Donnerstag, 3. November 2016

Rauschgefühle


Trotz nahenden Abistresses ist Jonas glücklich wie nie. In vollen Zügen genießt er seine Liebe zu Paul und das Leben in Berlin, aus der sich eine eingespielte, vertrauensvolle und leidenschaftliche Beziehung entwickelt hat. Die Krise, an der ihre Liebe um ein Haar zerbrochen wäre, hat die beiden enger zusammengeschweißt. Nichts kann diese Leichtigkeit trüben.
Bis … ja, bis Jonas' bester Freund Fabi einen Schicksalsschlag erleidet. Von diesem Moment an ist er nicht mehr der Alte. Sowohl seine Freunde als auch die Schule scheinen ihm gleichgültig zu werden. Sein Leben bestimmen nun andere Kreise. Als Fabi eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist, befürchtet Jonas das Schlimmste. Für ihn und Paul beginnt eine nervenaufreibende Suche voller Hürden und Rückschläge. Eine Spur führt zu Antonio, einem der neuen »Freunde« von Fabi. Was weiß er? Kann er ihnen helfen, ihn zu finden, bevor es zu spät ist?


Auf der Verlagsseite wird euch erklärt, wie ihr das Buch kaufen könnt:
http://astikos.de/urban-lesen/rauschgefuehle 
am einfachsten ist es natürlich auf die roten KAUFEN Buttos zu drücken oder weiter unten auf die anderen Shops. Ihr findet daneben auch noch ein paar Links, Playlisten usw. einfach ganz viel Zusatzmaterial zu den Büchern. :-)


Die Gefühle von Jonas

Vor kurzem ist Jannis Plastargias neuer Roman bei astikos erschienen, Rauschgefühle. Nach Plattenbaugefühle und Großstadtgefühle ist es der dritte Teil seiner Jonas-Reihe. Wie kam es zu dieser Serie, wo soll es mit ihr hingehen und was steckt für ihn als Autor hinter der Figur des Jonas? Hier gibt Jannis einen kleinen Einblick hinter die Kulissen seiner Geschichten.

