Sonntag, 18. Januar 2015

Queere Videos 13: Bonaparte mit "Two Girls"


"Haters gotta hate", "Lovers gotta love" - "And I made of that" - Ja, ein Lied eines Liebenden ist das! "I'm in love with two girls" ... Viel Liebe ist da also im Spiel ...

Meistens sind ja meine queere Videos welche, in denen gleichgeschlechtliche Intimität selbstverständlich dargestellt wird bzw. insofern thematisiert, dass Teile unserer Gesellschaft damit ein Problem haben (Stichwort: Homophobie). Doch queer ist ja mehr. Queer ist auch, wenn Menschen asexuell, pansexuell oder auch polyamourös sind. Und genau so ein Video suchte ich - und fand es schnell auch. Bei Bonaparte. Tja, bei wem auch sonst. Die Musik der 2006 in Barcelona gegründeten Band (die allerdings in Berlin tatsächlich beheimatet ist) fällt nicht leicht zu beschreiben, manchmal wird ihnen das mysteriöse Genre „Visual Trash Punk“  unterstellt. Nun, es ist auf jeden Fall Punk, auf jeden Fall trashig und legt erstrecht wert auf das Visuelle. Das sieht man auch in diesem Video von Otis Ike sehr gut: Absoluter Trash, künstlerisch hochstilisiert - und man fragt sich die ganze Zeit: Mag ich das? Muss ich das gut finden? Oder finde ich es eher fragwürdig? Und doch ist da irgendwas ... 
Dass ich Bonaparte noch kein einziges Mal in diesen fünf Jahren hier vorgestellt habe, ist allerdings sehr merkwürdig, gelten sie doch als „analoge Bohème“. Mit der Bohème beschäftige ich mich ja hier oft, ja, ich bezeichne mich fast schon als solche, zumindest als "schmerzwach" - nur wäre das Adjektiv "digitale" fast sinnvoller. Die Konzerte sind so expressiv wie dieses Video, bunt, anders, actionreich. 
Polyamorie nun ist vereinfacht gesagt, die Praxis mehrere Liebesbeziehungen nebeneinander zu führen, wobei bestimmte Voraussetzungen bestehen müssen, a) das Einverständnis und Wissen aller Beteiligten, b) müssen dies alles verbindliche und langfristig angelegte Beziehungen sein und c) ist natürlich ganz viel Vertrauen notwendig.
Wenn es nun in dem Lied heißt "I'm in love with two girls", dann folgt hier auch sogleich die Erkenntnis, dass die Person nun alles zwei Mal machen muss, für beide Personen da sein muss, beiden Personen (symbolisch betrachtet) zwei Nester zu bauen, sich einzusetzen und involviert zu sein. Das ist natürlich nicht immer einfach und kann überfordern - vielleicht soll dieses Video das ausdrücken. Ich weiß es nicht. In dem Fall erkenne ich ja das "queere" eher am Text als am trashigen Video. Abe rich mag es trotzdem, vor allem die Sequenz auf diesem Festival (Hippies?). Viel Spaß beim Schauen! :-)

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