Freitag, 7. Februar 2014

Sooootchiiiiii 2014


Sarajevooooooouuuuuuuuuu! Vucko! Das ist die früheste Erinnerung an Olympische Spiele:


Fand ich faszinierend. Fand ich wunderschön. Habe ich den ganzen Tag gesungen. Ich liebte diesen olympischen Gedanken. Ich liebe ihn nach wie vor. Dabei sein ist alles. Sportler*innen, die aus allen Ländern der Erde zusammen finden, Sport treiben, zu einander finden, in all ihrer Vielfalt. Diesen olympischen Gedanken möchte ihn mir nicht kaputt machen lassen. Von keinem Putin. Von keinem Putin-Gegner, von keiner Gesetzregelung, von keiner Homophobie. Diese olympischen Spiele finden nun mal in Sotchi statt. Bunkt! Dann werden wir die mit Würde und Freude erleben, unsere Lieblinge anfeuern, die sich vier lange Jahre darauf vorbereitet haben. Ich bin Sport-Fan in erster Linie. Und ich bewundere diese Sportler*innen, sie sich ganz professionell mit Herzblut auf so ein Großereignis vorbereiten. Wenn man seinen eigenen Namen 20 Jahre später auf Wikipedia in den Siegerlisten der Olympischen Spiele sehen kann, wen interessiert, was da gerade alles passierte zu der Zeit? Das zählt nicht mehr. Nicht missverstehen: ich sage keineswegs, dass es in Ordnung ist, dass Olympische Winterspiele an einem Ort stattfinden, der normalerweise überhaupt kein Schnee-Gebiet ist. Ich sage keineswegs, dass ich in Ordnung finde, wenn "Sklaven" die Sportstätten und Hotels bauen müssen. Ich sage keineswegs ja zu Menschenrechtsverletzungen, zu Rassismus und Homophobie. 
Und na klar: Das ist alles Kommerz und da wird so viel Werbung gemacht - und das ist alles ganz böse. Ja! Sport ist so. Profi-Sport ist so. Kann man Scheiße finden. Kann man sich von Lossagen. Okay. Kann man. Muss man aber nicht. Dann müsste man sich von der Bundesliga, von Football, von geliebten Leichtathletik- und Schwimm-Weltmeisterschaften lossagen. Warum? ... Ich bin Sport-Fan und ich möchte das auch bleiben. Bunkt.


Obwohl ich mich im Sommer bei #putinmyass engagiert habe, obwohl ich gerne darauf aufmerksam mache, dass ich Homophobie und Gesetze, die diese fördern, nicht tolerieren kann und will - und dass dies auch alle anderen demokratisch denkenden Menschen nicht tolerieren dürfen, habe ich mich in den letzten Tagen zurückgehalten. Also, was den Protest oder den Boykott angeht. Nicht weil ich das alles runterspielen möchte ... Vielleicht weil ich inkonsequent bin und mein eigenes Vergnügen (Sport schauen) in den Vordergrund stelle? Mag sein. Nur habe ich bisher den Boykott nicht verstanden. Was sollte das bringen? Ich weiß es nicht. Ist es denn nicht besser hinzugehen und Dinge anzusprechen? Ist es nicht immer besser sich zu stellen und Farbe zu bekennen? 


Ist es nicht auch besser, erst einmal vor Ort zu sein, mit den Menschen zu reden, ihnen die Chance zu geben, ihr wahres Gesicht zu zeigen? Ist es nicht einfach auch eine Gelegenheit, über Dinge, die vielleicht aus einer "demokratischen Sichtweise" nicht gut aussehen, zu reden, in die Diskussion zu kommen? 
Ich wurde zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen, zum Beispiel zu "Last Kiss before Sotchi". Ich möchte gar nichts Wertendes darüber sagen. Natürlich habe ich mir überlegt, mich daran zu beteiligen. Und ließ es. Vielleicht weil ich keinen Mann gefunden habe, den ich küssen wollte? Mag sein. Vielleicht hatte es aber auch andere Gründe ...
Ich wünsche mir friedliche Spiele ohne Ausschreitungen, ich wünsche mir, dass der olympische Gedanke Sprühen funken kann, dass ein Spirit entsteht, ein Miteinander, eine neue Hoffnung. Ich wünsche mir, dass etwas entsteht, Harmonie, Frieden, Liebe, Gemeinschaft. Ist das so abwegig, diese Hoffnung zu hegen?

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