Montag, 23. März 2015

Tour de Kultur 13

Schon als Kind war ich ein Serien-Junkie. "Hart aber herzlich", "Remington Steele", selbst "Denver-Clan", "Dallas" oder "Falcon Crest" schaute ich mir begeistert an. Später dann "L.A. Law", "Picket Fences" oder "Emergency Room". Ich fand es einfach schön, wenn etwas sich immer weiter und weiter entwickelt, Welten erschaffen werden, die man immer weiterspinnen kann. Hatte ich eine Folge geschaut, wollte ich gleich die nächste sehen. Eine Sucht! Warum erzähle ich das? So begann mein Wochenende am Freitag. Mit einer Serie. Nachdem ich mich von einem lieben Freund und Ex-Mitbewohner in eine stundenlange Diskussion über Blockupy und Anti-Kapitalismus habe verwickeln lassen, wollte ich gerne zuhause bleiben und nicht mehr auf die Party vom Lichter Filmfest ... Ich schaute mir also eine Folge der Serie "Scorpion" an, die auf einer wahren Begebenheit und einem wahren "Charakter" beruht. Ein Genie, das weitere Genies um sich geschart hat, als Ersatz-Familie, und die gemeinsam knifflige Fälle lösen. Hört sich erst einmal nicht so interessant an, aber ich mag die Serie sehr gerne und hoffe auf mehr. 
Samstag war ich dann sehr viel aktiver, alles begann mit einem Besuch meiner Lieblings-Buchhandlung Büchergilde, nahe der Konstablerwache. Anlässlich des Indiebookday 2015 kaufte ich mir ein Buch von Nino Vetri: "Die letzten Stunden meiner Brille". Den Verlag kannte ich bisher noch nicht: edition.fotoTAPETA. Ich bin sehr gespannt.



Später ging es weiter auf die erste Ausstellung von Julia Flick in der Sankt Peter Jugendkirche: „XpRiments: An Exhibition“ führt auf eine abstrakte Reise durch Stadt, Natur und den eigenen kleinen Kosmos.
Fotografische Experimente mit Außen- und Innenwelten wechseln Perspektiven, verdrehen die Wirklichkeit, setzen neue Energien frei.
Eine Ausstellung auf der Suche nach geordnetem Chaos und Struktur.
Über das Finden und Erzeugen von Symmetrien in allem was uns umgibt. (aus der Facebook Veranstaltung)


Julia Flick, XpRiments, Bild: Petra Flick
Insbesondere der dazugehörige Film, der als "Abrundung", als eine Art "Zusammenfassung der Ausstellung" von Julia Flick konzipiert wurde, hat es mir angetan. Die Musik von Sebastian Grünwald passte hervorragend zu den Bildern. Die Fotos luden dazu ein, sich zu überlegen, nicht nur, wo sie gemacht wurden, sondern auch aus welcher Perspektive heraus. Man sah einige Menschen, deren Körper seitlich abknickte, um herauszufinden, wie sie was betrachten sollten. Es war spannend dies mitanzuschauen. (Ich sehe mir ja auf Ausstellungseröffnungen lieber die Menschen an als die Kunstwerke.)

Am Abend gab es dann die Schirn at Night, die immer überraschend ist, immer wieder ein neues Publikum neben dem alten anzieht. Diesmal ging es um die Affichisten und die "Poesie der Großstadt". Dazu wurden nicht nur die Herren von Yok Yok engagiert, ihren Kiosk in der Rotunde der Schirn Kunsthalle aufzubauen, sondern es wurden Celo & Abdi eingeladen, als "Großstadtpoeten" ihre Songs zu rappen. Ich rechne der Schirn Kunsthalle sehr hoch an, mit solchen Aktionen ein ganz anderes Publikum als sonst anzuziehen. Ich bin da sehr dafür, finde es schön, wenn Museen, Kunsthallen, Galerien niedrigschwellig um eine Klientel werben, die sonst nicht den Weg zu ihnen findet. Dementsprechend waren da viele junge Leute, die man sonst eher in Hip Hop Schuppen vermutet und auch findet. Da ich ja so gerne die Leute beobachte, fand ich das ganz cool. Da ist es mir dann auch ganz egal, dass da diese fetten Rapper (und nein, ich meine nicht "FAT") auftreten. Ich hätte ganz andere Sänger/innen eingeladen, aber das ist auch subjektiver Geschmack und eine persönliche Meinung, die etwas Hip Hop feindlich ist - die meisten Vertreter dieses Genres in Deutschland halte ich für alles andere als für Großstadtpoeten. Es gibt natürlich ein paar richtige gute Leute, auch in Deutschland, ich wage jedoch die bereits genannten nicht dazu zu zählen. Ist eben meine Meinung. Aber ein Wort soll noch zu diesem jungen Gangsta-Publikum gesagt werden: Früher haben die versucht, einem die freshen Sneaker abzurippen, jetzt klauen sie einem die Gummibärchen aus der Hand. Schon armselig! :-)))) 

Sonntag ging es nach Anschauen einer weiteren Folge "Scorpion" und einiger Arbeit am neuen Projekt ASTIKOS in die Oper Frankfurt, in der "Die Passagierin" aufgeführt wurde. Diese Oper von Mieczyslaw Weinberg (1919 - 1996) in zwei Akten, acht Bildern und einem Epilog Libretto von Alexander Medwedew nach der gleichnamigen Novelle von Zofia Posmysz ist übrigens eine Frankfurter Erstaufführung. Dabei wird in Rückblenden die Geschichte von Lisa und Marta erzählt. Lisa war Wärterin im KZ Auschwitz und Marta ihre Gefangene. Viele Jahre später treffen die beiden sich unverhofft auf einem Kreuzfahrtdampfer wieder ... Ich hatte vorher vermutet, die ganze Zeit weinen zu müssen, in der Oper sitzend. Dem war gar nicht so. Ich war eher so fasziniert von der Drehbühne (echt super gemacht) mit den integrierten Obertiteln (sie wurden in Schreibschrift projiziert) und vor allem von der fantastischen Musik, dass ich mich gar nicht so richtig in die Szenerie habe einsaugen lassen, wie das oft bei Filmen bei mir der Fall ist. Ich achtete auf so viele Dinge, auf die schönen Stimmen der Sänger/innen, auf die Kostüme, auf die Vermischung von Gegenwart und Vergangenheit auf der Bühne - ja, das war etwas, was mir bei der Aufführung besonders gefallen hat. Wie die verschiedenen Zeitebenen ineinander greifen. Plastisch kann ich das anhand eines Beispiels machen: Lisa und Walter befinden sich im Tanzsaal auf dem Dampfer, dann kommt Marta hinein, zieht ihre Perücke ab - die anderen tun das gleiche, ziehen ihre Abendgarderobe aus, die KZ Kleidung an, und so verwandelt sich die Szenerie plötzlich zu Auschwitz. Atemberaubend einfach! Eine krasse Oper, die erst 2010 in Bregenz uraufgeführt wurde, dabei schon 1968 entstanden war. Absolut sehenswert!

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