüben (= nicht hier, gegenüber) und das ganz Andere bleiben, damit ich (= hier & jetzt) auf den Gedanken an Text komme.
Auch zeitlich: morgen, gestern (= nicht jetzt). Siehe Hohe Minne, oder Sappho, jedenfalls so alt wie Text überhaupt sein kann, der in die Lücken schießt, die die Wirklichkeit hinterlässt. Unerreichbarkeit, in die mein Kassiber passt.
Wirklichkeit als tragisch austrocknendes und lahmlegendes Spiel, das die so genannte Erfüllung (= in Erfüllung gehen) ausspart wie einen zu heißen Brei. (Die Finger verbrennen. Auf den Hund kommen. Etc.)
Verliebtheit als aus der Wirklichkeit herausbrechende Spiralbewegung. Aus einer Form kippen (wie vom Stuhl), die mich doch vorher so vermeintlich schön zusammenhielt. Aber ich bin nicht schön.
Einer, der offenbar immer auch zwei war (Lover vs. Briefschreiber): Rainer Rilke. Sein Einbahnstraßenkonzept: reines Verströmen ohne Punkt und Komma, ohne Gegenstück, aber mit verschwimmender Adressatin.
Einsam im Text, zweisam im Leben!
Und der Rest bleibt unauflösbar in den Wellen des letzten Urlaubs hängen, unerreichbare Fernen (siehe Büchner: „Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus […] wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab […]“).
Reiben, auch das …

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