Samstag, 15. August 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (6-10)


Meine Erlebnisse als Pädagoge (6):
"Herr Plastikgras, bitte zum Hausmeister kommen! Schnell!" So schallte es durch die Schulflure. Ich saß unschuldig im Büro der Schulsozialarbeit und dachte: Whuuuuut?! Meine Kollegin schaute mich belustigt an: "Was hast du denn jetzt schon wieder ausgefressen, Jannis?!" - "Äh, nix!"
 Eine Regel gab es an dieser Schule: Leg dich niemals mit Frau K. aus dem Sekretariat an - und niemals mit Werner, dem Hausmeister. Ich raste also über den Schulhof, immer mit Überlegungen, was ich falsch gemacht haben könnte. Die Schlüssel-Krise: erledigt! Die Sporthallen-Krise: Nein, damit hatte Werner nix zu tun, war aber auch schon erledigt! Hm ...
Vollgeschwitzt gelangte ich an die Türe seines Raums, klopfte. Er strahlte mich an, der Werner, und ich fragte: "Was ist denn passiert?" 
Und er lächelte mich glücklich an: "Plastikgras! Hahaha. Das habe ich mir lustig ausgedacht, gell. Haha. Nichts ist! Warum bist du eigentlich hergekommen?" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (7):
Ein Quell witziger Geschichten war eine Studienfahrt nach Berlin mit dem zehnten Klassen - vermutlich sollte ich das eine oder andere Erlebnis verschweigen, doch das eine oder andere kann ich vielleicht erzählen. 
Ich hatte mir den Abend "frei genommen" und Freunde in Berlin getroffen. Um zwei Uhr nachts kehrte ich in unser Hostel zurück, dem "Generator". Ich dachte, ich schaue mal, ob meine "Schäfchen" alle schlafen. Als ich zum zweiten Mädchen-Zimmer kam, öffnete sich die Tür und die Damen schritten langsam heraus. Irritiert blickte ich sie an: "Warum seid ihr wach um diese Uhrzeit?" Sie sagten, sie könnten alle nicht schlafen und wollten einen Spaziergang machen - ob ich sie begleiten würde. Na klar, sagte ich, wir gehen ganz kurz an die frische Luft und kommen dann wieder nach oben. "Aber dann schlaft ihr sofort, ne!" 
Sie waren einverstanden und so wurde es auch gemacht. Als wir an der Rezeption vorbei liefen, hieß es: "Hm, wissen eure Pädagogen, dass ihr hier nachts rumrennt?"
"Jupp, ist dabei", antwortete ich. Wir sprangen ein bisschen draußen herum. Gingen dann wieder nach oben. Ich geleitete sie an ihr Zimmer. Dann plötzlich eines des Mädchen: "Schlaf doch bei uns, Jannis!"
Ich antwortete, dass das nicht ginge, ich als Pädagoge und so, als Mann blablabla. Die verständnislose Antwort der Mädels: "Aber du bist doch eh schwul und machst uns nichts!"
Ich musste herzhaft lachen. 


Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 a):
Auf dieser besagten Berlin-Studienfahrt gab es diesen letzten Abend, bei dem wir irrsinnigerweise mit allen Sechzehnjährigen der Stufe in einen Berliner Club gingen, in dem schon gefühlt eine Million Schüler/innen mit ihren Pädagog/innen drin waren. Und da sollten wir darauf achten, dass sie nicht mehr als zwei Bier trinken - ist ja nicht so, dass sie in der Masse dann doch alle gleich aussehen ... „wink“-Emoticon
Irgendwie haben wir es überlebt (mit Schrammen zwar - selten wurde ich so oft weggeschubst wie mit diesen wild gewordenen Jugendlichen), und stiegen geschafft in die Tram Richtung Hostel. Nur hatte ich ziemlich viel Hunger und sagte meinem Kollegen kurz vor dem Aussteigen, dass ich noch was zum Essen bräuchte, einen Döner oder so. Sofort meldete sich eines der Mädchen, fragte ihn, ob sie mitdürfe, sie habe auch so Hunger. 
Gut, wir zwei also in diesen absurden Döner-Laden, nach Mitternacht, nur Männer saßen drin, tranken Bier und schwatzten. Dann stiefelte dieses sehr hübsche Mädchen neben mir da rein und zwei Dinge passierten: a) staunten die Typen es mit weit aufgerissenen Augen an, pfiffen und klatschten, b) schauten sie mich an, schnalzten anerkennend mit ihren Zungen und riefen unisono aus: "Alta, DU hast es drauf!" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 b):
Immer noch auf der Studienfahrt in Berlin, die Döner in der Hand, beschließen wir (die Schülerin und ich) uns in den Hof des Hostels zu setzen und da zu essen. 
Sie ist der Anziehungspunkt der Jungs hier unten, sie sind etwa 13-14 und schauen die ganze Zeit zu ihr rüber. Sie juckt es wenig, sie möchte rauchen, hat aber keine Kippen. 
Irgendwann fasst sich einer diesen Jungs ein Herz und redet sie an, er hätte eine Wette laufen, ob er ihre Nummer bekomme ... Sie gibt sie ihm natürlich nicht. War eh klar, viel zu jung, der Kleine, und so.
Ich möchte ihr einen weisen Rat (als Pädagoge) geben und sage: "Das war nicht so clever gerade. Die haben Kippen und du möchtest welche haben. Wieso nicht tauschen? Zigaretten gegen Telefonnummer. Meinetwegen auch eine falsche." Ich lächele sie verschmitzt an.
Sie schaut mich an: "Stimmt, hätte ich selbst drauf kommen können!" Dann ruft sie den Jungen wieder zu sich. 
Ich muss kichern. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 c):
Immer noch in Berlin, draußen mit dem hübschen Mädchen und den Jungs. Ich bin froh, dass ich diese schwarze, kuschelige Winterjacke vom Schüler N. anhabe. Das kam übrigens so: Zuhause in Frankfurt war schönes Wetter, so zog ich optimistisch meine neue Lederjacke an und machte mich auf den Weg nach Berlin. Kaum dort angekommen fror ich sehr. Dann sah ich N. mit seiner dicken Jacke und war neidisch auf ihn. Er wiederum erblickte meine coole Lederjoppe und wollte sie gerne einmal anprobieren. "Großzügig" tauschte ich sie also mit ihm: er stand vor dem Spiegel und ich sagte: ah und oh und wie gut steht dir die denn? Und er so: Ja, stimmt, gell, leihst du sie mir bitte, bitte aus? Und ich so: Hm, die ist neu und ich weiß ja nicht, sie ist schon cool und so, und nicht, dass du sie irgendwie verschandelst, ... aber ... ach, weil du es bist, N., dir kann ich ja vertrauen. Wenn du sie haben möchtest, dann nehme ich einfach deine. So waren wir beide glücklich - ich aber noch glücklicher als er, was er nicht wusste. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (9):
Wir waren mal wieder im Schwimmbad (Miramar) und ich sah meine Jungs im Whirlpool. Da bei ihnen kein Platz war, wollte ich in den benachbarten rein, fragte die Mädchen (die nicht zu uns gehörten), ob ich mich dazu gesellen dürfte. Ein rasches Ja vom ersten Mädchen - als ich jedoch schon fast saß, sagte das zweite Mädchen: Aber nicht, wenn Sie zu den Jungs da gehören. 
Zu spät, erwiderte ich, ich bin schon drin. Sie grummelten vor sich hin, die Jungs kommentierten belustigt (und etwas blöde). Ich sagte zu den Mädchen: Ja, ich weiß, die sind auf den ersten Blick etwas proletisch, aber eigentlich sind die total süß und liebenswert, echt. Und dann zeigte ich auf den ersten Jungen und ließ eine Lobeshymne folgen. Dann auf den zweiten usw. 
Sie kriegten das Ende auf jeden Fall nicht mit, weil sie schon längst aus dem Whirlpool verschwunden waren. Das fand ich seltsam. Ich fragte mich, wie sie von den Jungs angemacht worden waren ...
Ich rief zu ihnen rüber: Ich glaube, ich muss einen Kurs mit euch machen: Wie flirte ich mit Mädchen. 
Haha, lachten die, als hättest du es besser drauf, du hast sie ja wohl ganz vertrieben.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (10):
Der süßeste "gleichgeschlechtliche" Kuss begegnete mir übrigens in einem Praktikum in einem evangelischen Kindergarten vor fast zwanzig Jahren. 
Wir besprachen im Stuhlkreis irgendetwas zum Thema "Freundschaft" (ich kann mich gar nicht genau erinnern), als plötzlich ein fünfjähriger Junge aufstand und dem Jungen neben sich einen total spontanen Kuss auf die Wange drückte. Wir schauten den Jungen leicht irritiert an und er sagte fröhlich: "S. ist einfach ein total guter Freund, ich mag den!" 

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