Dienstag, 20. Dezember 2016

Runter kommt man immer ... Edinburgh, die erste


Runter kommt man immer, so sagt man, ja, aber die Frage ist ja wie. Mit dem Helikopter? Notarzt? Oder ... Nun, Höhenangst ist so eine Sache. Als ich "am Abgrund" stand oder vielmehr saß, denn stehen konnte ich keineswegs mehr - auch nicht mehr senkrecht gehen, fragte ich mich auch, wie ich in diese Situation geraten bin. Was würde ich den Menschen sagen, die mich mit dem Helikopter abholen würden? Wie bin ich mit dieser Höhenangst auf die Idee gekommen, auf Arthur's seat zu klettern - und wieso landete ich am gefährlichsten Hang? Meine Höhenangst kommt immer plötzlich. Irgendwas passiert in mir: ich sehe zum Beispiel etwas und dann ist diese Panik plötzlich da. Zuerst wusste ich, dass ich diesen steilen Weg nach oben nicht mehr runter konnte - mich hat schon der Weg nach oben zu viel Überwindung gekostet, ich wusste, dass ich es nicht nach unten schaffen würde. Und dann sah ich jemanden auf diesen Felsen ganz oben rumturnen. Und ich wollte nur noch sterben. Oder zumindest ganz schnell runter von diesem Berg. Daher bat ich Nils den möglichst kürzesten Weg nach unten (und ich meinte gleichzeitig auch den einfachsten) zu suchen. Nur dass er leider einen ziemlich anstrengenden und gefährlichen Weg aussuchte, der zugegeben sicher schnell ans Ziel geführt hätte, wenn ... ja, wenn der Weg für Menschen in Panik nicht zu steil gewesen wäre. Plötzlich konnte ich mich nur noch auf Händen und Füßen bewegen, krabbeln war das einzige, was ich noch hinbekam, wenn überhaupt. Ich machte drei Pausen und blieb einfach sitzen. Nicht einfach. Ich malte mir aus zu stürzen. Ich malte mir aus, wie mich nur noch ein Helikopter da runterholen könnte. Ich sagte Nils, dass ich nicht weiterkönne. Konnte ich definitiv auch nicht. Mein junger Weggefährte sprach auf mich ein, sprach  mir Mut zu, baute mich auf. Und dann drehte ich mich todesmutig um und versuchte wieder zurück zum Gipfel zu steigen, ohne nach unten zu schauen und mit dem festen Vorsatz, den jungen Mann mit in die Tiefe zu reißen, falls ich stürzen sollte (er war ja hinter mir). Und irgendwie schaffte ich es nach oben. Mit der letzten Kraft. Die nächsten zehn Minuten hechelte ich. Kurz hatte ich Angst vor einem Herzinfarkt. Wirklich. Der Puls wollte nicht runtergehen. Ich hielt es fast nicht mehr aus. Ich setzte mich auf einen Felsen und stand minutenlang nicht mehr auf. Auch in diesem Moment dachte ich: wenn Nils keinen einfachen Weg nach unten findet, bleibe ich hier, bis mich jemand mit dem Helikopter abholt. Minuten später fand er aber einen lockeren Weg und wir konnten gechillt nach unten gehen - wir liefen zwar mindestens drei Kilometer Umweg, aber das war mir egal ...




























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