Donnerstag, 6. Juli 2017

Tag des Kusses


Als ich im Park ankomme, steht er bereits am Märchenbrunnen und wartet auf mich. Shit! Vertrauen hin und her. Ich könnte ihn auffressen, so süß finde ich ihn gerade, wie er mir zuwinkt, mich von Weitem anstrahlt, als gäbe es nur mich auf der Welt. Er ist mein verwunschener Prinz, ich möchte ihn erlösen. Mit einem Kuss — und mehr. Er trägt kurze beige Hosen und ein langärmeliges, weißes Leinenhemd drüber, an den Füßen Jesus-Latschen. Mann, sieht er gut aus! Ich werde aufgeregter, je näher ich ihm komme. Mein Herz wummert. Er kommt mir entgegen, drückt mich fest an sich, küsst mich auf den Mund. Ich erwidere den Kuss. Lange. Wie sehr hat mir das gefehlt, dieses wilde Begehren, ich könnte auf der Stelle … Doch ich löse mich von ihm, frage ihn, ob er sich schon einen Platz ausgesucht habe. Er lächelt wissend und nimmt meine Hand. Das erste Mal seit langem, dass wir Händchen haltend spazieren gehen, es tut so gut. Die Vertrautheit ist da. Ich möchte so gerne, dass alles so wie früher ist. 

aus: Rauschgefühle - http://astikos.de/urban-lesen/rauschgefuehle


»Dein Lieblingsfilm?«, fragte ich ihn in unserer ersten Nacht in Berlin ganz aufgeregt, ich hatte ein bisschen die unbegründete Furcht, dass er einen James Bond-Film wählt oder The Fast and the Furious, wie das Afyon getan hätte.
»The Eternal Sunshine of a Spotless Mind«, kam die Antwort blitzschnell.
Fast war ich geschockt, denn Vergiss mein nicht, wie dieser Film mit Kate Winslet in Deutschland heißt, ist auch mein Lieblingsfilm und ich kannte bis dahin nie- manden, der ihn ebenso toll findet wie ich.
»Wieso?«, wollte ich von ihm wissen und er antwortete genauso, wie ich es gemacht hätte, denn er sagte, dass es der schönste Liebesfilm der Welt sei, deswegen.
»Ich habe geweint«, sagte ich.
»Du Memme«, erwiderte Paul – und ich, der ihn noch 
nicht kannte, der nicht flirten konnte, nicht wusste, wie er reagieren sollte, fühlte einen Stich im Herzen.
Fand er mich zu schwul, oder um es böse auszudrücken: zu tuntig? Das fände ich sehr schlimm, dachte ich mir. Ich schaute ihn an und er machte plötzlich ein irritiertes Gesicht und fragte, was los sei.

»Was du gerade gesagt hast«, flüsterte ich, und er brach in ein lautes Gelächter aus.
Ich wusste jetzt erst recht nicht, was ich tun oder sagen sollte. Er kam mir ganz nahe und da passierte es: unser erster Kuss.
In so einer schrecklichen Situation, dachte ich im ersten Moment, aber dann war plötzlich alles weg, nur noch ein gutes Gefühl, nur noch ein Prickeln an der Zunge, an meinen Lippen, oh, wie wundervoll dieses Prickeln doch war, das sollte niemals wieder aufhören, fühlte ich, denn denken konnte ich gar nichts mehr ... 

aus: Großstadtgefühle - http://www.michason.de/grossstadtgefuehle

Wir standen alleine vor der Kneipe, kein anderer Mensch weit und breit. Ich schaute Leif erwartungsvoll an. Er streckte mir mein Glas entgegen, ich nahm einen großen Schluck. Er kam mir näher, trank ebenfalls aus meinem Glas, schaute mich lächelnd an – und kam noch näher.
»Das prickelt so angenehm«, sagte er kichernd. Dann presste er seine Lippen auf meine.
Das prickelte noch sehr viel mehr, dachte ich, doch nicht nur das: Ich fühlte mich seltsam, überall kribbelte es, ich hatte das Gefühl, gleich umzukippen, keinen festen Stand mehr zu haben. Der Kuss schmeckte nach Sekt, er schmeckte nach seinem obsessiv benutzten Lippenpflegeprodukt, er schmeckte nach Leif. Leif. Leif!
Er löste sich kurz von mir und trank einen weiteren Schluck Sekt, den er offensichtlich im Mund behielt. Er kam mir wieder näher, seine Zunge suchte erneut Einlass, und während sie das tat, sickerte der Sekt in meinen Mund und hinterließ ein wunderbares Gefühl in ihm. Jetzt nahm Leif seine Zunge zur Hilfe und liebkoste meine Lippen. Meine Hände suchten einen Weg unter sein Oberteil, bewegten sich ungestüm Richtung Brustwarzen, er stöhnte auf, sein Küssen wurde wilder, drängender, er biss mir leicht auf die Lippen, griff mir an mein bestes Stück, ich war hart und jetzt schon kurz vorm Kommen.

aus: Sekt und Sex - http://groessenwahn-verlag.de/verlagsprogramm/sekt-und-sex/

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