Vielleicht macht das jede_r Jugendliche, vielleicht machen es auch nur bestimmte, homosexuelle oder sonst von der Norm abweichende, vielleicht nur solche, die später Schriftsteller werden möchten. Ich zumindest hatte ein Alter Ego, das ich reichlich benutzte: Anstatt zu sagen, dass »ein Freund« dieses und jenes Problem habe, wählte ich den Namen Jonas. Ich wollte mir und anderen gegenüber nicht eingestehen, dieser »Freund«, Jonas, zu sein. Bevor ich mich outete, sprach ich häufig von Jonas, er sei so und so, mache dies und das und ich deutete vieles an. Meine Freund_innen wussten Bescheid, ganz sicher wussten sie das.
Doch wieso Jonas?
Jonas klang meinem Namen Jannis sehr ähnlich, nur die Vokale wechselten, ansonsten wirkte Jonas wie die deutsche Version meines Namens. Jonas muss aber auch ein Name einer Serienfigur in meiner frühen Jugend gewesen sein: ein blonder Junge um die 15, für den ich schwärmte. Ich stellte mir damals, mit etwa 14, vor, dass wir ein Paar werden, wir gemeinsam kuscheln, zusammen Zeit verbringen. Ich sah den blonden Typen vor mir, wie er in unserer Küche steht, mit knappen Shorts, einem weiten Shirt und Wollsocken an den Füßen und etwas für mich kocht — und ich sah mich, wie ich mich von hinten an ihn schmiege.
Es gab keinen Jonas in Darmstadt-Kranichstein, wo ich drei Schuljahre lang als Schulsozialarbeiter tätig war. Doch nachdem ich dort aufgehört hatte, drängte sich mir plötzlich die Idee auf, über diese Schule, diesen Ort, meine Erlebnisse und natürlich die Menschen dort, zu schreiben. Die Geschichte lag vor meinen Füßen: Ich war ab der ersten Schulwoche in Darmstadt geoutet, in meiner ganzen Zeit als Schulsozialarbeiter hatte sich jedoch offiziell kein Schüler geoutet — ich fragte mich, was passiert wäre, wenn sich jemand mit meiner Hilfe den anderen gestellt hätte …
Hier musste wieder Jonas herhalten. Ich wollte eine Person als Hauptfigur nach Darmstadt-Kranichstein bringen, die keine Ähnlichkeiten mit Schülern an dieser Schule hatte, sie sollte fremd sein, ganz anders als der Rest. Weder wollte ich eine Figur nehmen, die einen nicht-deutschen Hintergrund hatte, noch jemanden aus der gleichen Bildungsschicht wie die meisten Kranichsteiner. Jonas sollte einen unbefangenen Blick auf die Menschen dort haben, sollte sie als Fremder beobachten und versuchen, mit ihnen zurecht zu kommen. So wie ich das anfangs tun musste, um die Schüler_innen am Ende ganz lieb zu haben. Jonas verliebt sich in einen türkischen Jungen namens Afyon — und dann beginnt die erste aufregende Geschichte um Jonas und seine Gefühle. Plattenbaugefühle.
Die Wahl fiel auf Afyon, das reale Vorbild war weder schwul noch türkisch. Es lag an meinem Urlaub in Antalya, dass ich mich auf einen türkischen Jungen eingeschossen hatte. Dieser sollte liebenswert sein, aber in seiner Familie ein grundsätzliches Problem mit seinem Anderssein haben. Diese Beschreibung fanden manche der Leser_innen diskriminierend: Es würde doch die Vorurteile bestätigen und verstärken. Ja, mag sein, aber ich wollte Realität abbilden. Ich kenne türkische Menschen, die in liebevollen, toleranten Familien aufwachsen. Aber meine Erfahrungen zeigen auch, dass es in den meisten muslimischen Familien doch eher schwierig mit dem Coming-out ist. Es ist also schwierig zwischen Jonas und Afyon, doch es zeigt sich auch, dass die »Beziehung« nicht deswegen scheitert, weil sie aus verschiedenen Kulturen stammen, sondern eher, weil sie so wenig gemein haben — außer vielleicht die oberflächliche Teenie-Verliebtheit …
»Wer ist eigentlich Paul?« Dieses Zitat stammt aus einer bekannten Werbung vor einem Jahrzehnt. Das erste Treffen von Paul und Jonas findet bereits in »Plattenbaugefühle« statt, doch in »Großstadtgefühle« verlieben sie sich und Jonas erlebt seine erste »richtige«  Beziehung, mit all ihren Höhen und Tiefen. In Teil 1 taucht Jonas in die Kultur Darmstadt-Kranichsteins ein, trifft ganz andere Menschen als sich selbst, lernt sich dabei selbst neu kennen, seine homosexuelle Identität. In Teil 2 ist er in die Großstadt zurückgekehrt und vertieft das Wissen über sich. Das Milieu, in dem er sich nun befindet, sind die Bretter, die die Welt bedeuten. Ansonsten pendelt er zwischen Berlin und München, denn in der bayrischen Metropole wohnt sein Geliebter Paul. Im Theater lernt er jemanden kennen, Carl, der sich irgendwie dazwischen drängen kann — mit teilweise üblen Mitteln In den »Rauschgefühlen« spielt nun Jonas‘ bester Freund Fabi eine größere Rolle. Der junge Mann ist der große Sympath in Teil 1 und 2, während Paul und Jonas sich wieder als Paar fangen und glücklicher sind denn je, verschwindet Fabians Freundin und er gerät in einen Strudel, der ihn in immer gefährlichere Gewässer bringt. Jonas hat zwischenzeitlich die Angst, ihn für immer zu verlieren … Es wird auch eine neue Figur eingeführt, die beide Teile etwas miteinander verbindet: Antonio. Den lernt Jonas erst in Berlin wirklich kennen, obwohl er ihm in seiner kurzen Kranichstein-Zeit begegnet ist — er war Afyons Team-Kollege im Fußball. Toni ist derjenige, der Fabi zu den Drogen bringt, womit Jonas große Probleme hat. Wieder lernt der blonde Junge ein neues Milieu kennen, wieder kommt er in gefährliche Situationen …
Meistens sprechen wir bei Reihen von Trilogien, manchmal gibt es aber auch mehrbändige Geschichten, doch sind diese eher selten. Was ist mit Jonas und seinen Gefühlen? Zu Beginn sollte tatsächlich nur eine Trilogie entstehen, doch das Schreiben an den ersten beiden Teilen machte so Spaß, dass schon während der »Rauschgefühle« klar war, dass es mindestens sieben Bände geben soll, vielleicht sogar mehr. Wir wollen Jonas auf seinem Lebensweg begleiten, durch sein Coming-out, durch die erste Beziehung, durch das Abitur, durch das Studium, durch dies und das. Es wird immer spannend bleiben und er wird immer wieder neue Milieus, neue Kulturen kennenlernen, vielleicht wird er einmal ein Auslandssemester machen? Oder sich im Urlaub in einen Brasilianer verlieben und dort hinziehen? Wer weiß das schon … Jonas‘ Gefühle sind bunt und er selbst immer für Überraschungen gut!

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