Dienstag, 3. Mai 2016

Neu in der Fremde. Eine Party der Herzen


Man stelle mich zu einem beliebigen Thema auf die Bühne und ich werde performen - na ja, vielleicht abgesehen von Quantentheorie, Biomechanik oder Ovulation der Frau. Auf jeden Fall bin ich zwar stets ein bisschen aufgeregt, aber Panik oder Prüfungsangst liegt mir mittlerweile sehr fern. Das war im Studium noch anders ... Was ich jedoch eigentlich sagen will: bei dieser Release-Party des Buches "Neu in der Fremde. Von Menschen, die ihre Heimat verlassen" war alles etwas anders. Im Vorfeld hatte ich die meisten Texte des Buches gelesen und bei einem hatte ich geweint. Ich saß im ICE und weinte. Das Schicksal von Aboud ging mir so nahe, vielleicht weil ich ähnliche Geschichten aus meiner Beratung kenne, vielleicht weil er als Journalist so schreiben kann, dass er andere Menschen berührt. Oder vielleicht auch, weil ich hinter diesem jungen Mann einen ganz besonderen Menschen vermutete, dem ich alles Gute der Welt wünsche. Als dann Beatrice Wallis, die Organisatorin der wunderbaren, kleinen Veranstaltung, beschloss, dass zuerst Anna Hartnagel, dann Aboud Wedeh lesen sollten und erst im Anschluss ich, war mein Schicksal besiegelt. Anna berichtete ganz sachlich von ihrer Arbeit, Aboud erzählte aber seine krasse Geschichte mit Happy End - und ich kämpfte immer mehr mit den Tränen, konnte sie auch bei dieser Lesung nicht zurückhalten. ich bekam Panik, dass ich nicht lesen könnte - oder zumindest nur stammelnd. Ich verkroch mich in den hinteren Raum, lief herum, versuchte die Fassung zurückzugewinnen. Aber als ich dann auf die Bühne ging und Aboud vor mir sah, war ich erneut so gerührt, ich musste ihm sagen, wie sehr ich mich über das Happy End freute und ihn vor mir zu sehen.
Meine Lesung war dann ganz anders als seine, meine Anekdoten aus Absurdistan brachte manche zu einem Lachen, das besagte: Ist ja nicht zu fassen, wie absurd es da zugeht. 
Ich hatte einen jungen Mann eingeladen, ebenso wie Aboud aus Syrien nach Deutschland geflohen, der ganz gut zusammenfasste, was diese Release-Party ausmachte: es war eine ganz besondere Atmosphäre an diesem Veranstaltungsort, der von engagierten, politischen, großgeistigen Menschen betrieben wird, und das Publikum war ebenso speziell, Zaffer sagte, dass diese Menschen alle so offen und liebenswert erschienen. Für mich war jedoch der größte Moment danach, als ich mit den beiden syrischen Männern noch türkisch essen war und mich mit ihnen austauschen konnte. Aboud war vorher für mich eine Figur aus einer Erzählung gewesen, jetzt wurde er zu dem realen wunderbaren Menschen, der er nun mal ist - und der vielleicht ein Teil meines Lebens werden könnte. Ebenso übrigens wie Anna, die andere Beiträgerin, die mich am Ende des Abends, herzlich wie sie ist, umarmte. Sie war der Engel, der das Happy End bei Aboud herbeiführte ...










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