Montag, 5. Juni 2017

CSD Wiesbaden


Kürzlich wurde ich von einem jungen Mann, den ich sehr schätze, gefragt, ob so etwas wie der CSD heutzutage überhaupt noch sein müsse. Schwul und lesbisch zu sein sei doch ganz normal in unserer Zeit. Ich musste auf mehreren Ebenen widersprechen. Nehmen wir Schwule und Lesben: es gibt das Verpartnerungs-Gesetz, aber noch keine gleichwertige Heirat von gleichgeschlechtlichen Menschen. Schwule und Lesben dürfen auch nicht gemeinsam Kinder adoptieren. Das sind nur zwei der Rechte, die Schwulen und Lesben verwehrt bleiben. Doch es geht weiter: der junge liebenswerte Mann mag Homosexualität normal finden, doch der Rechtsruck, der unsere Gesellschaft gerade zu einer weniger lebenswerten macht, betrifft auch Homosexuelle. Die Gewalttaten an Homosexuellen nimmt weiter zu, es wird hoffähig auch wieder Ressentiments in ihre Richtung abzuschießen. 
Der CSD ist jedoch nicht nur ein schwullesbisches Event, im Gegenteil, es ist eine queere Veranstaltung, ein LSBTIQ-Event - und da sind die Ressentiments noch sehr viel deutlicher spürbar. Bisexualität ist genauso ein Tabu (selbst bei Schwulen und Lesben) wie Transmenschen oder intersexuelle Menschen es sind. Ja, CSDs müssen noch immer sein, sie sind sogar wichtiger denn je: die sind politisch, sie schreien: wir sind auch noch da, uns gibt es, und wir sind nicht Wenige - und ihr müsst uns so akzeptieren wie wir sind. Denn wir sind ein Teil von euch, wir sind Teil dieser Gesellschaft. CSDs sind politisch, CSDs sprechen Themen an, zeigen, wo es hakt. Und dies passiert durch Schilder, durch Reden, durch Stände, durch Gespräche an Ständen usw. 
Ja, CSDs sind wichtiger denn je: zur Sichtbarmachung von LSBTIQ-Menschen, als politisches Instrument, als Partizipation eines nicht kleinen Teils der Gesellschaft - und deswegen sind gerade die kleinen CSDs wie der in Wiesbaden so wichtig, jeder einzelne CSD ist wichtig. Nicht nur in Großstädten leben LSBTIQ-Menschen, sondern auch in den Kleinstädten, in Dörfern, auf dem Land. 
Sich solidarisch zeigen, auf CSDs zu gehen, ist heute genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als noch zu Beginn dieser CSD-Bewegung in Deutschland. Und auf diesen kleinen CSDs sieht man auch, wie politisch sie sind, und dass natürlich der Kommerz auch nicht fehlen kann - es muss etwas zu essen und trinken geben und irgendwie muss der ganze Aufwand ja auch finanziell geleistet werden (Sponsoren). 
Der CSD in Wiesbaden war eine sehr schöne Veranstaltung, die zum Glück nicht ins Wasser gefallen ist. Los ging es vor dem Staatstheater, dann Richtung Landtag durch die Innenstadt, mit einer kleinen Kundgebung, um dann durch die Innenstadt hindurch zum Hauptbahnhof und dann zum Schlachthof zu gelangen. Es war eine bunte, eine schöne Veranstaltung, die Spaß macht, aber auch informiert und inspiriert. 





















































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