Samstag, 24. Juni 2017

Kurzurlaub in Belgien - Tag 2


Bereits am ersten Morgen bin ich begeistert von meiner Übergangsheimat Brüssel. Ich stehe an der Kasse eines kleinen Supermarkts, Mädchen of colour verschiedenen Alters sind vor mir und reden in drei Sprachen miteinander, fragen sich gegenseitig wie dieses und jenes Wort auf Niederländisch oder Englisch heißt, zwischendurch reden sie auf Französisch. Es ist nicht ersichtlich, welches ihre "Muttersprache" ist. Es sind süße Mädchen, die alle genau eine Sache zum Essen und eine zum Trinken kaufen dürfen. Hinter mir stehen Frauen mit Kopftüchern, die "arabisch" aussehen, es ist nicht zuzuordnen, sie sprechen fast akzentfreies Französisch. Die Verkäuferinnen können von einem Moment auf den anderen von Französisch auf Niederländisch switchen, Englisch geht aber genauso gut. Brüssel. Multilingual. Multikulturell. Und immer entspannt. Als ich meine Challenge beginne, verdrücke ich mich am villo-Automaten. Ich weiß nicht, wer so klug war, diesen Automaten so hinzustellen, dass die Sonne drauf scheint, so dass man kaum etwas auf dem Display erkennen kann, aber es führte dazu, dass ich kurz vor dem Moment, wo das Ticket rauskommen soll, eine falsche Taste drücke. Alles erscheint verloren. Nur dumm, dass die 150 Euro Deposit schon abgezogen wurden, eine Geheimzahl hatte ich auch schon. Hilfesuchend gehe ich in das nächste Büro, in dem Menschen sitzen. Lustigerweise ein "Migrantenbüro". Ein netter älterer Herr redet mit mir sogar auf Deutsch, als er erfährt, dass ich aus Deutschland stamme. Er habe keine Ahnung, aber ich könne diese Nummer da unten links anrufen und wenn ich noch etwas brauche, solle ich nochmal ins Büro reinkommen. Am Draht habe ich dann eine leicht genervte Frau, deren Englisch mit französischem Akzent aggressiv an mein Ohr dringt. Ich möchte stornieren. Sie sagt: aber nein, warum denn? Sie brauchen doch nur noch die Nummer des Fahrrads, dann ist doch schon alles gut. Ich will nicht. Sie zwingt mich. Sie wird mir jeden Schritt genau vorgeben. Okay, okay. Ich wähle irgendwann die Nummer 13. Warum eigentlich??? Ich kann es zunächst nicht aus dem Parkplatz holen, weil das Ding hakt. Ich denke: OMG! Aber dann geht es doch und ich fahre los.
Nach etwa fünf Minuten bin ich schon leicht überfordert: es geht ständig bergauf und es sind gerade schon 32 Grad (und es ist noch nicht mal 12 Uhr) - was eine Scheiß Idee! Aber so sieht man am meisten von der Stadt. Und am Ende bekomme ich wirklich ein Gefühl von Brüssel. Fahrrad fahren ist halt nicht zu empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=OSFHsuNdYjA - wie in dem Video ist es wirklich! Mitten auf dem Fahrradweg ist plötzlich ein Schild, dem man kaum ausweichen kann, oder plötzlich sind da ganz viele Autos auf dem Fahrradweg - zwar sind schön Fahrräder auf die Straße gemalt worden, vergessen wurde aber, dass die Autos keine Fahrbahn haben. Die Schilder sind für nicht-Brüsseler*innen eh nicht zu verstehen: verschiedene Farben, irgendwelche Buchstaben, Routenkennzeichnungen, die in die Irre führen - der Kreativität von Menschen aus dem Verkehrsamt, die wahrscheinlich noch nie mit dem Fahrrad durch Brüssel gefahren sind, wurden offensichtlich keine Grenzen gesteckt. 
Aber selbst dieses Erlebnis, das ich am Ende überlebt habe, ließ mich eher Brüssel lieben lernen als es zu hassen. Mein Gott, an wie vielen schönen Stellen ich vorbeikam (manchmal mehrmals), wie viel gutes Bier ich trinken durfte, wie viele Menschen aus der ganzen Welt ich beobachtete ... Und als ich nach der Fahrradtour in Richtung Unterkunft lief, war das wirklich schon wie nach Hause kommen. Der Gedanke wieder nach Frankfurt zurückzukehren, schien so weit entfernt - und auch gar nicht erstrebenswert. Brüssel ist wie Frankfurt - nur schöner. Entspannter. Mit hübscheren Gebäuden. Mit mehr Grün. Mehr Lebensfreude. Noch mehr Vielfalt. 







































































Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen